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Bob Stapleton bei T-Mobile : Der schwierigste Job seines Lebens

  • -Aktualisiert am

Noch lacht er: Bob Stapleton Bild: dpa

Reich, charmant und unabhängig: Bob Stapleton ist der neue Mann an der Spitze von T-Mobile. Seine Aufgabe wird es zunächst sein, den Rennstall aus der Krise zu führen. Dabei steht ihm Rolf Aldag zur Seite.

          Frauen, die sich von Berufs wegen auf ein Rennrad setzen, braucht man nicht zu erklären, wie hart das Leben ist. Schon gar nicht, wenn sie für den gleichen Sponsor arbeiten wie die weitaus prominenteren Männer. So mußte die Olympiazweite Judith Arndt am Ende der Saisonvorbereitungen vor ein paar Monaten auch nicht lange nachdenken, weshalb so viele Journalisten nach Mallorca gekommen waren.

          T-Mobile hatte eingeladen, um Jan Ullrich und seine Domestiken im Jahr eins nach Lance Armstrong zu präsentieren. "Ich weiß auch, daß sie nicht wegen uns hier sind", sagte sie. Ihre Mannschaftskollegin Ina-Yoko Teutenberg genoß es trotzdem: "Das war schon ein Wahnsinn."

          Stapletons Beziehung zum Radsport

          Wenn die Medienvertreter genauer hingesehen hätten, wäre ihnen sicher auch jener Mann mit dem freundlichen und entspannten Lächeln aufgefallen, der diese schlagkräftige Einheit vier Jahre zuvor in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Radsportverband aufgebaut hatte. Der hätte ihnen vermutlich erzählt, was ihn an seinen weiblichen Athleten so gefällt: daß sie "echt und authentisch" sind, aber auch "zugänglich und liebenswert". All diese Attribute verbindet Robert R. Stapleton mit dem Radsport.

          Der Achtundvierzigjährige weiß, wovon er spricht. Denn in seinem Innern schlägt nicht das Herz eines engagierten Hobbyfahrers, das sich wenigstens einmal im Jahr richtig austoben darf - bei der "El Tour de Tucson" mit einer Handvoll Profis und Tausenden von Amateuren. Stapleton, den alle Welt nur Bob nennt, hat noch eine andere Beziehung zu diesem Geschäft. Als Mitbegründer und Vorstandsmitglied des amerikanischen Vorläuferunternehmens von T-Mobile namens Voicestream versteht der Mann aus San Luis Obispo in Kalifornien die ganze Tragweite einer Imagekampagne, die Millionen kostet und trotzdem aus dem Ruder läuft. Am liebsten würde er "die öffentliche Meinung über das Radfahren als Ganzes" verbessern. Nun kann er zeigen wie.

          Was kommt nach Ulrich und Ludwig?

          Stapleton, der nach dem Merger bei T-Mobile USA nur noch ein Mandat im Aufsichtsrat innehatte, hat von seinem Auftraggeber Rene Obermann einen Krisenfall zugeschoben bekommen: die von Dopingskandalen angeschlagene Männermannschaft, die nach dem Rauswurf von Jan Ulrich und der Kündigung der Verantwortlichen Olaf Ludwig und Mario Kummer nicht wie eine unbekümmerte Leistungseinheit aussieht, sondern wie eine Notgemeinschaft.

          Dagegen war sein letzter Posten, für den er eigens die Firma High Road Sports Inc. gegründet hatte, geradezu einfach. "Wir wollen Siege, viele Siege", hatte er gesagt und das Team durch zahllose Länder auf mehreren Kontinenten gehetzt, wo vor allem die Düsseldorferin Ina-Yoko Teutenberg die Erwartungen erfüllte. Stapleton habe die Mannschaft weit nach vorn gebracht, meinte die frühere Weltklassefahrerin Petra Roßner, die in beratender Funktion dabei ist: "Alles, was er versprochen hat, hat er umgesetzt."

          „Er kann dein Selbstwertgefühl zu steigern“

          Bei Frauen kommt der Mann hervorragend an. Das ehemalige Team-Mitglied Kimberly Bruckner erinnert sich noch an das Engagement, das Stapleton hinter den Kulissen an den Tag legt. "Jedes Mal, wenn ich mit Bob geredet habe, bin ich mit einem großartigen Gefühl weggegangen. So als ob ich in der Lage wäre, alles hinzubekommen. Bob hat die Fähigkeit, dein Selbstwertgefühl zu steigern."

          Wie die Männer auf ihn reagieren, die demnächst ganz offiziell für die High-Roads-Tochter Neuer Strassen Sport GmbH mit Sitz in Köln in die Pedale treten, ist schwer vorherzusagen. Rolf Aldag, der als Sportlicher Leiter verpflichtet wurde und mit Stapleton zurechtkommen muß, hat noch nicht viel über seinen neuen Vorgesetzten herausgefunden. "Ich weiß, daß er finanziell unabhängig ist und nicht mit dem Radsport sein Geld verdienen muß", sagte er der "Welt". "Er will sich öffentlich zurückhalten, er muß nicht über den Radsport berühmt werden."

          Aldag hat den härtesten Job

          Wie wohlhabend Stapleton ist, darüber gibt es nur Spekulationen. Sicher nicht so reich wie John Stanton, sein alter Weggefährte und der primus inter pares einer kleinen Gruppe von kaltschnäuzigen Geschäftsleuten, die von Seattle aus in den neunziger Jahren zu wichtigen Playern auf dem amerikanischen Mobiltelefonmarkt wurden. Denn Stanton bezog nicht nur ein Gehalt, sondern auch Optionsscheine auf Aktien. Sein heutiges Vermögen wird vom Wirtschaftsmagazin "Forbes" auf eine Milliarde Dollar geschätzt. Für Menschen, die in solchen Dimensionen denken, sind die zwölf Millionen Euro, die das T-Mobile-Team jedes Jahr verschlingt, vergleichsweise überschaubar.

          Und sie kleben nicht an den Sätteln, die für Männer wie den geschaßten Olaf Ludwig die Welt bedeuten. "Nach fünfzehn Jahren im Radsport haben wir einen hohen Grad an Verantwortung gegenüber dem Sport", sagte T-Mobile-Chef Rene Obermann. Ihm ist klar, daß seine Firma zusammen mit Stapelton und Aldag ihren Beitrag leisten muß, um Radfahrer zu präsentieren, denen man glaubt, daß sie ohne verbotene Zusatzstoffe antreten. Den härtesten Job hat ohne Frage Aldag. "Rolf wird das Team überwachen und die Verantwortung für die Athleten übernehmen." Mit anderen Worten: Wenn gedopt wird, geht es um Aldags Kopf. Nicht um Stapletons.

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