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Bundesliga-Wintercheck : 20 Millionen für die Jugend

  • -Aktualisiert am

Gibt die Richtung an: Volker Finke Bild: dpa

          Der Blick nach Freiburg muss jedem Fußballfan Spaß machen. Die Mannschaft aus dem Breisgau ist eines der wenigen Teams der Bundesliga, das konstant durch schöne Kombinationen und spielerisches Potenzial überzeugt, ganz ohne Superstars.

          Seit sechs Spielen ungeschlagen, Tabellenplatz neun zur Winterpause, hört sich gut an. Dennoch sind es zum 16. Tabellenrang nur vier Punkte. „Wir liegen grundsätzlich im Soll“, meint Trainer Volker Finke. 24 Punkte nach 18 Spielen, so gut war die Bilanz noch nie nach dem Wiederaufstieg 1998.

          Kaum mehr als eine Million Mark gab Freiburg für Neuverpflichtungen aus, trotzdem wurde das junge Team, beispielsweise mit Vladimir But und Sebastian Kehl, optimal verstärkt. Auch in Zukunft setzt man auf die Jugend. 20 Millionen Mark wurden für den Bau eines Jugendleistungszentrums bereitgestellt. „Wir investieren lieber 20 Millionen in die Jugenarbeit, als in zwei Beine“, sagt Manager Andreas Rettig in Anspielung auf 25-Millionen-Mann Tomas Rosicky von Borussia Dortmund.

          Das Team

          Freiburg, eigentlich bekannt durch offensiven Stil und furchtlosen Angriffsfußball, überzeugte bisher durch sein Defensivverhalten. Lediglich 21 Gegentreffer in der laufenden Saison, nur Schalke (19) und der FC Bayern (20) haben weniger kassiert. Im heimischen Dreisamstadion kassierten die Freiburger als einziges Team der Liga bisher nie mehr als ein Gegentor pro Spiel. Die starke Defensive führt Torwart Richard Golz an. Der Keeper verfügt über genug Erfahrung seine Vorderleute zu dirigieren. „Richard Golz spielt seine bisher beste Saison für uns“, meint auch sein Trainer.

          Das spielerische Potenzial der Freiburger ist mehr als konkurrenzfähig. Die Spielweise ist seit Jahren unverändert, genau wie das Gerüst der Mannschaft. Die Mannschaft ist jung und daher weiter steigerungsfähig, aber die Jugend birgt auch Gefahren. Fünf Spiele zum Auftakt ohne Niederlage, anschließend sechs Pleiten in sieben Partien, es fehlt die Konstanz. „Junge Spieler unterliegen Schwankungen, das ist normal. Konstanz ergibt sich über die Jahre.“ Volker Finke ist bereit, der jungen Mannschaft Fehler zu verzeihen.

          Sorgen bereitet vor allem Spielmacher Zoubaier Baya. In guter Form ist er eine wesentliche Säule in Freiburgs Spiel. Doch der Tunesier wird in der Rückrunde oft für sein Land im Einsatz sein, kommt regelmäßig in schlechter Verfassung von Länderspielreisen zurück. Spieler wie Vladimir But, Sebastian Kehl und Lars Hermel haben in der Summe genügend Erfahrung und Können, um Baya zu ersetzen. Fallen aber mehrere Spieler gleichzeitig aus, könnte es eng werden.

          Der Trainer

          Der Name Volker Finke ist untrennbar mit SC Freiburg verbunden. Finke betreut die Breisgauer nun im zehnten Jahr und ist damit momentan der Bundesliga-Trainer mit der längsten Amtszeit bei einem Verein. „Die Arbeit macht mir einfach Spaß und es gibt hier noch einiges zu tun“, sagt der 53-jährige.

          In Freiburg vertraut man auf Finkes Gespür für junge Talente. Jahr für Jahr versteht es der Coach mit wenig Geld und ohne große Namen eine Mannschaft zu formen und vielversprechende Talente zu fördern. Die Leistungsträger des Kaders spielen jetzt seit drei Jahren zusammen und Finke hofft durch die gewonne Homogenität in spätestens zwei Jahren einige Früchte seiner Arbeit ernten zu können. Die Qualifikation für den UEFA-Cup wie im Jahr 1995 wird langfristig angestrebt.

          Die Struktur

          Beim SC Freiburg praktiziert man das „Lean-Management“. Wenige Verantwortliche mit viel Ahnung vom Fußball sind hier am Werk. Präsident Achim Stocker, Manager Andreas Rettig und Trainer Volker Finke kennen sich lange und arbeiten fast perfekt zusammen. „Wenn Präsident, Trainer und ich um neun Uhr zusammenkommen, wissen wir wo es um fünf nach neun hingeht. Wir sind klein und wendig, das ist unsere Chance“, kommentiert Rettig die Zusammenarbeit. Selbst Bayern-Manager Uli Hoeneß imponiert die Arbeitsweise der Breisgauer: „Die mit ihrer Meister-Fuchs-Art, das gefällt mir. Die haben Visionen.“

          Der Club schreibt schwarze Zahlen und konnte so viel Geld in das Umfeld stecken. Die Trainingsbedingungen wurden erheblich verbessert, das „Schmuckkästchen“ Dreisamstadion wurde bundesligatauglich gemacht und für die Fans wurde ein „Fan-House“ errichtet. Die mittelfristigen Investitionen sind damit abgeschlossen, mit der Fertigstellung des Jugendleistungszentrums Ende August wurde in die Zukunft investiert.

          Die Perspektive

          Das jetzt schon gute und vergleichsweise erfahrene Freiburger Team läßt berechtigt für die Zukunft hoffen. Aufgrund der spielerischen Klasse und einem qualitativ wie quantitativ gut besetzten Kader sollten sich die Badener von den Abstiegsrängen fernhalten und im sicheren Mittelfeld positionieren können.

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