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Champions League : Große Dortmunder Depression

Andrej Jarmolenko fasst sich an den Kopf: Borussia Dortmund hat derzeit das Siegen verlernt Bild: dpa

Nach dem rauschhaften Start in die Saison schlittert der BVB im Herbst in eine veritable Krise. In der Champions League gibt es gegen Nikosia die nächste Blamage. Der Unmut wird hörbar größer.

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          Als Schiedsrichter Matej Jug nach mehr als 94 Minuten das Champions-League-Duell zwischen Borussia Dortmund und Apoel Nikosia abpfiff, gab es ein Echo. Es war nicht die große Masse, die das Ergebnis von 1:1 Toren mit Unmut quittierte. Aber es waren doch ungewöhnliche Töne, die in Deutschlands größter Fußballarena zu vernehmen waren. Pfiffe für die eigene Mannschaft hatte es lange nicht in Dortmund gegeben. Nachdem es im Heimspiel wie schon vor zwei Wochen in der Partie auf Zypern gegen den großen Außenseiter nur zum Remis gereicht hatte, ist nun gar das Erreichen der Europa League in ernsthafter Gefahr.

          Champions League
          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Alleine das um zwei Treffer bessere Torverhältnis positioniert den BVB derzeit noch auf Platz drei der Vorrundengruppe vor der punktgleichen Mannschaft aus Nikosia. Über den nach wie vor theoretisch möglichen Einzug ins Achtelfinale der Champions League braucht nach den zwei Blamagen niemand mehr ernsthaft nachdenken. In den verbleibenden Spielen zuhause gegen Tottenham und bei Real Madrid geht es nur darum, nicht auf den letzten Rang abzurutschen. „Das ist eine schwere Phase“, sagte Trainer Peter Bosz beim Fernseh-Sender Sky. „So ein Spiel muss du gewinnen – nach dem Tor musst du das zweite machen. Wir brauchen einen Sieg.“

          Doch genau das ist das große Dortmunder Problem, das derzeit zur großen Herbst-Depression führte. In der Champions League gelang in dieser Saison in nun vier Spielen gar kein dreifacher Punktgewinn, in der Bundesliga datiert der letzte Sieg von Ende September. Alleine im DFB-Pokal gelang mit einem 5:0 beim Drittligateam aus Magdeburg zuletzt ein Erfolgserlebnis. „Zum Beginn der Saison haben wir ein sehr gutes Borussia Dortmund gesehen“, sagte Bosz. Davon aber ist seine Mannschaft nun weit entfernt. „Wir sind da zusammen drin, und wir kommen da zusammen auch wieder raus.“

          Bei der Forschung nach den Gründen der Krise wollten die Dortmunder jedoch nach dem Spiel nicht konkret werden. Bosz hatte seine Spieler nach Abpfiff zunächst in der Kabine versammelt, erst dann durften sie vor die Mikrofone der Medien treten. Dort ähnelten sich die Einschätzungen und die Handlungsanweisungen, damit es in Zukunft wieder besser läuft. „Wir müssen jetzt hart arbeiten“, sagte der eingewechselte Kapitän Marcel Schmelzer und wiederholte sich mehrfach. „Hart trainieren, hart arbeiten“, sei jetzt das Motto, dann käme man aus dieser schweren Phase auch wieder heraus.

          Trainer Peter Bosz: „Wir brauchen einen Sieg.“

          Wenn es doch nur so einfach wäre. Am Engagement mangelte es den Borussen gegen Nikosia nicht. Es waren vielmehr zwei Gründe, die zum schmerzhaften Unentschieden führten. Beim Ausgleich durch Mikael Poté, dem früheren Dresdener Stürmer, der auch schon im Hinspiel traf, verlor Marc Bartra, der als Aushilfsaußenverteidiger agierte, erst den Ball und gewann ihn dann auch nicht zurück. Ömer Toprak ließ sich leicht ausspielen, und Poté traf (51. Minute). „Die hatten eine Chance und schießen ein Tor“, klagte Toprak. Doch genau dieser Befund führte zur zweiten Ursache.

          Für Dortmund wurden am Ende 29 Torschüsse notiert, die Passquote betrug 91 Prozent, auch beim Ballbesitz (78 Prozent) und der Zweikampfquote (61) lag der BVB deutlich vorne. Doch mehr als das hervorragend heraus gespielte 1:0 durch Raphael Guerreiro, der eine Kombination über 22 Stationen und einen Weltklasse-Pass von Shinji Kagawa abschloss, sprang dabei nicht heraus (29. Minute). Allen voran der Torjäger a. D. litt. Die Miene von Pierre-Emerick Aubameyang verfinsterte sich mit jeder vergebenen Chance. Mal verfehlte er den Ball, dann traf er einen Fallrückzieher nicht richtig, später scheiterte er mit einem Kopfball an der Latte und setzte den letzten Versuch auf vier Metern neben das Tor. „Er hat kein Glück, das kommt wieder, er wird wieder treffen“, sagte Trainer Bosz.

          Die nächste Gelegenheit gibt es an diesem Samstag (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) im Topspiel gegen den FC Bayern. Bei einer Niederlage drohen nach vor kurzem noch fünf Punkten Vorsprung in der Bundesliga-Tabelle dann sechs Zähler Rückstand. Und von hinten drängt RB Leipzig. „Am Samstag wird es ein anderes Spiel“, sagte Verteidiger Toprak. Davon ist auszugehen, denn die Münchner werden sicher offensiver spielen als Nikosia. Ob das aber eine gute Nachricht für die derzeit unsichere Dortmunder Defensive ist, ist die Frage, von dessen Antwort maßgeblich abhängt, in welche Richtung sich diese Saison der Borussen entwickeln wird.

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