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Borussia Dortmund : Heiko Herrlich: „Es ist ein tolles Gefühl"

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Erster Gratulant: Evanilson (r) bei Herrlich Bild: dpa

Viele haben nicht mehr an Heiko Herrlich geglaubt. Er selbst schon - und schoss für Dortmund sein erstes Tor nach besiegtem Krebsleiden.

          Am liebsten hätte er die ganze Welt umarmt, doch der erste Dank galt dem Vereinsarzt. Schnurstracks steuerte Heiko Herrlich nach seinem 1:0-Siegtreffer für Borussia Dortmund beim FC Kopenhagen in die Arme von Dr. Michael Preuhs.

          Mit dem ersten Tor nach überstandener Krebserkrankung, das die Chancen seiner Mannschaft auf den Einzug in das Uefa-Cup-Achtelfinale vor dem Rückspiel am 4. Dezember beträchtlich verbesserte, wurde ein Fußball-Märchen wahr. „Die Kollegen haben mich monatelang mitdurchgezogen, jetzt konnte ich ihnen etwas von diesem Vertrauen zurückgeben“, jubelte der Matchwinner.

          Erstes Tor nach der Zwangspause

          Seit dem 4. November 2000, als der BVB dem FC Bayern München trotz eines Treffers des fünfmaligen Nationalspielers mit 2:6 unterlag, konnte er von solch kurzen, aber intensiven Glücksgefühlen eines Torjägers nur träumen. Dem Spiel beim Rekordmeister folgte eine fünfmonatige Leidenszeit mit schockierender Hirntumor-Diagnose, kräftezehrender Strahlentherapie und belastender Ungewissheit.

          Die Erinnerung an diese Zeit lässt Herrlich selbst in einem derartigen Moment wie dem im Kopenhagener „Parken-Stadion“ nicht mehr los. „Natürlich war das ein tolles Gefühl“, beschrieb er seine Empfindungen direkt nach dem Tor in der Nachspielzeit und fügte mit tränenerstickter Stimme hinzu: „Aber mein erster Gedanke galt den Menschen, die mit einer ähnlichen Erkrankung in den Krankenhäusern liegen und nicht so etwas Schönes erleben dürfen wie ich heute.“

          Positive Lebenseinstellung - und auf dem Platz

          Nicht nur der Treffer bezeugte seine wiedergewonnene Vitalität. Anders als sein Vorgänger Jan Koller, der nur durch das mit einer Roten Karte geahndete Revanchefoul (45.) an dem ebenfalls des Feldes verwiesenen Gegenspieler Christian Poulsen auffiel, sorgte der nach der Pause eingewechselte Herrlich in der Abwehr der Dänen für Unruhe.

          Während sein Team auch nach dem „Abstieg“ in den Uefa-Cup nahtlos an die schwachen Auswärtsvorstellungen in der Champions League anknüpfte und nur mit viel Glück einer neuerlichen Blamage entging, setzte der einstige Sorgenfall vor allem in kämpferischer Hinsicht Akzente.

          Seine durch die Krankheit verstärkte positive Lebenseinstellung verhilft dem überzeugten Christen auch auf dem Fußballfeld zu jener unverkrampften Art, die seinen Mitstreitern derzeit fehlt: „Früher habe ich oft geklagt. Heute danke ich jeden Tag dem lieben Gott, dass ich zum Training gehen darf.“

          Holpriges Comeback

          Viele gab es nicht, die Herrlich ein derart starkes Comeback zugetraut hätten. Seine bisherigen drei Kurzeinsätze nach der Strahlentherapie verliefen wenig Erfolg versprechend. So leitete der 29-Jährige beim 1:1 gegen Leverkusen am 22. September mit einem Fehlpass den Gegentreffer des in der Bundesliga noch immer ungeschlagenen Tabellenführers ein.

          Dass ihn keiner nach diesem Missgeschick tadelte, rechnet er seinen Teamgefährten noch immer hoch an. Nicht minder gut ist er auf die Vereinsführung der Borussia zu sprechen, die seinen Vertrag erst Anfang November bis 2005 verlängerte. „Wir sind sicher, dass er seine alte Leistungsfähigkeit wieder erlangen wird“, hatte Michael Zorc damals orakelt.

          „Schöner als jede WM"

          Nun scheint es, als ob der BVB-Sportmanager Recht behalten sollte. Den ansehnlichen Auftritt in Kopenhagen nutzte Herrlich indes nicht zur Werbung in eigener Sache. „Ich werde jetzt nicht irgendwelche Ansprüche auf einen Stammplatz stellen, sondern gehe davon aus, dass am Sonntag Jan Koller gegen Kaiserslautern stürmen wird“, sagte der einstige Bundesliga-Torschützenkönig, dem die Lobeshymnen eher peinlich waren.

          Die Frage eines dänischen Reporters, ob er sich noch Hoffnung auf eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr mache, beantwortete er mit einem verklärten Blick: „Wenn mich die Ärzte bei meinen Nachuntersuchungen anlächeln, ist das für mich schöner als jede WM.“

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