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Zwei Talente, ein Ziel (6) : Am Scheideweg

Sie sind groß geworden: Fritz (links) und Bilal Bild: Julia Zimmermann

Fritz war so lange verletzt wie noch nie in seiner jungen Karriere. Jetzt steht er vor dem Abitur - und einer wichtigen Entscheidung. Bilal verliert die Kapitänsbinde und sucht neue Kraft im Islam.

          Es schien ein Start zu werden, wie ihn sich Fritz gewünscht hatte. Er stand in der Startaufstellung gegen Hannover 96, und er wollte mit seiner Mannschaft in der neuen Saison schaffen, was das Vorgängerteam von Hertha BSC mit Trainer Andreas Thom geschafft hatte: die deutsche Meisterschaft der U 17 gewinnen. Fritz spielte sich schon ein an jenem Tag im August, aber bei einem Schuss blieb er mit der Fußspitze im Rasen hängen. Keine große Sache, wie es zunächst schien. Aber Fritz konnte nicht weitermachen, wenige Minuten bevor die neue Spielzeit begann. Nach der Untersuchung hieß es, in ein paar Wochen wäre er wieder dabei.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Dann merkten die Mediziner, dass mit der Sache nicht zu spaßen war. Sie entdeckten einen Haarriss in der Wachstumsfuge des rechten Fußes, und wenn nicht alles richtig ausheile, sagten sie, dann drohte Fritz, dass seine Beine unterschiedlich wachsen würden. Es dauerte mehr als zwölf Wochen, bis er wieder trainieren durfte. So lange war Fritz noch nie in seiner jungen Karriere verletzt. „Das war alles sehr unglücklich für ihn. Beim Aufwärmen zum ersten Meisterschaftsspiel verletzt - und seitdem hat er auch wenig gespielt. Das ist nach wie vor so“, sagt Trainer Andreas Thom.

          Am vergangenen Wochenende gewann die Hertha zum Rückrundenauftakt 6:0. Die Mannschaft führt die Tabelle souverän an vor Werder Bremen, HSV, Hannover 96 und dem VfL Wolfsburg. Fritz aber musste sich Spielpraxis im jüngeren Jahrgang holen, in der Wintervorbereitung war er auch noch krank geworden. Nach seiner schweren Verletzung im Sommer kämpfte er sich zunächst wochenlang durch die Rehabilitation. Mit seinem Trainer hatte er in dieser Zeit kaum Kontakt. Er arbeitete sich mit den zuständigen Leuten bei Hertha wieder ran.

          Fritz weiß noch nicht, ob er bei Hertha bleiben kann

          Längere Gespräche oder eine dauerhafte, persönliche Begleitung durch den Trainer hat es nicht gegeben. Thom hält das nicht für nötig. Erst mal müssten verletzte Spieler „wiederhergestellt“ werden, sagt er, dafür gingen sie in die Reha, und wenn die abgeschlossen sei, stiegen sie wieder ins Mannschaftstraining ein. Dann sei er auch als Trainer wieder gefragt. So laufe das. Fritz sagt, für ihn sei das in Ordnung gewesen. „Ich habe auch nicht viel gebraucht.“ Fritz besitzt bei Hertha nur einen Ausbildungsvertrag bis zum Ende der Saison. Er weiß noch nicht, ob er bleiben kann.

          Kleiner Unterschied: Bilal (l.) ist Fritz (verdeckt vom Pfosten) etwas voraus in der Karriere

          Sein Trainer kann das auch nicht sagen, momentan sei das wegen der Verletzungssache schwer zu beurteilen. „Wir müssen erst mal abwarten, wie Fritz drauf ist, wenn er wieder eine Weile fit ist“, sagt Thom. Der Klub werde gegen Ende März seine Planung abschließen und den Spielern, bei denen der Vertrag womöglich nicht verlängert werde, seine Entscheidung mitteilen. Die Jungs sollen die Möglichkeit haben, „sich relativ zeitnah einen neuen Verein zu suchen“.

          Zwei Spieler, ein Ziel: Fritz und Bilal wollen aber auch noch Spaß haben

          Für Fritz stehen im Frühjahr damit zwei wichtige Entscheidungen an, und beide hängen miteinander zusammen. Mit 16 Jahren macht er Abitur auf dem Canisius-Kolleg, das vierte und letzte Semester der Oberstufe endet am 20. März, dann folgen die Abiprüfungen. Er hat Mathe und Sozialwissenschaften als Leistungskurse, und wenn alles so kommt, wie Fritz es für sich erwartet, wird er „so mit 1,8 oder 1,9“ das Abi machen. „Aber die Prioritätensetzung ist schwer“, sagt Fritz. „Ich möchte jetzt beides hinbekommen, ohne dass das eine unter dem anderen leidet.“ Auch die Planungen über den Sommer hinaus sind nicht einfach. „Es kommt auf die Optionen an, die ich dann haben werden“, sagt er.

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