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Bundesliga-Kommentar : Und tschüss

  • -Aktualisiert am

Adiós: Der Spanier Raúl beim Abschied „Auf Schalke“ Bild: dapd

Die letzten Saison-Heimspiele vieler Bundesliga-Vereine geraten zu sentimentalen Abschiedsvorstellungen ihrer Stars. Eine Neigung zur Übertreibung ist zu beobachten - und auch ein bisschen Verlogenheit.

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          Brauchen wir so viele Blumensträuße in den Fußballstadien wie am Samstag? Die letzten Saison-Heimspiele der Schalker, Bayern, Hamburger, Leverkusener und Mönchen-Gladbacher gerieten zu sentimentalen Abschiedsvorstellungen für mehr oder weniger verdiente Fußballprofis.

          So manche Träne wurde zerdrückt

          Raul, Hans-Jörg Butt, Ivica Olic, David Jarolim, Mladen Petric, Rene Adler, Michael Ballack, Marco Reus, Dante und Roman Neustädter machten Winke, Winke und das Publikum jubelte ihnen noch einmal zu, sogar so manche Träne wurde zerdrückt. Verständlich im Fall von Reus, der in seine Heimatstadt Dortmund zurückkehrt, nachdem er in Gladbach fußballerisch Erwachsen geworden ist oder im Fall Butt, der mit 37 Jahren einfach alt genug ist, um aufzuhören.

          Tschüss: Die Deutschen Adler (im Foto links) und Ballack beim Abschied in Leverkusen Bilderstrecke
          Tschüss: Die Deutschen Adler (im Foto links) und Ballack beim Abschied in Leverkusen :

          Aber bei manchen Beispielen verwundert es schon, wie plötzlich alles Negative vergessen ist, wenn der letzte Blumenstrauß überreicht wird. Michael Ballack ist in Leverkusen nie glücklich geworden und die Leverkusener mit ihm auch nicht. Ziemlich lautstarke Nebengeräusche störten den Frieden bei Bayer monatelang. Der Werksklub sortierte auch seine langjährige Nummer 1, Adler, aus, lange bevor dessen Verletzung auskuriert war.

          Ob deren Verhältnis so ungetrübt ist, wie es bei der Blumenübergabe suggeriert wurde? In Hamburg war Petric nicht gerade als großer Teamplayer bekannt, Jarolim wurde über Monate nicht mehr berücksichtigt. In Gladbach hatte Dante mit seiner Koketterie über den bevorstehenden Bayer-Wechsel genervt. Ein bisschen Verlogenheit war also auch dabei, als es am Samstag gefühlvoll wurde - und auch eine gewisse Neigung zur Übertreibung. So beliebt sich Raul auf Schalke auch gemacht hat in seinen zwei bestens bezahlten Profijahren: Musste eigens zur Verabschiedung des Spaniers eine Bühne auf den Rasen installiert werden?

          Peter Heß
          (peh.), Sport

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