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Boxen : Klitschko feiert glanzvolles Comeback: Jetzt wartet Lewis

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Der entscheidende Moment in Runde Zehn: Larry Donald am Boden Bild: AP

Mit einem K.o.-Sieg über den Amerikaner Larry Donald meldete sich Witali Klitschko zurück und untermauerte seine Anwartschaft auf einen Kampf gegen WBC-Weltmeister Lennox Lewis.

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          Der erste Anruf nach dem Kampf galt diesmal ausnahmsweise nicht Mutter Nadja in Kiew. Witali Klitschko ließ sich noch ungeduscht in der Kabine das Handy reichen und klingelte Ehefrau Natalie im fernen Los Angeles an.

          Die 27-Jährige hatte es eilig und war bereits drei Stunden vor dem Fight gegen Larry Donald Mutter einer gesunden Tochter geworden. Voreilig, denn der 31 Jahre alte Schwergewichtsboxer wollte eigentlich bei der Geburt dabeisein und jettete gleich Sonntagfrüh nach Kalifornien.

          Weg frei für Kampf gegen Lewis

          Die einzige „Panne“ an einem Abend, an dem für den Ukrainer alles perfekt war. In der zehnten Runde hatte Klitschko unter dem Jubel der 10. 400 Fans in der Dortmunder Westfalenhalle mit dem dritten Niederschlag seiner Rechten seinen starken Gegner durch technischen K.o. bezwungen und den Titel „Internationaler Meister“ des Verbandes WBA erfolgreich verteidigt.

          Ringrichter Stanley Christodoulu zählt Donald aus: Technischer K.o.

          Viel wichtiger aber war, dass er sich damit den Weg zum Megafight gegen WBC-Weltmeister Lennox Lewis endgültig freigemacht hat. Die Amerikaner können den Europäer nicht mehr ignorieren, das Aufgebot an US-Journalisten war bereits so groß wie nie. „Ich bin heute der glücklichste Mann der Welt, denn ich habe zwei Siege errungen“, sagte der Wahl-Hamburger: „Ich habe Donald geschlagen und bin zum zweiten Mal Vater geworden.“

          Über zehn Millionen sehen Klitschko-Kampf

          Den Familienzuwachs kann er sich leisten - Witali Klitschko steht nach seinem überzeugenden Sieg das Box-Schlaraffenland USA offen. „Er wird gegen Lewis die höchste Börse seiner Karriere kassieren“, sagte Promotor Klaus-Peter Kohl, der am Dienstag in die USA fliegt, um die letzten Details mit Lewis' Management Lion Promotion auszuhandeln.

          Für den Auftritt in Dortmund soll Klitschko rund eine Million Euro kassiert haben, doch das Pay-TV in den Staaten hat nach oben kaum eine Grenze. „Deshalb können wir den Kampf auch nicht in Deutschland machen“, sagte Kohl: „Das Bezahlfernsehen ist hier noch nicht so weit.“ Das ZDF konnte am Samstagabend allerdings mehr als zufrieden sein. In der Spitze sahen 10,5 Millionen, im Schnitt 8,4 Millionen Zuschauer den Kampf, das entspricht einem Marktanteil von 32 Prozent.

          Don King macht Eigenwerbung

          Seit sechs Wochen hat Kohl eine Vereinbarung mit Lewis, der allgemein als bester Schwergewichtler der Welt gilt. Der Brite hat sich gegenüber dem Pay-Sender HBO schon zu dem Kampf verpflichtet, der Ende Februar, Anfang März steigen soll. Sollte doch noch was dazwischenkommen, ist Witali Klitschko auch bei der WBA als Pflichtherausforderer von Champ John Ruiz notiert. Lewis aber muss gegen den „großen Klitschko“ antreten, um nicht seinen WM-Gürtel zu verlieren, den er im Sommer gegen Mike Tyson aufs Spiel setzen will, um dann das ganz große Geld zu verdienen.

          15 Millionen Dollar hatte er im ersten Aufeinandertreffen mit Tyson im Juni in Memphis eingestrichen. Den Dortmunder Ring nutzte unterdessen Don King zu einer aufdringlichen PR-Aktion in eigener Sache. Der Promi-Promotor ist zur Zeit bei den Megadeals um die Klitschkos und Lewis außen vor. „Don Kohl“ hat dagegen noch ein Eisen im Feuer.

          „Witali ist ein Klassemann“

          WBO-Champ Wladimir Klitschko verteidigt seinen Titel am 7. Dezember in Las Vegas gegen Jameel McCline, der in den USA einen exzellenten Ruf genießt. Mit einem Erfolg kann sich der „kleine“ Klitschko für einen Vereinigungskampf um den IBF-Gürtel gegen den Sieger des Duells zwischen Evander Holyfield und Chris Byrd empfehlen. „Wir haben schon konkrete Pläne mit Wladimir“, sagte Kohl: „Aber erstmal muss er McCline schlagen.“

          Don King schwenkte also nicht nur ständig breit grinsend zwei amerikanische Plastikfähnchen, sondern auch sofort ins Klitschko-Lager über. „Sein“ Mann Donald bestätigte zwar mit seiner Beweglichkeit und exzellenten Technik, dass er zur erweiterten Weltspitze gehört, musste sich aber am Ende dennoch den schweren Schlägen von „Dr. Eisenfaust“ beugen und ging bei seiner dritten Niederlage in 44 Kämpfen erstmals in seiner Karriere K.o. „Ich bin schwer entäuscht, es war nicht mein Tag“, meinte der 35-Jährige: „Witali ist ein Klassemann, ohne Frage.“

          Bei der Siegerehrung im Ring hielt King Klitschkos rechten Arm in die Höhe, Kohl den linken. Fast schien es, die beiden Manager wollten ein Gezerre um das Objekt ihrer Begierde beginnen. King weiß, dass er zur Zeit die schlechteren Karten hat, also geht er auf Schmusekurs, um vielleicht doch noch ein Stück vom großen Kuchen abzubekommen. „Witali ist ein Super-Champion, solche Leute lieben wir Amerikaner - you are great“, verkündete der 70-Jährige mit überschnappender Stimme: „Let's rock for Witali Klitschko.“

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