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Bundesliga-Kommentar : Nicht alles hat Hand und Fuß

  • -Aktualisiert am

An diesem Wochenende war Manuel Neuer im Fokus der Kritik Bild: dpa

Schon 2006 entschied Fußgeschick über den Stammplatz der Handwerker in der deutschen Nationalmannschaft. Der moderne Stil des Torwartspiels birgt viele Fallen für die Schlussmänner. Nur deshalb stehen Adler und Neuer ständig in der Kritik.

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          Berti Vogts hat in seiner Zeit als Bundestrainer viele lustige Sachen gesagt, allerdings war der Witz in der Regel eher ungewollt. Ganz am Ende aber hat er sich einmal ganz durchdacht und süffisant gegen die viele Kritik an seiner Arbeit gewehrt. „Wenn ich übers Wasser gegangen wäre, hätte es geheißen: Guck mal, nicht einmal schwimmen kann der.“ So ähnlich geht es derzeit drei Spielern, deren Leistung an jedem Wochenende aus verschiedenen Kamera-Blickwinkeln in ihre Einzelteile zerlegt und sorgsam seziert wird. Als sei die Torwartposition die größte Schwachstelle der Nationalmannschaft, müssen es sich René Adler, Manuel Neuer und Tim Wiese gefallen lassen, dass sie unter ganz besonderer Beobachtung stehen.

          Wie sehr sich das Torwartspiel verändert hat, machen die Szenen deutlich, die Adler und Neuer zuletzt zur Last gelegt wurden. Adlers Ausflug im Länderspiel gegen Argentinien endete damit, dass Higuain den Ball ins leere Tor schießen konnte. Ähnliches ist nun Neuer zweimal passiert – in der vergangenen Woche verschätzte er sich gegen Hannover, nun war der Gladbacher Bobadilla entweder einen Sekundenbruchteil eher am Ball, oder er spitzelte dem Schalker Torwart die Kugel verbotenerweise aus der Hand, was aber nicht einmal die Fernsehkameras eindeutig belegen konnten. Und schon wird gewarnt, dass es mit derart jungen und international unerfahrenen Torhütern nichts werden könne bei der WM. „Da fehlt die Konstanz eines Torhüters, der schon viel erlebt hat“, sagt etwa Jens Lehmann, der – wäre er Bundestrainer – vermutlich sich selbst nominieren würde. Aber auch Konstanz ist keine Garantie auf Fehlerlosigkeit im entscheidenden Moment, wenn man sich an Kahns Patzer im WM-Finale 2002 erinnert. Konstanter als der ehemalige „Titan“ spielte schließlich niemand.

          Früher mussten Torhüter nur irgendwie die Hände an den Ball bekommen, heute ist es längst erforderlich, dass sie auch gut Fußball spielen und ein Spiel „lesen“ können. Seit die Position des Liberos im Fußballarchiv verschwunden ist, muss der Torwart dessen Rolle ab und zu mit übernehmen und weit vor seinem Tor brenzlige Situationen klären. Geht das gut – und das tut es in den überwiegenden Fällen –, sieht es häufig nicht besonders spektakulär aus, weil die Gefahr schon im Ansatz erstickt wurde. So etwa erging es Neuer gegen Mönchengladbach – er kam einmal zu spät, eilte danach aber noch gefühlte zehn Mal aus seinem Tor, schnappte sich den Ball oder klärte per Fuß und einmal sogar per Kopf.

          René Adler war ausnahmsweise mal fehlerlos
          René Adler war ausnahmsweise mal fehlerlos : Bild: dpa

          Schon 2006 entschied Fußgeschick

          Die veränderten Anforderungen an das Torwartspiel haben schon vor vier Jahren den Ausschlag für die Rangfolge gegeben – als mitspielender Schlussmann war Lehmann stärker als Kahn, der eindeutig besser auf der Linie war. Bundestrainer Joachim Löw hat sich nun früh auf Adler festgelegt, dazu hat er mit Neuer und dem im Herauslaufen wesentlich verbesserten Wiese gleichwertige Alternativen.

          Ein Torwartproblem hat Deutschland so oder so nicht – sollten sich alle drei noch verletzen, wäre die WM auch mit dem Stuttgarter Lehmann, dem Dortmunder Weidenfeller, dem Mainzer Müller oder dem Hamburger Rost noch nicht verloren. Und schwimmen können die alle vermutlich auch noch.

          Peter Penders
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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