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Boxen : Schlagabtausch um den TV-Zuschauer

  • -Aktualisiert am

Zugpferd für die ARD? Boxer Sven Ottke Bild: dpa - sportreport

Nach zweijähriger Abstinenz zeigt die ARD am Samstag erstmals wieder Profi-Boxen und muß sich gegen einen Konkurrenzkampf im Pay-TV durchsetzen

          Ottke gegen Branco, Michalczewski kontra Ka-Dy King heißen die Boxkämpfe, die die Zuschauer am Samstagabend in ihren Bann ziehen sollen. Doch der eigentliche Kampf ist ein ganz anderer: ARD gegen Premiere, Sauerland kontra Kohl.

          Denn viel spannender, ob Sven Ottke in Karlsruhe oder Dariusz Michalszewski in Essen zu WM-Ehren kommen, ist die Antwort auf die Frage, wie der Zuschauer richtet. Mit einer niedrigen Quote des Ottke-Kampfes könnte dem öffentlich-rechtlichen Sender der Wiedereinstieg ins Profi-Boxen gehörig verdorben werden. Und ein Schuldiger wäre gewiss auch der Pay-TV-Anbieter, das zeitgleich auf die Anziehungskraft des umstrittenen Michalczewskis setzt.

          Überschneidung wiederholt sich am 27. Januar

          Beide Seiten versprechen für Samstag das bessere Programm. Dass sie ihre Angebote nicht besser abgestimmt haben, darüber wird nicht so gern geredet. „Unglücklich“ heißt es dazu aus ARD-Kreisen. „Nicht zu vermeiden“ so der Wortlaut bei Premiere. Da beide Kämpfe an sich nun nicht so attraktiv sind, hat es niemand gewagt, etwa auf ein Wochenende auszuweichen, an dem „Wetten, dass...“ über die Mattscheibe flimmert.

          Publikumsmagnet bei Premiere? Boxer Dariusz Michalczewski

          Natürlich wäre die ARD als Box-Nachfolger von RTL allein auf dem Bildschirm. „Terminkollisionen vermeiden“ lautet der Leitsatz für die Zukunft. Aber: Gelernt haben die Anbieter aus diesem ersten Missgeschick so wenig wie ein Boxer, der gegen Mike Tyson ohne Deckung kämpft: Wenn am 27. Januar mit Markus Beyer der nächste Hoffnungsträger aus dem Stall von Wilfried Sauerland live für die ARD in den Ring steigt, dann sendet auch Premiere wieder mit verschlüsseltem Visier etwas von Promoter Ralf Kohl. Schattenboxen der Fernsehsender.

          Traum-Quoten aus der Maske-Ära utopisch

          Fakt ist: Die Anstalten nehmen sich gegenseitig Zuschauer weg. Doch angesichts von erst 2,3 Millionen Decoder-Besitzern gibt sich die öffentlich-rechtliche Hausmacht gelassen. „300.000 oder 400.000 Premiere-Zuschauer tun uns nicht weh“, rechnet die ARD-Programmdirektion vor. „Das wird kein blaues Auge geben“, ließ sich Programmdirektor Günter Struve im Vorfeld vernehmen. Boxen sei ein TV-Sport und das würde sich auch bei drei oder vier Millionen Zuschauer rechnen. Wobei die ARD, die zuletzt im April 1998 beim WM-Kampf zwischen Roy Jones und Henry Maske-Bezwinger Virgil Hill in der ersten Reihe saß, gut reden hat. Sie benötigt nicht die Traum-Quoten, die Henry Maske oder Axel Schulz (bis zu 18 Millionen) vereinnahmten.

          Ottke-Kampf kostet ARD 1,5 Millionen Mark

          Finanziell k.o. geht die ARD durchs Boxen nicht. Zum einen waren „die Rechte nicht so teuer“ (Markus Bartosch aus der ARD-Programmdirektion). Zum anderen müssen die Ringschlachten nicht mit Dauerwerbung sondern können mit Gebühren des TV-Zuschauers finanziert werden. Sechs bis acht Kämpfe im Jahr werden dem Sauerland-Stall garantiert abgenommen. Der Preis beträgt nach Informationen von FAZ-NET für Kämpfe vom Kaliber Sven Ottke rund 1,5 Millionen Mark, für andere weniger schlagstarke Strategen sind Summen um 500.000 Mark veranschlagt. „Die große Maske-Zeit konnten wir uns halt nicht leisten“, gesteht Struve rückblickend ein. Dennoch verweist die ARD nun gerne an die gute alte Zeit, in der sie (als TV-Monopolist) noch Bubi Scholz oder Cassius Clay als Straßenfeger durch die Röhre sendete.

          Hat das ZDF geschlafen?

          Was bei den öffentlich-rechtlichen Sendern gerne verschwiegen wird: Gerade vor der begrenzten Zahl Sportinteressierter gibt´s am Samstagabend noch einen klitzekleinen Konflikt. Sportstudio nach 23 Uhr im ZDF, Boxen ab 22.40 Uhr in der ARD. „Aber der Kampf geht erst dann richtig los“, sagt Bartosch, „wenn das Sportstudio vorbei ist.“ Dennoch gab´s in den Führungsetagen schon Überlegungen, ob´s nicht besser gewesen wäre, das ZDF hätte die Rechte erworben. Ein führender ARD-Rechtehändler: „Das ZDF hat so viel Geld für die Erstverwertung des Bundesliga-Topspiels im Free-TV bezahlt. Da hätten sie für wenig Geld auch noch das Boxen gekauft und hätten ein richtig starkes Samstagabend-Konzept gehabt. Statt dessen machen wir denen nun direkt Konkurrenz.“

          Fazit: Die Fernsehanstalten fördern das, was auch den Fernseher fordert: das Zappen.

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