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Bundesliga-Kommentar : Münchner Reizklima

  • -Aktualisiert am

Good Cop, Bad Cop? Beim Bier scheinen sich Sammer und Heynckes halbwegs zu verstehen Bild: REUTERS

Die sieben Siege zum Saisonstart könnten ein schlechtes Omen für die Bayern sein. Vielleicht führen sie deshalb die Komödie vom Reizklima auf.

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          Da hat Bayern-Präsident Uli Hoeneß schon Recht: Für den Startrekord kann sich der Rekordmeister nichts kaufen. Aber sieben Siege in den ersten sieben Saisonspielen - das ist andererseits schon mal ganz nett. Vor allem in Hinblick auf die Atmosphäre. Nach der ersten Verstimmung zwischen Sportvorstand Sammer und Trainer Heynckes fragt man sich, was passiert, wenn die Münchner mal Unentschieden in der Liga spielen oder gar verlieren?

          Fürs erste ist die Situation nach dem 2:0 gegen Hoffenheim bereinigt - sagen jedenfalls alle Beteiligten. Doch bis zum nächsten Disput wird es nur so lange dauern, wie der gute Wille zum friedlichen Miteinander reicht. Denn an der Konstellation hat sich nichts geändert. Sammer ist als unbequemer Mahner und Kritiker angestellt, Heynckes als Moderator eines Kaders voller vor Ego strotzender Fußballmillionäre.

          Das bietet eine Reibungsfläche, die laufend Funken produziert. Wer immer sich daran entzünden mag, wird einen Grund dafür finden, es zu tun. Heynckes kann sehr wohl jenes „lätschert“, wie Sammer das 2:0 über Bremen in der vergangenen Woche bezeichnete, als Torpedo für sein sorgsam durch Rotation aufgebautes Gleichgewicht der Superkräfte verstehen. Dass der Vorstandsvorsitzende Rummenigge den Vereinsmitgliedern und den Besuchern des Heimspiels gegen Hoffenheim im Stadionmagazin mitteilte, er begrüße Sammers Kritikfreude, kann Heynckes nicht gefallen. Genauso wie der Sportdirektor den Vorwurf des Trainers, ein Populist zu sein, erst mal verdauen muss.

          Schlechtes Omen

          Dieses Münchner Reizklima könnte einer der seltsamsten Bundesligaserien zu weiterem Bestand verhelfen. Immer wenn ein Verein den Bundesliga-Startrekord von sieben Siegen nacheinander aufstellte, wurde er nicht Meister - sondern Borussia Dortmund. Das ging den Bayern schon in der Saison 1995/96 so, dem 1. FC Kaiserslautern im Spieljahr 1997/98 und den Mainzern 2010/11.

          Genial allerdings wäre es von den Bayern, wenn die Führungsriege (Trainer, Sportvorstand, Vorstandsvorsitzender im Verbund mit dem Präsidenten) nicht - wie alle annehmen - ein Bermudadreieck bilden würden, sondern eine feste Einheit. Wenn sie bewusst die Rollen „good guy“ und „bad guy“ verteilt hätten und das Drehbuch gemeinsam festlegen würden. Wenn jede Kritik und jede Erwiderung, wenn jede Versöhnung, jede Parteinahme zum abgekarteten Spiel gehörte, um die Mannschaft auf Trab zu halten.

          Hoeneß interessiert nur der Tabellenstand

          Dann machte auch der Satz von Hoeneß Sinn, dass ihn der Dialog zwischen Sammer und Heynckes nicht interessiere, sondern nur der Tabellenstand, und da insbesondere der Abstand zum Zweiten. Der betrage sieben Punkte, sagte Hoeneß am Samstag, was die Frankfurter Eintracht als Beleidigung auffassen konnte. Denn da stand deren sonntägliche Niederlage gegen Gladbach noch nicht fest. Bei einem Sieg hätte der Abstand zum Tabellenführer für den Aufsteiger zwei Punkte betragen - und auch so sind es nur fünf.

          Aber wen die Bayern nun auch immer als wahren Zweiten ansehen mögen, sie halten ihn für schwächer als sich selbst. Wie sagte Karlheinz Rummenigge: „In dieser Saison haben wir nicht 17, sondern erstmals sogar 18 Gegner. Der 18., der vielleicht gefährlichste Gegner ist das ständige Lob unseres Umfelds, aber auch unserer Konkurrenz.“

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