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Boxen : Auftritt im Madison Square Garden als Ritterschlag

  • -Aktualisiert am

„Bigger, badder, better”: Witali Klitschko Bild: dpa/dpaweb

Witali Klitschko ist vor dem Schwergewichtsduell gegen Kirk Johnson im geschäftigen New York eindeutig die Attraktion. Gewinnt er, steigen die Chancen für eine Rückkehr Lennox Lewis` in den Ring.

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          NEW YORK. Mit herrischer Miene und verschränkten Armen über der nackten Brust blickt Witali Klitschko auf die Autofahrer herab. So, als würde der Herkules aus Kiew am Eingang des Lincoln-Tunnels das Tempolimit kontrollieren. Doch die 9 mal 26 Meter große Reklametafel soll die Pendler auf dem Heimweg von Manhattan nach New Jersey daran erinnern, am Samstag abend den Abonnementsender HBO einzuschalten. Dann boxt Witali Klitschko, und der, so die Botschaft auf dem Billboard, sei "bigger, badder, better". Als wer? Als Kirk Johnson? Der Name des Gegners erscheint auf der Werbewand lediglich als Fußnote. Klitschko ist die Attraktion.

          Das Wortspiel könnte auf Lennox Lewis zielen, dem der hünenhafte Ukrainer vor einem halben Jahr eine bravouröse Ringschlacht geliefert hatte. Erst der Ringarzt stoppte damals den nach sechs Runden führenden Herausforderer wegen schwerer Gesichtsverletzungen. Zur geplanten Revanche zum HBO-Termin am 6. Dezember verspürte der bereits 38jährige Champion indes keine Lust. Der ältere der Klitschko-Brüder und der Kanadier Johnson treten daher im Madison Square Garden zu einer offiziellen Endausscheidung des World Boxing Council für einen Titelkampf mit dem Müßiggänger auf dem Schwergewichtsthron an. Das Duell ist logisch. Johnson sollte im Juni gegen Lewis boxen, verletzte sich aber. Klitschko sprang kurzfristig als Ersatzmann ein.

          Nach dem New Yorker Kampf muß sich der Titelhalter endgültig erklären: Rücktritt oder Rückkehr - dann direkt gegen den Sieger. Andernfalls wird ihm der Titel aberkannt. Seinen angekündigten Besuch im Garden hat der Einzelgänger mit den Rastalocken abgesagt - wegen einer Hochzeit (nicht seiner eigenen). "Keiner weiß, ob Lewis noch einmal boxt", äußerte Manager Klaus-Peter Kohl Zweifel. Auch die Leute von HBO tappen im Dunkeln. "Wenn Witali gewinnt, kommt Lewis vielleicht in den Ring zurück", hofft Xavier James, Vizepräsident der Sportsparte beim Pay-TV-Sender HBO.

          „Im Madison Square Garden zu boxen ist ein Traum“

          Dann würde sich die Mühsal eines Comebacks zumindest finanziell für den ringmüden Champion noch einmal lohnen. Denn mit seinem beherzten Auftritt gegen den Weltmeister hat der in Los Angeles lebende Ukrainer Amerika imponiert und sich fürs Bezahlfernsehen (Pay-per-View) empfohlen. "Ich bekomme Akzeptanz in der amerikanischen Gesellschaft. Das bedeutet sehr viel", sagt der promovierte Modellathlet. Witali Klitschko ist mit 32 Jahren derzeit der interessanteste Fighter im ausgedünnten Schwergewicht. Der Auftritt in New York ist der Ritterschlag. "Im Madison Square Garden als Hauptkämpfer zu boxen ist ein Traum", schwärmt der 2,02 Meter große Boxer.

          Mehr als 10 000 Karten sind bereits im Vorverkauf abgesetzt worden, was selbst Promoter Dino Duva nicht erwartet hatte. Alles Klitschko? Eine Attraktion in der "Heavyweight Collision at Mekka", so das Crash-Motto am Nikolausabend, ist im zweiten Hauptkampf auch der unbesiegte "Baby" Joe Mesi aus Buffalo im Bundesstaat New York. Die Szene möchte in dem 29jährigen Italo-Amerikaner nach 25 K.-o.-Siegen in 27 Kämpfen am liebsten einen neuen Rocky Marciano sehen. Auch sind die Tickets im teuren New York geradezu preiswert. Nur 300 Dollar für einen Ringplatz. Für diesen Betrag gibt es am Wochenende kein Hotelbett in Manhattan.

          Klitschko in Bestform

          Klitschko mit seinem Siegeswillen, mit seiner Nerven- und Schlagstärke ist natürlich der Favorit. Zehn Wochen lang hat sich der Mann aus der Ukraine gezielt auf Johnson vorbereitet und fühlt sich noch besser in Form als vor dem letzten Kampf. "Da hatte ich nur zwei Wochen Zeit, mich auf Lewis einzustellen. Die Vorbereitung war diesmal viel besser." Trainer Fritz Sdunek gerät geradezu ins Schwärmen: "Witalis körperliche Verfassung ist besser als vor dem Lewis-Kampf. Wie er mit den Sparringspartnern umgegangen ist, so etwas habe ich bei ihm noch nicht gesehen."

          Kirk Johnson ist ein wilder, bulliger Haudrauf, der von 36 Kämpfen nur einen verlor - durch Disqualifikation wegen mehrerer Tiefschläge im WBA-Titelkampf gegen John Ruiz. Auch das Unentschieden gegen Alfred Cole war die Folge von Verwarnungen wegen wiederholter regelwidriger Schläge. "Er springt überfallartig seinen Gegner an", hat Sdunek festgestellt. "Da muß Witali schon hochkonzentriert sein und ihn mit der Führungshand unter Druck halten." Johnson, glaubt Sdunek, dürfte konditionelle Probleme haben, sollte der Kampf über die zwölf Runden gehen. Aber so weit wird es kaum kommen. Kohl wagt die Prognose: "Witali gewinnt in der achten Runde durch K.o." Johnsons Trainer Curtis Cokes sieht seinen Mann spätestens in der sechsten Runde als K.-o.-Sieger. "I am ready to rumble", tönte Johnson, traute sich aber nicht, dem Gegner auf der gemeinsamen Pressekonferenz auch nur einmal in die Augen zu schauen.

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