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Bundesliga-Check : Das große Ziel - Nie mehr absteigen

  • -Aktualisiert am

Trommelt für Borussia: Manolo Bild: dpa

In der zweiten Liga boten die Gladbacher den besten Fußball. Dennoch sind die Ansprüche nach dem Wiederaufstieg bescheiden: "Klassenerhalt", sagt Trainer Hans Meyer.

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          Dem ersten Bundesliga-Aufstieg ließen die Gladbacher 1965 ihre große Erfolgsära folgen. Nach dem zweiten Aufstieg vor wenigen Wochen sind die Ansprüche beim fünfmaligen Deutschen Meister viel bescheidener geworden.

          "Den Klassenerhalt sichern", nennt Trainer Hans Meyer das Ziel für die neue Saison. Die Fans gehen noch ein Stück weiter: "Nie mehr absteigen" lautet ihr Wunsch. Das Gastspiel gegen Bayern München am Samstag wird gleich zur Standortbestimmung für den Traditionsclub vom Niederrhein.

          Die Mannschaft
          In der vorigen Saison boten die Gladbacher in der zweiten Liga nach einer Schwächeperiode in der Hinrunde den besten Fußball, attraktiver noch als "Unterhaus-Meister" Nürnberg. Der Verein schaffte es nicht nur, sein Personal zusammenzuhalten, sondern den Kader für "kleines Geld" zu verstärken. Von den Neulingen stehen der Tscheche Ivo Ulich (3 Millionen Mark Ablöse/Slavia Prag), der Pole Marcin Mieciel (500 000 Leihgebühr/Legia Warschau) und Markus Münch (1 Mio./Besiktas Istanbul) vor dem Sprung in die Stammelf.

          Sorgen bereitet die Torwartposition, da Uwe Kamps und Bernd Meyer lange verletzt waren. Deswegen wurde der Schweizer Jörg Stiel vom FC St. Gallen noch kurzfristig verpflichtet. Die Abwehr war im zweiten Jahr nach dem Katastrophen-Abstieg 1999 das Prunkstück des Teams. Nur 31 Gegentore, die wenigsten aller 36 deutschen Profi-Mannschaften, kassierte die Borussen-Defensive mit Steffen Korell, Sladan Asanin, Marcel Pletsch und Max Eberl.

          Im Mittelfeld sind am ehesten die personellen Veränderungen zu erwarten, die Meyer vornehmen wird. Lediglich Markus Hausweiler scheint aus der Aufstiegself einen Stammplatz sicher zu haben. Im Angriff hofft der Holländer Arie van Lent auf eine so erfolgreiche Saison wie in der zweiten Liga. Zwei "Urgesteine" der Liga stehen in den Reihen der Gladbacher: Kamps hat bereits 389 Erstliga-Spiele "auf dem Buckel", Kapitän Marcel Witeczek spielte 359 Mal erstklassig.

          Der Trainer
          Als Hans Meyer am 6. September 1999 aus Utrecht an den Bökelberg geholt wurde, um die Nachfolge des entlassenen Rainer Bonhof anzutreten, fand die lange Talfahrt des Vereins ein Ende. Der Erfolgstrainer aus der früheren DDR, der Carl Zeiss Jena in den 80-er Jahren einmal in das Europapokal-Finale der Pokalsieger geführt hatte, gab der Mannschaft wieder eine klare Struktur. Der 58-Jährige ist ein Verfechter des Offensivfußballs, ganz nach dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung". Je häufiger ein Team offensiv agiert, so die Philosophie von Meyer, desto öfter befindet sich der Ball weit entfernt vom eigenen Tor.

          Dass sich das mutige Taktikkonzept, je nach Gegner und Spielverlauf als 4-3-3, 4-4-2 oder 3-4-3 interpretiert, in der Bundesliga erheblich schwerer durchzusetzen sein wird als eine Klasse tiefer, weiß der alte "Trainer-Fuchs". Der Fußball-Lehrer ist zurzeit intensiv darum bemüht, die euphorischen Erwartungen im Umfeld etwas zu dämpfen. Nur der Nichtabstieg sei ein realistisches Ziel, mahnt Meyer: "Höhere Ziele können wir erst in zwei, drei Jahren anpeilen."

          Das Umfeld
          Borussia Mönchengladbach ist ein Mythos im deutschen Fußball. Die frühere Fohlen-Elf mit Stars wie Netzer, Heynckes und Vogts unter der Regie des legendären Trainers Weisweiler versetzte deutsche Fußball-Fans mit ihrer attraktiven, offensiven Spielweise in schiere Begeisterung. Übrig geblieben aus den Glanzzeiten ist indes nur das Bökelbergstadion, das über die Jahre allerdings baufällig geworden ist.

          Trotz des mangelnden Komforts kauften mehr als 15.000 Fans eine Dauerkarte für die neue Saison und sorgten damit für einen Club-Rekord. Auch die Sponsoren rennen den Gladbachern inzwischen wieder die Türen ein. Der frühere Teamkapitän Christian Hochstätter als Manager hat großen Anteil daran, dass die Borussia wieder beste Perspektiven besitzt. Dazu trägt auch die Entscheidung des Mönchengladbacher Stadtrates bei, für 155 Millionen Mark ein neues Stadion bauen zu lassen.

          Die Prognose
          Spielerisch konnten die Borussen unter Meyer in der zweiten Liga überzeugen, so dass Hoffnungen aufkeimen, dass sie nach den Spieler-Verstärkungen eine ähnliche Rolle wie Köln im Vorjahr übernehmen könnten. Doch diese Variante dürfte das Höchste des Machbaren sein. Realistisch ist wohl, dass die Gladbacher gegen den Abstieg spielen.

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