https://www.faz.net/-gtl-430t

Biathlon-WM : Groß und Glagow holen Gold

  • Aktualisiert am

Gold in Sibirien: Ricco Groß Bild: dpa

Deutschlands Biathleten feierten am Sonntag bei der WM in Sibirien einen Doppelsieg: Martina Glagow und Ricco Groß siegten in den Verfolgungsrennen. Groß hatte bereits im Sprint Silber gewonnen.

          2 Min.

          Innerhalb von 77 Minuten haben Ricco Groß und Martina Glagow am Irtysch-Fluss im fernen Sibirien für einen deutschen Goldrausch gesorgt. Die beiden Bayern gewannen bei der Biathlon-WM in Chanty Mansijsk die Jagdrennen, kassierten jeweils 25.000 Euro aus dem Prämien-Pool des Deutschen Skiverbandes (DSV) und sorgten für ein Novum.

          Der Ruhpoldinger Groß, zum WM-Auftakt bereits Sprint-Zweiter, schaffte als erster Biathlet in der Geschichte den zweiten WM-Titel im Jagdrennen (nach 1999). Die Mittenwalderin Glagow wurde nach einem dramatischen Zielspurt und halbstündiger Zielfoto-Auswertung gemeinsam mit der Französin Sandrine Bailly auf den Goldplatz gesetzt: ein bislang einmaliger Entscheid. Zuvor hatten Olympiasieger Ole Einar Björndalen (Norwegen) und Sylvie Becaert (Frankreich) die WM-Auftaktsprints gewonnen.

          „Wenn es nur um Zentimeter geht, sollte es zwei Sieger geben“

          „Alles andere wäre unfair gewesen. Jetzt ist es perfekt“, sagte Glagow und fiel der in Tränen aufgelösten französischen Kontrahentin auf der Sieger-Pressekonferenz unmittelbar nach dem Erhalt der Nachricht vom geteilten ersten Platz um den Hals. Zunächst war die Deutsche allein zur Siegerin erklärt und den 10. 000 Zuschauern auch als solche präsentiert worden. „Wir haben so gekämpft. Das war so eng. Wenn es nur um einen oder zwei Zentimeter geht, sollte es zwei erste Plätze geben“, meinte Glagow.

          Hätte die Jury eher der Forderung der von Sprintplatz zehn an die Spitze gestürmten 23-jährigen Glagow nachgegeben, wäre dieser wahrscheinlich der einzig schmerzhafte Augenblick des sibirischen Sonnentages erspart geblieben. Von vier Renntieren gezogen war Glagow auf dem Siegerschlitten durch das Biathlon-Areal gezogen worden und purzelte bei einer zu wilden Kurvenfahrt in den Schnee. „Das gibt ein paar blaue Flecken, aber zum Glück ist meine Waffe nicht kaputt. Die brauche ich noch“, sagte die Deutsche.

          „Ich bin sehr klug gelaufen“

          Der eine Stunde zuvor zum sechsten Mal (Einzeltitel 1997, 1999, 2003, Staffel 1991, 1995, 1997) als Weltmeister gefeierte dreimalige Staffel-Olympiasieger Groß kam um das „Schlitten-Vergnügen“, weil unmittelbar nach den Herren die Damen ihre Jagd begannen und da für Rentiere im Starterfeld natürlich kein Platz war. „Ich hatte meine Schlittenfahrt auf der Strecke“, sagte Groß und dachte schmunzelnd an eines der größten Rennen seiner Karriere zurück.

          Als Zweiter ging der 32-Jährige auf die Schlussrunde - 1,7 Sekunden hinter dem wie entfesselt Richtung Sieg stürmenden Nagano-Olympiasieger Halvard Hanevold (Norwegen). „Für einen Angriff war es mir einfach zwei Kilometer zu zeitig“, schilderte Groß die entscheidende Situation vor dem Gewinn seiner zwölften WM-Medaille. „Ich habe Hanevold laufen lassen und mich ein wenig ausgeruht. Am vorletzten Anstieg habe ich den ersten Messerstich gesetzt und gleich drei, vier Sekunden aufgeholt. Das hat ihm offensichtlich einen Knacks gegeben. Am letzten Anstieg haben mir zwar auch die Haxen gebrannt. Dem Hanevold sind sie aber eingeschlafen. Ich denke, ich bin in dieser entscheidenden Phase sehr klug gelaufen.“

          Glagow kann Gesamtweltcup gewinnen

          Bundestrainer Frank Ullrich fand das Meisterstück von Groß „phänomenal“ und bezog auch den von Sprintplatz 30 auf Rang fünf gejagten Oldie Frank Luck (Oberhof) in das Lob mit ein. „Eine muss durchkommen ist unsere Parole. Heute hat Martina diese Aufgabe perfekt erfüllt“, meinte Damen-Coach Uwe Müssiggang: „Ich hätte daran vor der Schlussrunde nicht geglaubt, denn eigentlich war Sandrine Bailly immer die schnellere Läuferin.“

          Am denkwürdigen Sonntag in Sibirien waren beide absolut gleichschnell, und Glagow konnte die Führung im Gesamtweltcup ausbauen. Ein neuer historischer Triumph lockt, da nur noch zwei Rennen ausstehen: Nie zuvor hat eine deutsche Athletin diese wichtigste Trophäe im Biathlon gewonnen.

          Weitere Themen

          Frankfurt rutscht in den Tabellenkeller

          0:2 in Bochum : Frankfurt rutscht in den Tabellenkeller

          Der Eintracht hilft der Schwung aus der Europa League nicht. In Bochum kassieren die Frankfurter früh ein Tor, verschießen einen Elfmeter und bekommen noch das 0:2. Der VfL zieht in der Tabelle vorbei.

          Topmeldungen

          Joshua Kimmich wollte sich bislang noch nicht impfen lassen.

          Corona-Impfung im Profifußball : Kimmich und der Preis der Freiheit

          Joshua Kimmich wollte sich bisher nicht gegen Corona impfen lassen. Für Kritik daran gibt es gute Gründe. Und der Imageschaden für Kimmich wird deutlich größer sein als jeder mögliche Impfschaden, der ihm droht.

          Verleihung des Friedenspreises : Sturm auf das Rednerpult

          Tsitsi Dangarembga wird mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels geehrt. Aber die Verleihung verläuft anders als geplant – nicht nur wegen einer offenen Kampfansage des Frankfurter Oberbürgermeisters an die Buchmesse.
          Youtube und die Schatten.

          Shadow Banning : Youtube schaltet mich aus

          Ich dachte, ich könnte bei Youtube einen Kommentar zu Sarah Lee Heinrich abgeben. Doch das war ein Irrtum. Die Plattform hat meinen Kommentar gebannt. Wieso? Das weiß nur der Algorithmus. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.