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Bundesliga : „Das Spiel ihres Lebens“

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Der Mainzer Friedrich bremst Berbatow Bild: REUTERS

Bayer denkt an Real und scheitert beim Aufsteiger: Vor dem Beginn der Champions League unterliegt Leverkusen 0:2 in Mainz. Erfolgstrainer Klopp schwärmt: „Das war ganz großer Sport.“

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          Bayer 04 Leverkusen ist ausgerechnet vor dem Auftakt der Champions League am Mittwoch gegen die „Galaktischen“ von Real Madrid unsanft von Wolke sieben geholt worden.

          „Ich habe die ganze Woche davor gewarnt. Ich kenne ja meine Pappenheimer. Gegen Madrid geben sie wieder Gas. Sie müssen aber kapieren, daß sie immer 100 Prozent geben müssen“, sagte Bayers Trainer Klaus Augenthaler am Samstag nach dem 0:2 (0:0) bei Neuling FSV Mainz 05. „Es ist so wie mit kleinen Kindern. Meiner vierjährigen Tochter muß ich auch jedes Mal wieder auf die Finger hauen, damit sie die Blüten nicht abreißt.“

          München, Mainz, Madrid

          Während die Mainzer ihren zweiten Heimsieg noch lange nach dem Spiel mit den Fans im mit 19.500 Zuschauern ausverkauften Bruchwegstadion ausgelassen feierten, flüchteten die geschlagenen Rheinländer mit hängenden Köpfen in die Kabine. Zwei Wochen nach der gloriosen 4:1-Gala gegen Rekordmeister Bayern München war bei Bayer Tristesse angesagt. „Wir haben viel kaputt gemacht, was wir uns gegen die Bayern aufgebaut hatten“, räumte Augenthaler ein. Müdigkeit seiner Auswahlakteure nach der Länderspiel-Woche ließ er nicht als Entschuldigung gelten. „Wir werden uns nun auf das nächste M vorbereiten: München, Mainz, Madrid.“

          Franca traf nicht, Mainz schon

          Der Mainzer Trainer Jürgen Klopp zollte gleich seiner gesamten Mannschaft ein Sonderlob. „Die Jungs haben das beste Spiel ihres Lebens gemacht. Das war großer Sport. Natürlich hatten wir kurzfristig Probleme, wenn Bayer seine Doppelpassmaschine angeschmissen hat, aber meine Spieler haben dagegengehalten und sind für ihren Einsatz belohnt worden“, meinte Klopp. Von einer neuen Zielsetzung wollte der 37jährige trotz des Traumstarts mit sieben Punkten aus vier Spielen aber nichts wissen. Klopp augenzwinkernd: „Wenn man keine Saisonziele hat, braucht man sie auch nicht zu revidieren.“

          „Vom Kopf her haben wir es nicht hinbekommen“

          Mit bekannt grimmiger Miene und einer Prise Galgenhumor monierte dagegen Klaus Augenthaler die fehlende Leidenschaft seiner Mannschaft. Im Gegensatz zu den um jeden Zentimeter kämpfenden Mainzern wirkte die mit Nationalspielern gespickte Bayer-Mannschaft viel zu unentschlossen. Torjäger Franca vertändelte gleich mehrere Male vor dem FSV-Kasten den Ball. „Ich glaube aber nicht, daß wir Mainz unterschätzt haben“, meinte der eingewechselte, ehemalige 05er-Angreifer Andrej Woronin. Kapitän Carsten Ramelow, der ebenso wenig wie Nationalspieler Bernd Schneider Akzente setzen konnte, räumte zumindest ein: „Wir waren gewarnt, aber vom Kopf her haben wir es nicht hinbekommen.“

          Die Konsequenz waren die beiden Gegentore durch Niclas Weiland (65.) und Benjamin Auer binnen drei Minuten. Zu verhindern vermochten dies auch nicht die Brasilianer Juan und Roque Junior, die nach dem WM-Qualifikationssieg gegen Bolivien und dem 1:1 im Testspiel gegen Deutschland nicht gerade wach wirkten. Ein ums andere Mal ließen sie sich vom ehemaligen Drittliga-Spieler Antonio da Silva oder Bundesliga-Neuling Niclas Weiland düpieren.

          „Da schießen einem die Tränen in die Augen“

          Bange ist Augenthaler hinsichtlich der anstehenden Begegnung mit Ronaldo, Michael Owen, David Beckham und Zinedine Zidane aber nicht. „Ich glaube, daß Juan und Roque Junior Ronaldo besser kennen als zwei Mainzer Angreifer“, sagte der 46jährige: „Wenn die beiden Ronaldo nicht in den Griff bekommen - wer dann?“

          Im Griff hatten die Mainzer nach dem Schlußpfiff auch ihre begeisterten Fans. Kapitän und Torwart Dimo Wache gab mit Megafon auf der Tribüne den Ton an, auf dem Platz strahlten die Liga-Debütanten um die Wette. „Das war ganz großer Sport, der hier abgegangen ist. Ein Sieg der Leidenschaft“, freute sich Trainer Jürgen Klopp. „Unglaublich - da schießen einem die Tränen in die Augen“. Überglücklich waren auch die beiden Torschützen. „Es war schon geil. Es ist immer was besonderes, in der Bundesliga ein Tor zu erzielen“, meinte der 23jährige Auer, der zuletzt zumeist ein Dasein auf dfer Tribüne fristete.

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