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Bundesiga : Die Frühjahrsmüdigkeit des Herbstmeisters

  • -Aktualisiert am

Wieder kein Tor: Stevens und Assauer fassungslos Bild: AP

Der FC Schalke steckt in der Krise. Ebbe Sand und Emile Mpenza treffen nicht mehr. Freiburgs Trainer Volker Finke strahlte nach dem 0:0 vor Schadenfreude.

          Der Sportclub Freiburg hat auch den zweiten vermeintlichen Titelanwärter aus dem Ruhrrevier auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Mit dem 0:0 beim FC Schalke 04 holten die Breisgauer nach dem 2:2 gegen Dortmund das zweite Remis gegen die westfälischen Großclubs innerhalb von acht Tagen.

          „Wir sind natürlich mit dem Punkt sehr zufrieden. Schalke hat das Spiel über weite Strecken geprägt, aber ich habe trotzdem den Mut zu sagen, dass meine Mannschaft ganz geschickt gespielt hat“, sagte Trainer Volker Finke nach der kampfbetonten Partie. Dann setzte der Coach des Sportclubs einen heftigen Seitenhieb gegen die Schalker. „Die geben vor der Saison mal kurz 30 Millionen Mark für neue Spieler aus. Wir investieren 20 Millionen in eine neue Fußball-Schule. Deswegen freue ich mich besonders über diesen Punkt“, meinte Finke.

          Sand-Sturm hat Ebbe: Schlechteste Heimserie seit 1967

          Sein Team hat sich zu einem echten „Angstgegner“ der Gelsenkirchener entwickelt. Denn die Schalker gewannen bisher nur eins von sieben Heimspielen gegen die Schwarzwälder in der Saison 1995/96. Ansonsten gewann Freiburg drei Mal im Parkstadion und erkämpfte drei Mal ein Remis. Das Unentschieden am 26. Spieltag schmerzte die Westfalen mehr noch als die Niederlagen in den Vorjahren.

          Nach dem Schlusspfiff war ein gellendes Pfeifkonzert zu hören, etliche Fans schrien Beleidigungen in Richtung der Schalker Spieler. „Das tut mir weh, wenn die Zuschauer unnütze Äußerungen machen“, sagte Schalke-Manager Rudi Assauer. Die stetig angewachsene Enttäuschung bei den Gelsenkirchenern war am Samstagnachmittag riesengroß geworden. Zwar verbesserten sich die Schalker in der Tabelle und verließen wieder den sechsten Platz, aber die Herrlichkeit und die Euphorie aus der Hinrunde ist verflogen.

          Huub Stevens enttäuscht

          Der FC Schalke 04, der als Tabellenführer nach der Winterpause startete, verlängerte trotz drückender Überlegenheit gegen die Freiburger seine Negativserie. Schon seit fünf Spielen ist Schalke ohne Sieg, seit vier Partien erzielte das Team von Trainer Huub Stevens kein Tor mehr. Beim 0:1 gegen Hamburg und bei den torlosen Remis gegen Dortmund und Freiburg trafen die Westfalen im Parkstadion nicht mehr ins Netz des Gegners. Eine so schlechte Heimserie gab es zuletzt 1967 bei den „Königsblauen“.

          „Wir können nicht zufrieden sein mit dem einen Pünktchen. Wir hatten so viele Torchancen, die wir nicht genutzt haben. In der Hinrunde hätten wir so ein Spiel mit 3:0 nach Hause gefahren“, kommentierte Stevens enttäuscht das Geschehen. Denn sein Personal wirkte verunsichert. Aktionen, die beim furiosen Saisonstart noch reibungslos klappten, mißrieten gegen die Schwarzwälder. Am Ende half es nicht einmal, dass der Sportclub nach der gelb-roten Karte für Andreas Zeyer (85.) nur noch mit zehn Akteuren auf dem Platz stand. Selbst die besten Möglichkeiten wurden kläglich vergeben.

          Der bis zur Saisonmitte in absoluter Topform aufspielende Torjäger Ebbe Sand steckt im Formtief und wurde von Boubacar Diarra zur Wirkungslosigkeit degradiert. Aber auch die Nebenleute des Dänen haben krass abgebaut, wobei die Defensivleistung des SC-Teams ausgezeichnet war.

          Sellimi hatte Freiburger Siegtor auf dem Fuß

          Seitdem feststeht, dass Schalke am 26. Mai das Pokalendspiel gegen den Regionalligisten Union Berlin bestreitet, ist der Wurm im Gelsenkirchener Spiel. Jedenfalls machten die Gastgeber vor 34.214 Zuschauern gegen die Finke-Elf nicht mehr den Eindruck einer Spitzenmannschaft, obwohl sich die Personallage mit der Rückkehr von Emile Mpenza und Marco van Hooghdalem entspannt hatte. Andreas Möller in der ersten und Mpenza in der zweiten Halbzeit vergaben so genannte „hundertprozentige“ Tormöglichkeiten. Einmal rettete SC-Torwart Richard Golz großartig gegen Sand.

          Doch Finke merkte zu recht an, dass seine Mannschaft „die beste Torchance des ganzen Spiels“ hatte. Adel Sellimi traf bei einer der wenigen Konter in der 59. Minute den Pfosten des Schalker Tores. Sebastian Kehl, der erneut einen starken Auftritt ablieferte, nannte die nächsten Ziele: „Gegen die nächsten Gegner Frankfurt und Hamburg haben wir nach den 0:8 Toren aus der Hinrunde etwas gut zu machen. Ich hoffe, wir machen 2:0 Tore und holen damit sechs Punkte.“

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