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Zwei Talente, ein Ziel (7) : „Was habe ich nur falsch gemacht?“

Einer muss gehen: Fritz (l.) verlässt die Hertha, Bilal darf noch auf die Profi-Karriere hoffen Bild: Julia Zimmermann

Der Traum vom Profifußball gerät in Gefahr: Fritz wird von der Hertha rausgeworfen. Nun wird er studieren - und weiter hoffen. Bilal kam mit seinem Trainer nicht zurecht und wollte weg. Jetzt will er bei seinem alten Coach die Kurve kriegen.

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          Als Andreas Thom ihn im vergangenen Monat, kurz vor Saisonschluss, in die Trainerkabine bat, ahnte Fritz schon, was auf ihn zukommen würde. Der ehemalige Nationalspieler sagte Fritz, dass es für den Kader der kommenden Saison nicht reicht; dass er nicht mehr bei Hertha bleiben kann. Aus und vorbei. Der Traum von Fritz bei Hertha endete in fünf Minuten. Der Trainer fand, dass damit alles gesagt sei, was es zu sagen gibt gegenüber einem 16 Jahre alten Jungen, der fünf Jahre bei Hertha BSC Berlin seinen Traum vom Profifußball gelebt hatte und nun seine Sachen packen muss.

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

          „Ich weiß nicht genau, was ich empfinde. Es war traurig. Aber so, wie es sich entwickelt hat, war ich nicht komplett erschüttert“, sagt Fritz über den Moment der großen Enttäuschung, diesen scharfen Einschnitt im Leben von Jugendlichen, die sich dem Hochleistungssport verschrieben haben. Ein früherer Hertha-Trainer von Fritz und Bilal sagt, eine solche Entscheidung sei für die Jungs wie Sitzenbleiben und Von-der-Schule-Fliegen gleichzeitig. „Es ist so schade“, sagt Fritz. „Und ich ärgere mich, dass es unter anderen Umständen gut hätte funktionieren können. Ich weiß nicht, was ich falsch gemacht habe.“

          Die Umstände, von denen Fritz spricht, haben viel mit seinem Trainer zu tun. Und wenn man Bilal über seine verkorkste Saison reden hört, dann klingt das nicht viel anders. Bilal war von zwei Jahren unter Trainer Thom so enttäuscht und entnervt, dass er im Mai um die Auflösung seines Vertrags bat. Er kam nicht mit dem Trainer klar, und der Trainer kam nicht mit ihm klar. Die Hertha aber verweigerte Bilal die Freigabe. Thom wiederum nahm Bilals Trennungswunsch zum Anlass, ihn aus der U 17 zu werfen. In den entscheidenden Spielen um die deutsche Meisterschaft war Bilal nicht mehr dabei, auch nicht im Finale, das die Hertha gegen den VfB Stuttgart 0:1 verlor.

          Am Saisonende spielte Bilal wieder zusammen mit Fritz in der U 16 - jener Mannschaft, die er vor zwei Jahren eigentlich schon übersprungen glaubte. „Ich habe in diesen zwei Jahren nicht viel dazugelernt und bin nicht richtig zum Zug gekommen“, sagt Bilal. „Dabei waren diese zwei Jahre doch so wichtig. Ich hätte mir gewünscht, dass sie anders verlaufen wären.“

          Keine neue Chance

          In dieser Saison kam viel zusammen für Fritz, und es war sein Unglück, dass er es in dieser schwierigen Zeit ausgerechnet mit einem knochenharten Vertreter der altdeutschen Trainerschule zu tun hatte, einem Trainer, der im Osten auch geprägt wurde vom autoritären Geist. Beim ersten Saisonspiel hatte Fritz noch zur Startelf gehört, aber kurz vor dem Anpfiff, beim Warmmachen, verletzte er sich am rechten Fuß - ein Haarriss in der Wachstumsfuge. Fritz fiel monatelang aus. Ihm war klar, dass er sich nun über die U 16, die in der Regionalliga in der zweithöchsten Klasse spielt und am Ende Meister wurde, wieder rankämpfen musste.

          Vergeblich gemüht: Fritz konnte seinen Trainer nicht überzeugen
          Vergeblich gemüht: Fritz konnte seinen Trainer nicht überzeugen : Bild: Julia Zimmermann

          „Da habe ich gut gespielt, auch aus Sicht des U-16-Trainers. Trotzdem habe ich deswegen nicht die Chance bekommen, mich wieder bei der U 17 zu beweisen“, sagt Fritz. „Mehr als gute Leistungen in der U 16 zu bringen, konnte ich ja nicht leisten. Das hat aber nicht gereicht, warum auch immer. Dann nahm alles seinen Lauf, ohne dass ich noch mal etwas hätte bewirken können.“

          Allein mit seinen Fragen

          Während seiner langen Verletzungspause hatte der Trainer mit Fritz kaum gesprochen. Dafür habe es auch keinen Grund gegeben, fand Thom, weil Fritz bei anderen Verantwortlichen von Hertha in guten Händen gewesen sei. Aber auch in der Zeit, als sich Fritz in der Rückrunde zurückkämpfen wollte in die U 17, war Thom für Kommunikation mit seinem lange verletzten Spieler nicht zu haben. „Ein richtiges Gespräch gab es nicht - zumindest keins über wichtige oder auch nur annähernd wichtige Fragen“, sagt Fritz.

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