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BMW-Open : Nicht einmal ehrliches Lob will Thomas Haas hören

Gut gespielt und doch enttäuscht: Thomas Haas Bild: dpa/dpaweb

Rainer Schüttler besiegt Thomas Haas: Das Prestigeduell der besten deutschen Tennisspieler, emotionsfrei und auf hochklassigem Niveau, hat einen Verlierer, der eigentlich keiner ist. Doch die Anerkennung ist für Haas erst einmal kein Trost.

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          Natürlich war es etwas anders damals in Hamburg, als Boris Becker und Michael Stich gegeneinander antraten. Halb Deutschland schaute bei diesem Prestigeduell den beiden eitlen Platzhirsche zu, die dem anderen jeweils höchstens möglichst viel roten Sand unterm Tennisschuh gönnten. Ein paar Jahre später in München ist das ganz anders, auch wenn Rainer Schüttler und Thomas Haas in der zweiten Runde der BMW Open wieder eine kleine deutsche Meisterschaft untereinander ausspielen. Von halb Deutschland kann nicht mehr die Rede sein, der übertragende Bayerische Rundfunk hofft bescheiden zumindest darauf, bundesweit mal mehr als 100000 Zuseher zu finden.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Schüttler und Haas sind zwar Konkurrenten, aber im Rahmen der Möglichkeiten eines Tennisprofis so etwas wie Freunde. Die beiden polarisieren nicht, zumindest nicht an diesem Tag, der relativ emotionsfrei und trotzdem mitunter hochklassig über die Bühne geht. Die Partie endet so wie die drei vorherigen Begegnungen der beiden - Schüttler setzt sich vor 4000 Zuschauern auf dem vollbesetzten Center Court durch. Der Korbacher gewinnt 6:4, 2:6, 6:4 und erreicht als zweiter Deutscher nach Alexander Waske das Viertelfinale.

          Zwei Sorgen dürften die dem deutschen Tennis zugeneigten Fans seit dieser internen Auseinandersetzung weniger haben. Die Krise von Rainer Schüttler, der sich in den ersten Monaten eine ganze Serie von Erstrundeniederlagen leistete, scheint nach seinem Finaleinzug in Monte Carlo am vergangenen Wochenende beendet; und die Zweifel, ob Thomas Haas nach seiner langen Verletzungspause noch einmal alte Spielstärke erreichen kann, werden immer weniger. Schüttler ist aktueller Weltranglistenfünfter, und da will auch Haas wieder hin, der es vor zwei Jahren sogar einmal bis auf den zweiten Platz schaffte. Um seinen Aufschlag hatten sich alle Sorgen gemacht, die ihn an Ostern in Alsdorf beim Davis Cup im Doppel gesehen haben, aber auch das scheint nun unbegründet. Haas kratzt ein paarmal an der Marke von 200 Kilometern pro Stunde und schlägt wieder so hart auf wie vor seinen Schulteroperationen.

          Enttäuschter als nötig

          Auch sonst wird deutlich, warum Haas vor knapp zwei Wochen beim Turnier von Houston im Finale gegen den Weltranglistenzweiten Andy Roddick triumphieren konnte. Pech für ihn, daß es bei aller Freundschaft trotzdem ein Prestigeduell bleibt, das keiner verlieren möchte. Schüttler zeigt seine alten Stärken, schlägt ein paar Bälle mehr zurück als viele andere es geschafft hätten, und selbst der schmerzhafte Stich am Schlagarm, mit der eine Biene am Morgen das Einschlagen beendet hatte, kann den Korbacher nicht in seinem Tatendrang bremsen. Daß er alles geben mußte, um dieses interne Duell für sich zu entscheiden, darüber läßt der Sieger keinen Zweifel zu: "Ich bin überrascht, wie gut er schon wieder ist. Er spielt besser als vor seiner Verletzung", sagt Schüttler.

          Das war durchaus als ehrliches Kompliment gemeint, aber mit soviel Lob mußte Thomas Haas hinterher niemand kommen. Mag er noch solange verletzt gewesen sein und ihm alle prophezeit haben, es werde ein harter Weg zurück in die Weltspitze - Haas wirkt nach der knappen Niederlage in diesem jederzeit umkämpften Spiel enttäuschter, als er es hätten sein müssen. "Das ist nett, daß er das gesagt hat, aber ich empfinde das gerade gar nicht so", sagt er. Schließlich schien Haas die Partie nach dem ersten Satz in den Griff bekommen zu haben.

          Im ersten Durchgang hatte er seinen Aufschlag gleich zweimal abgeben müssen, danach aber kam Schüttler lange nicht mehr in die Nähe eines Breakballs. Als der Weltranglistenfünfte es schließlich urplötzlich doch schaffte, hätte er sich keinen besseren Zeitpunkt wünschen können. Unter Mithilfe von Haas, der sich zwei Doppelfehler leistete, 0:40 zurücklag und danach trotzdem einen Spielball hatte, gelang Schüttler das entscheidende Break zum 4:5 im dritten Satz. "Da hatte ich plötzlich einen richtigen Blackout, das darf mir nicht passieren. Und vor allem nicht gegen einen Weltranglistenfünften", sagt Haas und kneift dabei die Augen zu bedenklich engen Schlitzen zu.

          "Ich muß noch viel verbessern bis zu den French Open", sagt Haas, bevor er geht. Es war erst sein drittes Turnier auf Sand nach seiner langen Pause, und vor Paris kommen noch die Turniere in Rom und Hamburg, dazu der World Team Cup in Düsseldorf. So wie Haas jetzt schon wieder spielt, verdient er Respekt und Anerkennung, daß er demnächst noch besser sein wird, ist sehr wahrscheinlich. Nur hören wollte er es an diesem Tag nicht.

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