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BMX : Dreckmassen und Luftsprünge - der European King of Dirt

  • -Aktualisiert am

Hochkonzentriert in der Luft: Conny Zetzel Bild: messe münchen / hagena

Bei den ispo games in München trafen sich einige der besten europäischen BMX-Fahrer, um zu prüfen, wer das Zeug zum König hat.

          2 Min.

          In der Messehalle riecht es sehr streng, eine Mischung aus Kuhmist und feucht gewordenem Holz liegt in der Luft. Am Boden sind Massen von Dreck plattgewaltzt und zwei große Dreckhügel aufgeschüttet. 200 Quadratmeter Dreck haben ihren Weg hierhergefunden, und wie kann der Wettbewerb treffender heißen als King of Dirt.

          Zu einer Sportart wie BMX gehört in jedem Fall laute Musik, Fahrräder, an denen sich die Teile in alle Richtungen drehen lassen und gut gepolsterte Jungs, denen die Hose in Richtung Knie rutscht. Und natürlich jede Menge Mut, wenn man am Sprungwettbewerb teilnehmen will, dem European King of Dirt.

          Tricks hoch in der Luft

          Die Rider beginnen den Lauf auf dem Starthügel. Von dort geht es mit 45 Prozent Gefälle auf die erste Rampe zu. Zwischen dieser und der Landung auf dem Schmutzhügel in gleicher Höhe liegen einige Meter, die für Tricks gedacht sind. Nach der Abfahrt von dem ca. 2,5 Metzer hohen Hügel wartet nach einigen Metern die nächste Rampe und der nächste Schmutzhügel in den Zieleinlauf. Die Abfahrten sind mit biegsamen Holzauflagen verstärkt, dass die Fahrer bei der Landung nicht mit einem Fahrradteil im Dreck steckenbleiben.

          Die BMX-ler, die mit viel Tempo auf die Rampen zufahren, zeigen gefährlich aussehende Sprünge, wenn es sie in die Luft katapultiert. Die „harmlosen“ sind solche, bei denen der Lenker in der Luft „nur“ hin- und her und bewegt wird oder das Hinterrad auf eine Seite gewippt wird. Das heißt dann zum Beispiel x-up und Tailwhip.

          Wehe dem, der zu wenig dreht

          Die Sprünge, bei denen den Zuschauern der Atem stockt, sind ganzen Drehungen, vor allem die Rückwärtssalti. Da passieren auch die spektakulärsten Stürze, wenn zu wenig Rotation da ist und der Fahrer auf oder vor dem Hügel aufschlägt, bevor er wieder auf die Räder kommen konnte. Das sieht gefährlich aus, aber in München ging trotz zahlreicher Stürze alles glimpflich aus.

          Das Schicksal eines Sturzes ereilte die Hälfte der zehn Finalfahrer des European King of Dirt, durch ein Streichergebnis dazu ermutigt, auch einen Sprung zu zeigen, den sie nicht sicher beherrschten. Und das war bei den meisten Fahrern der Backflip, der Rückwärtssalto. Dabei wurde auch deutlich, dass die Jungs ihre Schuhe so lose geschnürt haben, dass sie bei jedem Sturz durch die Luft fliegen und dann erst wieder eingesammelt werden müssen.

          Benny und der Superman

          Gewertet werden bei BMX-Wettkämpfen drei Aspekte: Schwierigkeit, Style (Ausführung) und Kreativität mit jeweils zehn Punkten pro Preisrichter. Zur Endwertung werden die Punkte der drei Judges für die drei Sprünge für jeden Fahrer addiert.

          Am Ende des Contests im Rahmen der ispo games hatte der Münchner Benny Korthaus die Nase vorn. Der 18-Jährige ging zwar nicht das höchste Risiko, lieferte aber die saubersten Sprünge ab. Vor allem sein Superman Seatgrap in Runde drei war extrem hoch hinaus - dabei fliegt man quasi mit gestrecktem Körper dem Rad hinterher, wie ein Handstand in der Waagrechten, um bei der Landung dann wieder die Beine nach vorne zu bringen und im Sitzen aufzukommen. Am Abend nach seinem Sieg kam er zu noch größeren Ehren. Er bekam einen Nea Award für den besten Newcomer in der KAtegorie BMX.

          Wer wagt, gewinnt nicht immer

          Der Starter mit den schwierigsten Sprüngen war Timo Pritzel aus Berlin. Er ist der König der Backflips, der Rückwärtssalti. Doch er hatte Pech: In der zweiten Runde musste er den Fuß bei der Landung zu Hilfe nehmen, in Runde drei wagte er zwei Backflips hintereinander und der zweite landete im Dreck. Dafür zeigte der Weltmeister im vierten Durchgang, dass er doch die schönsten Salti springt: Er versuchte es noch einmal mit zweien hintereinander und diesmal klappte alles wie im Lehrbuch. Am Ende reichte es jedoch nur zu Rang zwei.

          Ebenfalls auf Rang zwei kam Kye Forte aus England, der den anschließenden Hochsprungwettbewerb mit fünf Metern für sich entscheiden konnte. Qualifikationssieger Cyril Dangeul aus Frankreich wählte nicht die schwierigsten Tricks und war sehr unzufrieden mit seiner Performance. Aber alles Ärgern und Rad in den Boden stampfen half „Black Jack“ nichts - am Ende belegte er nur Platz vier.

          Nach einem weiteren Qualifiaktionswettkampf in England findet das Finale des European King of Dirt am 1. September auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin statt.

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