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Zwei Talente, ein Ziel (6) : Am Scheideweg

Für den Trainer zählt nur, was er auf dem Fußballplatz sieht

Am liebsten würde er sich zunächst ohne die schulischen Belastungen in der kommenden Saison ganz auf den Fußball konzentrieren, um seinem Traum vom Profifußball näher zu kommen. Er glaubt, das könne ihm einen großen Schub geben bei der Hertha. Aber vielleicht lässt sich das Studium doch mit dem Fußball kombinieren, so dass die Hertha nicht leidet. Aber gibt’s auch einen Studienplatz in Berlin? Die meisten seiner Mitschüler auf dem katholischen Gymnasium werden studieren, wo auch immer. Sie kümmern sich schon um eine geeignete Universität oder ein mögliches Stipendium. Fritz wartet erst mal ab, wie es mit Hertha läuft.

„Ich will jetzt noch mal alles geben - von der Qualität kann ich es auf jeden Fall schaffen. Aber es darf nicht mehr so blöd wie in der Hinrunde laufen. Wenn der Trainer mich auch so sieht, werde ich wieder rankommen. Dann gehe ich auch davon aus, dass mein Vertrag verlängert wird.“ Für Andreas Thom, den ehemaligen Nationalspieler, zählt nur, was er auf dem Fußballplatz sieht. Die besondere Doppelbelastung durch Abiturprüfungen mit erst 16 Jahren sowie der Aussicht, in der kommenden Saison davon befreit zu sein und dann noch mehr Zeit und Energie in den Fußball stecken zu können, sind für Thom in seiner Beurteilung nicht entscheidend.

In seine sportliche und perspektivische Beurteilung werden diese Aspekte nicht einfließen. Belastungen, Prüfungen und Ausbildung gebe es immer neben dem Fußball, sagt er. „Wir sind eine Leistungsmannschaft, und ich beurteile nach Leistungen. Das muss man sich auch ein bisschen erst erarbeiten. Die Spieler müssen lernen, dass sie in einer Leistungsgesellschaft sind - zumindest was den Fußball betrifft.“ Wenn Thom über Bilal spricht, dann macht er das „mit gemischten Gefühlen“ in dieser Saison. In der U 15 sei Bilal überragend gewesen, sagt der Trainer.

Bilal kam nicht in seinen Rhythmus

Da stürmte Bilal in der Nationalmannschaft, er durfte beim DFB sogar die Kapitänsbinde tragen. Er war einer der begehrtesten Spieler seines Jahrgangs. Bilal wurde von der Hertha damals einen Jahrgang nach oben befördert, so gut war er. Dann geriet er an Andreas Thom, und seitdem ist Bilals Weg ins Stocken geraten. In der vergangenen Saison wurde er zwar Meister, aber er spielte kaum. Bilal war öfter verletzt, und auch in dieser Saison machten ihm die Bänder im Fußgelenk zu schaffen, dazu zwangen ihn Erkältungen zu Pausen. Bilal kam nicht in seinen Rhythmus.

Die Saison begann er als Kapitän, er sollte die Mannschaft führen. So hatte sich der Trainer das vorgestellt, aber nach ein paar Monaten nahm er ihm die Binde weg, vor versammelter Mannschaft. Thom möchte nicht sagen, wie es dazu kam, das soll intern bleiben. Bilal sagt, die Sache sei für ihn vergessen. Zur Stammformation zählte er aber auch im zweiten Jahr in der U 17 nicht. Der Trainer schickte ihn während der Hinrunde auch in die U 16, um Spielpraxis zu sammeln, also in den Jahrgang, den er vor einem Jahr schon übersprungen hatte. Das war für Bilal, als ginge es gleich zwei Schritte zurück. Auch beim 6:0 zum Rückrundenstart wurde er erst nach der Pause eingewechselt, da stand es 1:0. Dann bereitete er noch zwei Tore vor.

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