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Boxen : „Einen wie mich hat Witali noch nie erlebt“

  • Aktualisiert am

Lewis als gelbe Gefahr? Klitscko ist gespannt Bild: AP

Starke Sprüche, Psycho-Spielchen, kalkulierte Arroganz: Beim letzten Treffen vor ihrem Kampf in der Nacht zum Sonntag geben sich Witali Klitschko und Lennox Lewis grimmig entschlossen.

          2 Min.

          Den Blick in die Augen lehnte der Weltmeister kategorisch ab. Nichts da, signalisierte Lennox Lewis mit beiden Zeigefingern und starrte beim Foto-Shooting mit Witali Klitschko stur in die Kameras.

          Schon vor dem Posieren im Blitzlichtgewitter hatte der Herausforderer vergeblich versucht, mit dem Briten in Blickkontakt zu treten. Minutenlang schaute Klitschko zu Lewis hoch, als der am Rednerpult über das WM-Duell polemisierte. Die Ignoranz von Lewis drei Tage vor dem in der Nacht zum Sonntag (ZDF/04.00 Uhr) im Staples Center von Los Angeles stattfindenden Kampf wirkte wundersam. Nicht nur im Klitschko-Clan glaubte man nach der Pressekonferenz, eine „gewisse Verunsicherung“ beim Titelverteidiger des World Boxing Council (WBC) entdeckt zu haben.

          Frotteeanzug, kurze Hose, Sonnenbrille, Wollmütze

          Im gegnerischen Lager wurde das natürlich gänzlich anders gesehen. Um Klitschkos Vorhaben zur Eroberung des Box-Mekkas Amerika zu vereiteln, wartete das Lewis-Team noch mit weiteren Psycho-Spielchen auf. Zehn Minuten mußte der einstige WBO-Champion (32 Siege, eine Niederlage) auf seinem Platz ausharren, bis der sechs Jahre ältere Weltmeister (40 Siege, zwei Niederlagen, ein Unentschieden) endlich in seinem kanariengelben Frotteeanzug mit kurzen Hosen, dunkler Sonnenbrille und jamaikanischer Wollmütze lässig-federnden Schrittes anmarschiert kam.

          Trainer Emanuel Steward fabulierte lustvoll über die richtige Sprechweise des Vornamens Witali. Schließlich spazierte noch Lewis' südafrikanischer Freund Corrie Sanders strahlend herein, der Vitalis fünf Jahre jüngeren Bruder Wladimir am 8. März vom WBO-Thron gestoßen hatte.

          Mit der Miene eines entschlossenen Kämpfers reagierte Klitschko auf die Provokationen. „Dr. Eisenfaust“ wirkte zwar bei seinem Auftritt durch das Ablesen seiner Gedanken vom Papier nicht so cool wie ein Hollywood-Star. Doch die Lacher hatte der 1:5-Außenseiter auf seiner Seite, als er auf Lewis' angekündigten K.o. bis zur fünften Runde konterte: „Rahman hatte er zwei Runden gegeben, mir sogar fünf. Danke Lennox für den Respekt.“

          Lewis unterschätzt Klitschko, sagen Sparringspartner

          „Vitali hat noch nie einen wie mich im Ring erlebt“, versicherte Lewis hämisch grinsend. Der Brite unterschätze Klitschko total, behaupten dessen Sparringspartner. Sonst hätte Lewis den Profi aus dem Hamburger Universum Boxstall nicht zehn Tage vor dem Kampf als Gegner akzeptiert. Zumal er dadurch auch wenigstens acht Millionen Dollar als Börse einbüßt. Ein Pay-Per-View-Fight auf HBO im Dezember, den Lewis als nächstes nun mit Roy Jones ins Auge faßt, hätte ihm über 15 Millionen Dollar beschert. Auch Klitschko hätte mehr kassiert, als die jetzige garantierte Gage von 1,4 Millionen Dollar, die durch eine Beteiligung an den deutschen TV-Einnahmen auf rund drei Millionen wächst.

          Lewis gegen Klitschko ist derzeit die reizvollste Schwergewichts-Paarung. Doch mit zwei Europäern im Ring, die zudem beide die Gentleman-Rolle verkörpern, lassen sich in Amerika nur schwer Massen begeistern. Sympathien genießt Klitschko in Los Angeles als Bewohner von Beverly Hills mehr als Lewis. Daß der Hüne zum großen Schlag ausholen kann, wird jedoch bezweifelt. Dabei kämpft Witali nicht nur für sich, sondern nach dem K.o. von Bruder Wladimir auch um „die Reputation des Namens Klitschko“. Bei einer Niederlage müßten die beiden alle Amerikapläne vorerst ad acta legen.

          Entscheidend sei, „wie Witali schwere Schläge wegstecken kann, ob er bereit ist, im Ring zu sterben“, sagte Larry Merchant, Chefkritiker des Senders HBO, der den Ukrainer nach seiner verletzungsbedingten Aufgabe vor drei Jahren gegen Chris Byrd als „Weichei“ verhöhnt hatte. „Ich schlage Lewis. Ich bin auf zwölf Runden vorbereitet. Wenn sich die kleinste Chance bietet, knocke ich ihn aus“, sagt Klitschko. Sein Vater verfolgt den Kampf in Kiew live am Fernsehen. Die Mutter wird wie immer etwas anderes tun. „Sie betet“, vermutet der Sohn.

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