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Boxen : Die Tränen des Klitschko-Gegners

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Ein etwas andere Pressekonferenz erlebte Wladimir Klitschko mit seinem Gegner Lamon Brewster. Der Amerikaner, gegen den er am 10. April um den Weltmeistertitel boxt, weinte bitterlich auf der Bühne.

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          Wladimir Klitschko glaubte seinen Augen und Ohren nicht zu trauen. Als sein Herausforderer für den Weltmeisterschaftskampf um den vakanten Titel der World Boxing Organization (WBO) am Mittwoch in Los Angeles bei der ersten gemeinsamen Pressekonferenz zu den Medien sprechen wollte, begann er plötzlich bitterlich zu weinen.

          Es dauerte Minuten, ehe Lamon Brewster seine Emotionen halbwegs unter Kontrolle hatte. Das gleiche Schauspiel wiederholte sich noch drei Mal, bis der Amerikaner schließlich nach seinem letzten Satz, „dieser Typ muß mich umbringen, ansonsten werde ich Schwergewichts-Champion“, das Mikrofon wegwarf und schluchzend von der Bühne rannte.

          „Er ist überwältigt“

          „Ich habe ja schon viel auf Pressekonferenzen erlebt, aber so etwas war für mich einmalig“, sagte Wladimir Klitschko sichtlich konsterniert nach dem spektakulären Auftritt seines farbigen Kontrahenten, gegen den er am 10. April in Las Vegas um den WM-Titel boxt. In gewisser Weise könne er Brewsters Gefühlsausbruch verstehen. „Er ist überwältigt von der Möglichkeit, die er nun bekommt, indem er um die Weltmeisterschaft boxen darf. Aber letztendlich geht es um den Kampf im Ring. Dann werden wir sehen, wer die Emotionen in Schach halten kann“, stellte der jüngere Klitschko-Bruder fest.

          Der drei Jahre ältere Brewster sei ein sehr explosiver Fighter, wie seine 13 Erstrunden-K.o-Siege in insgesamt 31 Profikämpfen beweisen. „Das wird eine heiße Angelegenheit“, meinte der promovierte Sportwissenschaftler aus dem Hamburger Universum Boxstall. Vor einem Jahr hatte er nach fünf Titelverteidigungen den WBO-Gürtel nach einer sensationellen K.o.-Niederlage gegen den Südafrikaner Corrie Sanders abgeben müssen.

          „Ich komme aus dem Getto, ich bin pleite“

          „Ihr alle müsst verstehen, das hier ist für mich nicht einfach nur ein Boxkampf“, warb Brewster um Verständnis für seine Gefühle. „Für mich geht es hier um Leben oder Tod. Ich komme aus dem Getto, ich bin pleite, ich hatte niemals etwas. Ich bin jetzt 30. Ich boxe, seit ich sieben bin. Ich habe wahrscheinlich mehr Blut gesehen, als jeder einzelne in diesem Raum. Es ist hart für mich das zu sagen, was ich fühle“, schluchzte der jetzt in Los Angeles lebende Faustkämpfer.

          Er besitze keinen Doktortitel, sondern habe gerade mal so die High School abgeschlossen, sagte Brewster. Seine Frau und die drei Kinder habe er im über 2.000 Meilen entfernten Indianapolis zurückgelassen, um an der Westküste besser trainieren zu können. Im Vorjahr war sein Trainer gestorben. „Er hatte mir beigebracht, an mich zu glauben. Sein größter Wunsch war es, daß ich Weltmeister werde. Nur wenn Gott für mich andere Pläne hat, wird es anders kommen“, versicherte Brewster. Eine der beiden Punktniederlagen seiner Karriere hatte er gegen Landsmann Charles Shufford im Oktober 2000 bezogen. Den gleichen Gegner besiegte Klitschko neun Monate später durch technischen K.o. in der sechsten Runde.

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