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Boxen : Muhammad Ali: Die Box-Legende wird 60

  • Aktualisiert am

Box-Legende Muhammad Ali: bereits mit 18 Jahren Olympiasieger Bild: dpa

Muhammad Ali zog wie kein anderer Sportler die Massen in seinen Bann. Am Donnerstag feiert er seinen 60. Geburtstag.

          3 Min.

          Zwei Jahrzehnte nach dem letzten Gong-Schlag seiner unvergleichlichen Karriere als Boxer ist er weltweit für viele immer noch „der Größte“. Auch, weil er sich in seinem letzten, aussichtslosen Kampf von einem übermächtigen Rivalen nicht bezwingen lassen will.

          Dem von der Parkinson'schen Krankheit schwer gezeichneten Muhammad Ali, der am Donnerstag seinen 60. Geburtstag feiert, wird zugeschrieben, der bekannteste Mensch auf diesem Planeten zu sein. Den Ruhm hat sich der einstige Weltmeister aller Klassen nicht nur mit überragenden sportlichen Fähigkeiten erworben.

          Sein starkes Charisma, sein Engagement gegen Rassismus und Krieg, aber auch unzählige Verbalattacken, die ihn zum „Großmaul“ stempelten, haben Ali zu einer der schillerndsten Persönlichkeiten des vergangenen Jahrtausends werden lassen.

          Dezember 2001: Ali mit olympischer Flamme

          Der mit den Gegnern tanzte

          Seine erste Sternstunde hatte er bei das Geburtstagskind bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom erlebt. Dort erkämpfte der am 17. Januar 1942 in Louisville/Kentucky als Cassius Marcellus Clay geborene Ali die Goldmedaille im Halbschwergewicht. Als Profi perfektionierte er unter der Regie von Trainer Angelo Dundee seinen einzigartigen Stil: Nahezu ohne Deckung boxend, tänzelte er leichtfüßig seine Gegner aus - und ließ diese Luftlöcher schlagen.

          „Ich schwebe wie ein Schmetterling und steche wie eine Biene“, beschrieb die Galionsfigur seine für einen Schwergewichtler atemberaubend grazile Kampfführung. Ali nutzte seine außergewöhnliche Reichweite von 200 Zentimetern, dazu war er mit 1,91 m und 95 kg ein Modellathlet.

          Zwischen Genie und Größenwahn

          Erstmals eroberte er 1964 den WM-Titel, als er den bis dahin für unbezwingbar geltenden Sonny Liston zur Aufgabe zwang. Mit diesem Kampf machte es sich Ali zu eigen, seine Gegner mit maßlosen Tiraden zu demütigen und das eigene Ego bis zum Größenwahn zur Schau zu stellen: „Ich bin der Größte. Ich bin der Schönste.“ Damit gehörte die Krone des Weltmeisters aller Klassen dem gerade 22-Jährigen.

          Auch der zweite Vergleich mit Liston, den er schon nach 108 Sekunden mit einem Blitz- K.o. beendete, sowie die drei Duelle mit Joe Frazier, von denen er zwei gewann, und der „Rumble in the Jungle“ (Schlacht im Dschungel) gegen George Foreman in Zaire waren die spektakulärsten Duelle in der 21-jährigen Berufs-Laufbahn des Muhammad Ali. Den „Thrilla in Manila“ 1975 gegen Frazier bezeichnet er selbst als seinen größten Fight. „Joe Frazier, würde ich mal sagen, ist der größte Boxer nach mir.“

          Gegen den Strom: politisch-religiöses Engagement

          Mit seinem Bekenntnis zum Islam und dem Eintritt in die als politisch radikal eingestufte Gruppierung der „Black Muslims“ hatte Ali seinen - wie er meinte - „Sklavennamen“ Clay abgelegt und die amerikanische Öffentlichkeit geschockt. Hass aus dem reaktionären Lager schlug ihm entgegen, als er 1967 den Vietnam-Krieg öffentlich ablehnte und den Kriegsdienst verweigerte, weil er nichts „gegen den Viet-Kong hatte".

          Ali bewies mit dieser Haltung, dass ihm nicht allein Ruhm im Seilgeviert wichtig war. Sein politisches Bekenntnis brachte ihm die Aberkennung des WM-Gürtels, den Entzug der Box-Lizenz für dreieinhalb Jahre und eine fünfjährige Haftstrafe ein, die er aber nicht verbüßen musste. Obwohl er nach seiner Sperre erneut zwei Mal den WM-Titel erkämpfte, erreichte er nie wieder die Eleganz und Leichtfüßigkeit früherer Profi-Jahre.

          Muhammad Ali als Botschafter

          In der Rolle des politischen Botschafters gefiel sich Ali zusehends. 1980 reiste er im Auftrag des damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter nach Afrika, um für den Boykott der Olympischen Spiele in Moskau zu werben. Bei Iraks Diktator Saddam Hussein konnte er 1991 während der Golf-Krise die Freilassung von 15 Landsleuten erwirken; 1996 begleitete er einen Transport medizinischer Güter nach Kuba, wo er sich mit Staatschef Fidel Castro traf.

          Nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center im vergangenen Jahr verkündete Ali: „Ich kann nicht dasitzen und die Welt denken lassen, dass der Islam eine Religion des Tötens ist. Wenn die Täter Moslems sind, haben sie die Lehre des Islams vergewaltigt. Gott steht nicht hinter Mördern.“

          Größe auch in der Krankheit

          Ob die Erkrankung am Parkinson-Syndrom Folge des Faustkampfes ist, konnte bis heute nicht geklärt werden. In das Gedächtnis von Milliarden Zuschauern hat sich die Entzündung des Olympischen Feuers 1996 in Atlanta durch den sichtlich mit der Krankheit ringenden populärsten Schwergewichts-Titelträger aller Zeiten gegraben.

          „Ich betrachte dies als einen Test Gottes“, meinte der neunfache Vater, der zum vierten Mal verheiratet ist. „Ich war mal so groß und so stark. Nun ist es die Parkinson-Krankheit. Und der Geist ist auch nicht mehr das, was er einmal war.“

          Über ein Jahrzehnt lang war Muhammad Ali ein Weltereignis gewesen. Vielleicht war er nicht der beste Boxer aller Zeiten. Aber kein anderer Athlet hat die Menschen so fasziniert wie er; in diesem Sinne war er fraglos der Größte. Sein späteres Schicksal hat er mit beeindruckender Würde angenommen: „Es ist mir von Allah auferlegt.“

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