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Zwei Talente, ein Ziel (5) : Auf den Spuren von Khedira

  • Aktualisiert am

Zwischenstation auf dem Weg zum Profi: Bilal (rechts) ist deutscher B-Junioren-Meister Bild: Pein, Andreas

Bilal ist deutscher Meister und trotzdem nicht ganz glücklich. Fritz stand vor dem Aus bei der Hertha. Die FAZ.NET-Langzeitbegleitung zweier Berliner Talente geht in die entscheidende Phase.

          5 Min.

          Es laufen die beiden letzten Minuten im Halbfinal-Rückspiel um die deutsche Meisterschaft. Die Hertha hat das 2:1 aus dem Hinspiel verspielt, der 1. FC Köln führt 2:0. Der Titelverteidiger wähnt sich schon im Endspiel. Aber in der 78. Minute fällt der U 17 von Hertha ein Freistoß zu. Bilal schnappt sich den Ball. Er legt ihn sich rund zwanzig Meter vor dem Tor zurecht. Er weiß, dass es die letzte Chance ist. Bilal läuft an - und trifft den Ball perfekt. Der Ball fliegt über die Kölner Mauer hinweg und landet im Torwinkel: 1:2. Es ist der Treffer, mit dem sich Hertha in die Verlängerung rettet.

          Da fallen keine Tore mehr, im Elfmeterschießen jedoch kann sich die Hertha auf einen überragenden Torwart und bessere Nerven verlassen. Sie schaffen es ins Finale. Und eine Woche später sind die Berliner nach einem 2:0 im Endspiel gegen den VfB Stuttgart tatsächlich deutscher Meister der B-Junioren. Bilal reckt den Meisterteller in den regengrauen Berliner Sommerhimmel. Es ist sein erster Meistertitel, er gehörte sogar zu den wenigen Spielern aus dem jüngeren Jahrgang. Es ist ein Erfolg, wie ihn selbst viele erfolgreiche Profis nicht erlebt haben. Aber Bilal sagt über sein Jahr, in dem er mit 15 Jahren deutscher B-Jugendmeister wurde: „Es war nicht super, es war okay.“

          Nicht alles läuft rund: Fritz ist froh, noch bei der Hertha dabeisein  zu dürfen
          Nicht alles läuft rund: Fritz ist froh, noch bei der Hertha dabeisein zu dürfen : Bild: Julia Zimmermann

          Kurze Rückblende: Bilal wurde von der Hertha im Sommer 2011 als ein so vielversprechendes Talent angesehen, dass der Verein ihn einen Jahrgang überspringen ließ. Bis dahin war Bilal immer der Star in seinen Teams gewesen, aber nun, bei den Älteren in der U 17 von Trainer Andreas Thom, dem ehemaligen Nationalspieler, saß er zu Saisonbeginn nur auf der Bank. Bilal war überzeugt, dass er es nach einiger Zeit schon schaffen würde, auch bei den Älteren zu zeigen, was er kann. Er rechnete fest mit einem Stammplatz. Das erschien ihm auch logisch, denn wenn ein Bundesligaverein die Karriere seiner größten und von der Konkurrenz umworbenen Talente sorgfältig plant und begleitet - wo sollte dann der Sinn darin liegen, einen Spieler erst zu befördern, um ihn dann doch nur auf die Ersatzbank zu setzen?

          Aber aus dem Stammplatz wurde nichts für Bilal. Wenn er nahe dran schien, kamen immer wieder kleinere Blessuren dazwischen, die ihn aus dem Rhythmus brachten. Dann landete er wieder auf der Bank. Auch im Halbfinale gegen Köln wurde er nur eingewechselt, im Finale gegen Stuttgart auch.

          Nachdenklich: Bilal wurde zurückversetzt
          Nachdenklich: Bilal wurde zurückversetzt : Bild: Julia Zimmermann

          Eine Jugend-Meisterschaft kann ein Meilenstein auf dem Weg in den Profifußball sein. Beispiele dafür gibt es genug, auch in Berlin. „Das Finale Hertha gegen Stuttgart gab es 2003 schon mal. Vielleicht ist es besser, diese Zeit zu bemühen“, sagte Michael Preetz, der Geschäftsführer Sport von Hertha BSC nach dem Erfolg der U 17, als er zu den Perspektiven der Talente befragt wurde: „Da standen Sami Khedira, Sedar Tasci und Andreas Beck bei Stuttgart auf dem Platz, die wurden alle Nationalspieler. Bei Hertha waren Kevin-Prince Boateng, Ashkan Dejagah und Patrick Ebert dabei. Man sieht schon, dass es für den ein oder anderen den Weg nach oben geben wird.“

          Ein verlorenes Jahr?

          So gewann Bilal an diesem regnerischen Tag im Juni zwar die deutsche Meisterschaft, und er gehörte zu den Spielern, die mit Khedira und Kevin-Prince Boateng vom Hertha-Manager in einem Atemzug genannt wurden - aber seinen Stammplatz hatte er verloren. Und auch zur U-16-Nationalmannschaft von Trainer Steffen Freund wurde er in der vergangenen Saison nicht mehr eingeladen, nachdem er in Berlin auf der Bank saß.

          In der U 15 des DFB hatte er sogar mal die Kapitänsbinde getragen. Als dann bei Hertha die Frage auftauchte, ob Bilal mit den anderen jungen Meistern gleich mit in die U 19 aufrücken soll, entschied der Klub, dass er die U 17 wiederholen soll. Die Hertha meinte, dass er doch noch nicht so weit war.

          Ein verlorenes Jahr also für Bilal, trotz des Titels? „Dass wir Meister geworden sind, war natürlich super. Das war mein schönstes Erlebnis - und ich habe viel Erfahrung aus diesem Jahr mitgenommen. Ich konnte reinschnuppern in die Bundesliga, ich kann also nicht meckern. Aber es war eben nicht alles so, wie ich es mir gewünscht hatte“, sagt Bilal.

          Moment des Glücks: Bilal mit der Meisterschale
          Moment des Glücks: Bilal mit der Meisterschale : Bild: Pein, Andreas

          Sein Trainer Andreas Thom, der von 1990 an zehn Länderspiele für die deutsche Nationalelf bestritt und zuvor mehr als fünfzig Auswahlspiele für die DDR, hält das alles für eine ganz normale Entwicklung von Jugendlichen auf dem schwierigen Weg in Richtung Profifußball: „Man darf nicht vergessen, dass die Jungs in der Pubertät und im Wachstum sind. Bei dem einen geht’s ein bisschen schneller, bei dem anderen etwas langsamer. Bei Bilal kamen leider auch die Verletzungen hinzu, das geht dann nicht von heute auf morgen.“

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