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Boris Becker : Breaks gegen den Businessman

  • Aktualisiert am

Schon wieder getrennt: Boris Becker und Patricia Farameh Bild: dpa

Die Anklage wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe ist ein weiterer Tiefpunkt von Boris Becker nach dem Ende seiner sportlichen Karriere.

          4 Min.

          Für Boris Becker begann das Unheil in den Morgenstunden des 21. Dezember 1996. Damals durchsuchten vier Beamte der Steuerfahndung des Finanzamtes München I nach Vorlage ihres richterlichen Durchsuchungsbeschlusses seine Villa im Münchner Stadtteil Bogenhausen und stellten dabei mehrere Akten sicher.

          Auch im Haus seiner Eltern in Leimen wurden private Unterlagen beschlagnahmt. Die Finanzbeamten suchten schon damals Beweise dafür, dass Boris Beckers ehemaliger Wohnsitz Monaco von 1985 bis 1993 eine Art Scheinadresse war und sein Lebensmittelpunkt in Deutschland lag.

          Vom Glück verlassen

          Nun erwartet ihn eine Anklage der Staatsanwaltschaft München wegen Steuervergehen. Das Landgericht München muss über die Zulassung der Klage und den möglichen Prozess-Termin entscheiden.

          Ein weiterer Tiefpunkt nach dem Ende seiner sportlichen Karriere. Boris Becker, der als Spieler so große Erfoge feierte, hat das Glück verlassen. Als Privatmann macht er mit seinem Lebenswandel negative Schlagzeilen, beruflich fehlt ihm das erfolgreiche Projekt.

          Der Weg vom gefeierten Sportstar zum erfolgreichen Geschäftsmann ist nicht einfach. Denn im Business reicht der berühmte Tunnelblick bisweilen nicht aus und auch der Nadelstreifenanzug garantiert noch keine gelungenen Investments. Boris Becker muss das derzeit schmerzvoll erfahren.

          „Global player“ mit eigener Sportkollektion

          Zwar bemüht er sich seinen Einfluss auf das Welt- und nationale Tennis zurückzugewinnen, gefiel sich in der Rolle des „gobal players“ als Wimbledon-Kommentator für die BBC und Kolumnist für die „Times“.

          Als Botschafter der Lareus-Sports Award, bei dem sein Partner Mercedes-Benz eine finanzkräftige Rolle spielt, bewegt er sich weiter in der Welt der Großen des Sports. Demnächst will er auf der Ispo eine eigene Sport-Kollektion präsentieren.

          Privat bemüht, nach der Scheidung von Ex-Ehefrau Barbara „ seine verlorene Jugend nachzuholen“ (Helmut Thoma) , war auch der Glanz des Unternehmers Becker bislang stets schnell verblichen.

          Flop Sportgate

          Zwar hatte das Tennis-Idol vor Jahresfrist schon vom Börsengang geträumt, aber die Realität hatte ihn zügig eingeholt. „Im Moment wäre es Selbstmord, mit einer Firma an die Börse zu gehen. Meine Sportvermarktungsagenturen BBI und BBM bieten leider nicht ausreichend genug Content“, sagte Becker schon im März 2001 kurz bevor das Internetportal Sportgate online ging.

          Drei Monate später musste Sportgate, an dem Becker 55 Prozent der Anteile hielt, Insolvenz beantragen. Die Anteilseigner Paulus Neef (Pixelpark), Becker und der Deutsche Sportbund waren verstritten. Nichts mehr zu sehen von der Harmonie, mit der sie im August 2000 großspurig ihr joint venture ankündigt hatten. Verbittert klagte Neef: „Mein geschäftliches Verhältnis zu Boris Becker bei Sportgate und bei allen zukünftigen Geschäften werde ich beenden.“

          Werbefigur Becker verliert an Popularität

          Fest steht: Nach seinem Karriereende hat der einstige „17jährige Leimener“ bisher nur eine Person erfolgreich vermarktet: Boris Becker. Seinen Namen hat er beim Patentamt unter der Nummer 39961882.1/28 als Marke schützen lassen. Zumindest als alltagsuntauglicher Single in seinem vierten Werbespot für AOL wirkt der frühere Tennis-Star glaubwürdig.

          Ob der 33-Jährige aber nach Scheidungs-Schlammschlacht, Affären und unehelichem Kind ein erfolgreicher Testimonial bleibt, bezweifeln auch renommierte Werbefachleute.

          Noch entlasten Beckers Promotion-Auftritte locker seine fehlgeschlagenen Investments: AOL entlohnte ihn mit einem Aktienpaket, der Sportbekleidungs-Hersteller Lotto zahlte 20 Millionen Mark für drei Jahre und der Automobilhersteller Mercedes zehn Millionen Mark in fünf Jahren.

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