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Bundesliga-Check : Konkurrenzkampf statt Klüngel

  • -Aktualisiert am

Kölner Macher: Ewald Lienen Bild: dpa

Attraktiver Fußball hat die Massen angelockt. Beim 1. FC Köln werden nun höhere Ziele angestrebt. Baumeister des Aufschwungs: Ewald Lienen.

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          In der ersten Saison nach dem Aufstieg gelang dem 1. FC Köln ein überraschend starkes Comeback in der Bundesliga. In der Rückrunde schnupperten die Rheinländer sogar zwischenzeitlich an den Uefa-Pokal-Plätzen.

          Nachdem das Team im Oktober des vergangenen Jahres mit dem 1:6-Debakel in Wolfsburg kurzfristig in die Abstiegszone zurückgefallen war, steigerten sich "Geißböcke" kontinuierlich. Mit dem zehnten Rang in der Abschlusstabelle waren die Verantwortlichen letztlich zufrieden, weil die Mannschaft von Trainer Ewald Lienen größtenteils sehr attraktiven Fußball geboten und einen unerwarteten Zuschauer-Boom im Müngersdorfer Stadion ausgelöst hatte.

          Mannschaft
          Rund zehn Millionen Mark investierte der dreimalige Deutsche Meister in neue Spieler. Nach langen Transfer-Gezerre mit dem 1. FC Kaiserslautern wechselte Marco Reich für sechs Millionen Mark an den Rhein. Dazu kam der von vielen Vereinen umworbene Junioren-Nationalspieler Hanno Balitsch aus Mannheim für vier Millionen und Jörg Reeb ablösefrei aus Leverkusen.

          Stammspieler wurden nicht ziehen gelassen, doch der Abgang von Claus-Dieter Wollitz (Karriereende) und Ralf Hauptmann (zum Regionalligisten Chemnitzer FC) dokumentiert, dass Lienen weiterhin das Konzept forciert, mit einer jungen, laufstarken Truppe den eingeleiteten Neuaufbau fortzusetzen.

          Bild: dpa

          Obwohl die fast 40-jährige Bundesliga-Erfahrung lehrt, dass das zweite Jahr nach dem Aufstieg die Mannschaften häufig vor besondere Schwierigkeiten stellt, ist man in Köln optimistisch. Der verschärfte Konkurrenzkampf im zahlenmäßig leicht reduzierten Kader soll zu einer weiteren Leistungssteigerung führen.

          Trainer
          Der Erfolg des 1. FC Köln hat einen Namen: Ewald Lienen. Der frühere Bundesliga-Stürmer (333 Spiele für Bielefeld, Gladbach und Duisburg) ist genau der richtige Mann für eine Aufgabe, wie sie beim Kölner Traditionsclub zu lösen ist. Nach dem Niedergang in den 90-er Jahren schaffte es Lienen, eine neue Arbeitsauffassung zu schaffen, dem spielenden Personal seine Idee von attraktivem, schnellem Fußball zu vermitteln und ein neues Team zu bilden.

          Gleichzeitig gelang es dem 47-Jährigen, die in Köln oft überhöhten Erwartungen zu dämpfen. Auch vor dem Start in die 37. Bundesliga-Spielzeit des Vereins will Lienen nichts von überzogenen Anforderungen wissen. "Wir wollen uns taktisch weiter entwickeln", sagt der FC-Coach. Besonders die Verstärkungen Reeb, Balitsch und Reich könnten dazu beitragen, formuliert Lienen gewohnt vorsichtig, "dass wir eventuell besser abschneiden als in der Vorsaison".

          Umfeld
          Neben Trainer Lienen ist das nächste Umfeld der Mannschaft entscheidend dafür gewesen, dass sich der 1. FC Köln nach dem zweijährigen Intermezzo in der 2. Liga wieder im Oberhaus etablieren konnte. Unter der Leitung von Präsident Albert Caspers, einem durch seine über 40-jährige Tätigkeit beim Automobilunternehmen Ford erfahrenen Wirtschaftsführer, ist eine erstaunliche Ruhe im Club eingekehrt. Unter der Regie von Caspers wurde der Verein nicht nur entschuldet, sondern es entstanden neue, vielversprechende Partnerschaften.

          Mit dem Saisonbeginn startete die langfristige Partnerschaft mit der renommierten Vermarktungsfirma IMG. Im Dezember wird die Komplettsanierung des Müngersdorfer Stadions aufgenommen. Es herrscht Aufbruchstimmung beim 1. FC Köln, der mit einem Etat von rund 75 Millionen Mark operiert. "Auf Sicht wollen wir in die internationale Wettbewerbe zurückkehren", sagt Casper: "Aber vorrangig bleibt es, wirtschaftlich vernünftig zu handeln und Risiken abzuwägen." Caspers lässt Lienen und Sportmanager Hannes Linssen übrigens freie Hand bei allen fußballerischen Entscheidungen.

          Prognose
          Den Rheinländern, die bei der Bundesliga-Gründung noch eine so überlegene Rolle spielten wie heute der FC Bayern München, wird von den Experten allgemein ein weiterer Vorstoß in der Tabelle zugetraut. Auch die Verantwortlichen sehen das Potenzial, den zehnten Platz noch zu übertreffen. "Wir werden besser als in der vorigen Saison abschneiden und einen einstelligen Tabellenplatz belegen", hat Hannes Linssen angekündigt. Nur wenn alles ganz optimal läuft, könnte am Ende wirklich ein Uefa-Pokal-Platz herausspringen.

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