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Boxen : Ein Gentleman in heikler Mission

  • -Aktualisiert am

Lennox Lewis kämpft bei der Titelverteidigung gegen David Tua auch um die Ehre der Schwergewichtsklasse. Derweil rückt ein Fight gegen Mike Tyson immer näher.

          Der König residiert im Spielerparadies an einer noblen Adresse. Mandalay Bay Resort und Casino heisst das schmucke Hotel, in dem Lennox Lewis für den nächsten Knalleffekt sorgen will. Die PR-Strategen gaben dem Schwergewichts-Duell gegen David Tua (Sonntag, 6 Uhr MEZ) den vielsagenden Titel "Royal Rampage", was königlichen Zorn verheisst. "Wenn Du meine Krone willst dann komm' und hole sie Dir," tönt Lewis in einem Spot, der täglich in die amerikanischen Wohnstuben flimmert.

          Damit will man in letzter Sekunde neue Pay-TV-Kunden gewinnen, da das Geschäft bislang eher schleppend verlief. Auch der deutsche Sender Premiere World braucht dringend echte Box-Großevents. Die schwachen Kämpfe der Vergangenheit haben die Fans nachdenklich gemacht und jetzt liegt es wieder einmal am britischen Gentleman-Boxer, der Königsklasse ein Stück an Glaubwürdigkeit zurückzugeben. "Ich kann versichern, dass weder ich noch David Tua einfach den Ring verlassen werden, er ist ein Krieger", sagte Lewis in Anspielung auf den vergangenen K(r)ampf zwischen Mike Tyson und Andrew Golota, der für ihn "Betrug am Zuschauer" war.

          „Tua-mania“: Ein charismatischer Gegner mit beeindruckender Kampfbilanz

          Lewis Verteidigung der beiden WM-Titel nach Version des World Boxing Councils (WBC) und der International Boxing Federation (IBF) verspricht spannend zu werden, da der Brite auf einen überaus selbstbewussten wie charismatischen Gegner trifft. Wie Lewis (37-1-1, 29 KO's) hat auch Tua (37-1, 32 KO's) eine beeindruckende Kampfbilanz vorzuweisen, wobei er weder als Amateur noch als Profi jemals zu Boden ging. Der 27-Jährige ist die Nummer eins unter den Herausforderern der IBF und WBC. Ein Kraftpaket, das dem favorisierten Lewis einiges abverlangen wird. "Auf diese Gelegenheit habe ich lange warten müssen", tönte der Mann aus Samoa, "ich werde Lewis in Tuaman-Manier K.O. schlagen. Das Schicksal ist vorbestimmt."

          Doch Tua glänzt nicht nur durch starke Sprüche. Auffallend ist besonders seine Starkstromfrisur, mit der er selbst Promoter Don King klar in den Schatten stellt. Das Haar steht 15 Zentimeter in die Höhe, wobei die Seiten und der Nacken abrasiert sind. Das Schwergewicht nennt dies seinen "samoanischen Kriegs-Look", ergänzt durch etliche Tattoos. Kein Wunder, dass "Sports Illustrated" und "USA Today" diesem besonderen Herausforderer Titelgeschichten widmeten und ihm im traditonellen Bambusrock ablichteten. "Tua-mania erreicht Rekordhöhe", lautete eine Überschrift.

          Eine Box-Nacht wird zum nationalen Feiertag

          Gemeint ist die grenzenlose Begeisterung, die in Tuas Geburtsland West Samoa herrscht. Dort erklärte man den Samstag bereits zum nationalen Feiertag. Und auch in Neuseeland, wohin Tua im Alter von elf Jahren mit seiner Familie übersiedelte, ist man Feuer und Flamme. Das Gesicht des Schwergewichts lächelt von Bussen und Magazinseiten und mit einem Sieg über Lewis würde Tua endgültig zum (adoptierten) nationalen Helden aufsteigen. "Ich bin jung, erfolgshungrig und ein besserer Boxer als die anderen", unterstreicht Tua, den einige hundert Schlachtenbummler ins Spielerparadies begleiteten. Auch Lewis-Trainer Emanuel Steward warnt davor, den Boxer zu unterschätzen: "Dies wird ein sehr schwerer Kampf."

          Doch Lewis muss diese Hürde nehmen, um seinen grossen Traum vom Einzug in die Ruhmeshalle der besten Schwergewichts-Boxer aller Zeiten nicht zu zerstören. Der selbsternannte "Champion des Volkes", der zuletzt jeweils in der zweiten Runde Michael Grant und Francois Botha abservierte, kassiert für seinen Auftritt zehn Millionen Dollar, während Tua eine Börse von vier Millionen Dollar erhält.

          Das Ziel: Ein Mega-Fight gegen Mike Tyson

          Vergleichsweise ein Taschengeld für die Summe, die Lewis bei einem WM-Kampf gegen Mike Tyson einfahren könnte. Und an diesem Mega-Fight wird hinter den Kulissen eifrig gearbeitet. Iron Mike, der nach seinem Sieg über Golota das Lied von einem Rücktritt anstimmte, wurde unlängst dabei ertappt, wie er in New Yorks Grand Central Station intensiv ein öffentliches Training von Lewis beobachtete. Und aus seinem Lager drang die Botschaft, dass es den Rentner Tyson vorerst noch nicht geben wird. Die Macht des Geldes. "Holyfield ist ein alter Mann und an einem dritten Kampf zwischen uns hätte wohl kaum jemand Interesse", meinte Lewis, "aber mit Tyson kommt das Tam-tam. Es würde ein grossartiger Fight für diese Ära sein." Im Gespräch ist ein Termin Anfang nächsten Jahres. Einzig und allein Tua kann da noch der grosse Spielverderber sein.



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