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Zwei Talente, ein Ziel (8) : Vor den Toren einer neuen Welt

Mit Buch: Fritz Engel vor der Berliner Humboldt-Universität Bild: Julia Zimmermann

Fast fünf Jahre haben Fritz und Bilal zusammen bei Hertha BSC Berlin gespielt. Jetzt trennen sich ihre Wege. Fritz studiert, Bilal setzt ganz auf Profifußball.

          5 Min.

          Es dauert nicht lange, bis Fritz fragt, wie es Bilal geht. Fast fünf Jahre haben beide zusammen bei Hertha BSC Berlin gespielt, gemeinsam träumten sie davon, Fußballprofi zu werden. Da waren sie noch Kinder. Im Sommer musste Fritz die Hertha verlassen, in der U19 war kein Platz mehr für ihn. Zur neuen Saison ging er in die Regionalliga zum Berliner SC, und mit dem Abschied haben sich auch die beiden Jungs aus den Augen verloren. Es war klar, dass sich die Wege mit dem Wechsel trennen würden, aber wie stark die Lebensläufe und Träume von Fritz und Bilal nun auseinanderstreben, raubt einem fast den Atem.

          Philosophie statt Profifußball

          Michael Horeni
          (hor.), Sport

          Fritz studiert Philosophie und Volkswirtschaft an der Humboldt-Universität, in diesem Monat beginnt sein zweites Semester. Er ist siebzehn. Der Profifußball ist weit weg. „Das ist eine ganz andere Art von Fußball, den ich jetzt spiele“, sagt er. „Schon ein bisschen leistungsorientiert, aber wenn man es sich ganz ehrlich eingesteht, ist es schon nicht mehr richtig Leistungssport.“

          Wenn alles so läuft, wie Fritz sich das vorstellt, wird er nach dem Sommer an eine Universität in die Vereinigten Staaten gehen, mit einem Stipendium in der Tasche, weil er immer noch so gut Fußball spielt. „Ich will dort mein Studium abschließen - und dann schauen, was sich im Fußball ergibt. Priorität hat sozusagen beides: das Studium und der Fußball. Das ist einer der Vorteile, dass man an einer amerikanischen Universität beides kombinieren kann - ohne bei einer Sache große Abstriche machen zu müssen“, sagt Fritz.

          Die Angebote trudeln allmählich ein, in zwei Monaten dürfte die Entscheidung anstehen. Er ist optimistisch. Schon im vergangenen Sommer wollten ihn amerikanische Unis haben. Aber da war Fritz erst sechzehn und wusste nicht, ob er diesen Schritt wagen sollte. Jetzt weiß er es. „Für ein überragendes Angebot hätte ich es auch mit 16 Jahren auf jeden Fall riskiert - bei einem guten Angebot war ich mir aber nicht sicher gewesen. Weil ich jetzt schon studiert habe, fühle ich mich sicherer. Jetzt gehe ich auch bei einem guten Angebot.“

          Mit Ball: Bilal Kamarieh vor dem Training vor dem Berliner Olympiastadion
          Mit Ball: Bilal Kamarieh vor dem Training vor dem Berliner Olympiastadion : Bild: Julia Zimmermann

          Bilal hat im Herbst die Schule abgebrochen, mitten im Schuljahr der zehnten Klasse. Er hat jetzt den Hauptschulabschluss. Den Druck mit dem mittleren Schulabschluss und den Belastungen des Fußballs wollte er sich nicht mehr antun. Bilal glaubt, dass es am besten ist, wenn er seine ganze Kraft jetzt für sein großes Ziel bündelt: den Profifußball. „Ich will am Ende nicht das Gefühl haben, nicht alles dafür gegeben zu haben“, sagt er. Und mit diesem Argument hat er schließlich auch seine Eltern überzeugt. „Jetzt ist mein wichtigstes Jahr. Den mittleren Schulabschluss kann ich später noch nachholen. Jetzt aber gibt es diesen Stress mit der Schule für mich nicht mehr. Das ist schon eine Entlastung. Ich fühle mich freier im Kopf“, sagt er.

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