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Buchmesse : Sportbücher müssen spitz sein - und schön

Auch so kann ein Sportbuch aussehen: Traumrouten der Alpen Bild: Delius Klasing

Kauft noch jemand Sportbücher in Zeiten des Internets, in dem alle Fakten frei zu haben sind? Sehr wohl, wenn sie sich von der Masse abheben, sagen die Verlagsvertreter, und verraten ihre Geheimnisse.

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          Ein Buch, das nur Kurven auf Alpenstraßen zeigt, aber in dem kein einziger Mensch zu sehen ist, kann das einen Käuferkreis unter Sportfreunden finden? „Escapes“ heißt das Werk, und bei Christian Ludewig leuchten die Augen, wenn er den Bildband durchblättert. Der von den Fotos ausgehende Freiheitsgedanke bei gleichzeitiger Kargheit der Landschaft begeistert ihn so, dass er am liebsten gleich losfahren würde, aber nicht zuletzt auch der Erfolg des Bildbandes: „Wir haben mehr als 10.000 Exemplare verkauft“, vor allem an Radfahrer und Autofans, die sich auch an den beigelegten Roadmaps erfreuten.

          Ludewig ist Pressesprecher des Delius-Klasing-Verlags, so dass er natürlich berufsbedingt begeistert sein muss, aber seine Freude ist echt. Es sei „ein schönes Buch“, sagt er, „ein überraschendes Buch“ noch dazu. Und darauf komme es heutzutage mehr an als früher, da die blanke Information praktisch an jeder Ecke des Internets umsonst zu haben ist. Zudem spiele „der Faktor Zeit„ bei den Lesern eine immer größere Rolle - weil sich die Leute immer weniger Zeit nehmen. Wer also heute noch gute, erfolgreiche Sportbücher entwickeln wolle, „muss anders denken“, sagt Ludewig, dürfe auf keinen Fall langweilen, und müsse eine „immer spitzer“ werdende Leserschaft treffend bedienen.

          Martin Zeiser findet ähnliche Worte für das gleiche Phänomen: „Man muss heute mehr leisten und intensiver arbeiten, um den gleichen Erfolg wie früher zu haben“, sagt der Vertriebsleiter der Motorbuch-Verlags. Seine Empfehlung ist, sich intensiv mit den Strömungen, Entwicklungen und Tendenzen seines Markts zu befassen, „nah an den Kunden und der Zielgruppe zu bleiben.“ Die ist im Segment Motorsport erwartungsgemäß männlich, und dem Internet als Konkurrenten zum Buch auch durchaus zugewandt, „aber wer sich richtig informieren will, der greift immer noch zum Buch.“ Und deshalb müsse das Buch gut sein, tief, anregend.

          „Ein Autor der jammert, den gibt es nicht“

          Michael Wieser, Geschäftsführer beim Sportverlag Meyer & Meyer, sieht nach wie vor einen „hohen Bedarf an Sportbüchern“. In seinem Verlag werden in Zusammenarbeit mit Fachverbänden wie dem Deutschen Turnerbund vor allem Ratgeber und Trainingsbücher herausgegeben. Wieser hat festgestellt, dass der Trend zu Fitness und gutem Leben ungebrochen sei, sogar eher steige. „Wie fühle ich mich wohl“ sei eine der entscheidenden Fragen des modernen Menschen. Und diese Frage müsse auch und gerade in Print-Ratgebern beantwortet werden. „Die Möglichkeit, nachschlagen zu können, spielt eine erhebliche Rolle.“ Fachbücher für gut 40 Sportarten bringt der Sportverlag heraus; da sehr spezialisiert, oft nur mit Anfangsauflagen von gerade mal 1500 Stück. „Aber die Themen werden immer wieder überarbeitet, so dass viele Titel schon in siebter, achter Auflage herauskommen.“

          Gleichwohl wollen Meyer & Meyer den eBook-Anteil, der bislang erst bei drei Prozent des Umsatzes liege, in den kommenden Jahren stark ausbauen: zehn bis 15 Prozent seien drin, so Wieser, ein Rheinländer, der die Lage grundsätzlich positiv sieht, noch dazu in diesem Marktumfeld: „Was schön ist am Sport, dass es so ein positives Thema ist. Ein Autor der jammert, den gibt es nicht.“

          Diese Grundhaltung hat sich der „Spielmacher-Verlag“ gleich zum Markenkern erhoben. Er macht „schöne Fußballbücher“ über Fußballkultur im weitesten Sinne. „Unseren Büchern geht es gut“ sagt Wolfgang Roth am Spielmacher-Stand auf der Buchmesse: „Wir haben eine kleine Marktlücke innerhalb der Sportbücher, und die nutzen wir.“ Mit Bildbänden wie „Fußballtempel“ oder „Flutlichter“, die den Ästheten im Fußballfan ansprechen, nicht den Tabellenfreak. Auch Delius Klasing hat ein neues Fotobuch herausgebracht. Der Nachfolger von „Escape“ heißt „Epic“ und zeigt ausschließlich Straßen in Island: das ist spitzer als spitz. Und schön.

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