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Bundesliga-Kommentar : Schwer integrierbar

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Stimmungsfördernd? Bremer Fans zünden Feuerwerkskörper in Mainz Bild: dpa

Wieder wird ein guter Spieltag überschattet von Auschreitungen. Vor allem manche Vereine haben die Augen vor dem Problem zu lange verschlossen.

          Die Bayern dominieren, die Schalker punkten, Stuttgart und Dortmund begeistern in ihrem direkten Duell, die freche Hertha überrascht, Reus und seine Gladbacher bezaubern: Es gibt viele gute Nachrichten aus der Bundesliga an diesem Wochenende. Doch sie werden überschattet von einer ganz anderen Diskussion: Sind die Zuschauer noch sicher, wenn sie ein Fußballspiel besuchen wollen? Noch antwortet die Mehrheit mit ja, wie die jüngsten Umfragen ergeben haben, noch sind die Arenen gut gefüllt. Aber nach den Vorkommnissen in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten ist die Frage berechtigt: Wie lange noch?

          Zu lange haben die Verbände und vor allem manche Vereine die Augen vor dem Problem verschlossen, sich der Herausforderung nicht gestellt. Die paar wenigen Krawallmacher hätten mit dem Fußball nichts zu tun, sie würden sich nur eine Bühne suchen und deshalb könne man nichts gegen sie tun. Dieses Urteil trifft aber nur für den kleineren Teil der Hooligans zu.

          Keine ernsthafte Auseinandersetzung mit Ultras

          Der größere Teil versteht sich durchaus als Fußballfans. Meist sind sie Mitglieder der örtlichen Ultra-Szene. Darin organisieren sich Fußballfans, für die ihr Verein eine Herzensangelegenheit ist, über alle Trends und Moden hinweg. Sie verhöhnen die Logengäste und Schicki-Micki-Anhänger, und sie gehen auch auf Distanz zu ihrer Klubführung, wenn sie ihnen nicht passt. Ihre Choreographien und Aktionen wurden und werden jedoch gerne gesehen von den Leuten, die von ihnen beschimpft werden, und deshalb wurden auch die Auswüchse der Fan-Organisation toleriert: Gefährliches Abbrennen von Bengalos oder die Beschimpfungsriten gegnerischer Fans.

          Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Ultras fand an vielen Bundesligastandorten nicht statt, so dass sich in diesem Vakuum die Subkultur ungehemmt weiterentwickelte. In Frankfurt zum Beispiel lassen sich die Ultras gar nichts mehr sagen. Sie fühlen sich mit vielen anderen Gruppen im Recht mit ihrer Forderung, Bengalos zu legalisieren, weil sie die Stimmung fördern.

          Ein langer und teurer Weg

          Jetzt ist es soweit, dass das Problem nicht mehr zu übersehen ist. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich hat für den 14. November einen Runden Tisch einberufen, „Wir werden eine Antwort finden müssen. Denn diese Gewalteskalation ist so nicht hinnehmbar.“ Noch mehr Polizei kann keine Lösung sein, schon jetzt sind bei Risikospielen mehr als 1000 Beamte im Einsatz, die dennoch nicht jede Gewalttat verhindern können, weil es um ein Stadion einfach zu viele mögliche Brennpunkte gibt.

          Es kann nur darum gehen, langfristig die Zahl der gewaltbereiten Fans zu verringern, durch Aufklärung und durch den Versuch, die Ultras wieder in Rest der Fußballfamilie zu integrieren. Dadurch würden die wenigen wirklich gewaltsuchenden Fans isoliert. Dies ist allerdings ein langer und teurer Weg. Denn im Moment wollen die meisten Ultras überhaupt nicht zurück in den Schoß des Fußball-Establishments. Sie fühlen sich eher solidarisch mit ihren schwarzen Schafen als mit der Polizei, ihrem Verein oder den anderen Fans.

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