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Biathlon : Nur Frank Luck trotzt dem Druck

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„Kritik war unter der Gürtellinie”: Frank Luck Bild: dpa

Martina Glagow und Frank Luck haben mit den Plätzen zwei und drei einen versöhnlichen Schlusspunkt hinter das Weltcup-Heimspiel der deutschen Biathleten in Ruhpolding gesetzt.

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          Ausgerechnet WM-Wackelkandidat Frank Luck hat für den ersten Podestplatz der stark in die Kritik geratenen Biathlon-Herren in dieser Weltcup-Saison gesorgt. Der 35 Jahre alte Oberhofer gab am Sonntag in Ruhpolding mit dem unerwarteten dritten Rang über 12,5 Kilometer nach dem zweiten Platz der Staffel am Donnerstag seine Antwort auf die angebliche Überalterung des Teams.

          „Für mich war das eine große Genugtuung“, sagte Luck, der nach einem Krisengespräch in der Woche bereits am Samstag als Neunter im 10-km-Sprint der mit Abstand beste deutsche Skijäger war.

          Björndalen fährt allen davon

          Acht Wochen vor den Weltmeisterschaften zeigte sich auch Martina Glagow (Mittenwald) in prächtiger Form. Sie empfahl sich mit zwei zweiten Plätzen im 7,5-km-Sprint und in der Verfolgung über 10 km. Gefeierte Sieger der Wochenend-Rennen vor insgesamt 65.000 Fans waren die bulgarische Weltcup-Spitzenreiterin Jekaterina Dafowska sowie der Norweger Ole Einar Björndalen, dem als Sieger im Sprint und der 12,5 km langen Verfolgung wie vor Wochenfrist in Oberhof ein Doppelschlag gelang. Beim vierten Saisonsieg hintereinander belegten im Sprint sein Landsmann Frode Andresen sowie der französische Weltcup-Spitzenreiter Raphael Poiree die weiteren Plätze.

          Die bulgarische Olympiasiegerin von 1998 stürmte in der 10 km langen Verfolgung vom sechsten Platz nach dem Sprint am Freitag zu ihrem dritten Saisonsieg und baute damit wie Björndalen die Führung in der Trophy-Wertung mit den Orten Oberhof, Ruhpolding und Antholz in der kommenden Woche aus.

          Martina Glagow feiert bisher bestes Weltcupwochenende

          Martina Glagow führte noch bis zum letzten Schießen, traf dann aber stehend die erste Scheibe nicht. „Ich war so fertig. Selbst wenn ich alles getroffen hätte, hätte ich Jekaterina vermutlich nicht halten können“, erklärte die Mittenwalderin nach dem besten Weltcup-Wochenende ihrer Laufbahn.

          Hinter der Russin Swetlana Ischmuratowa kämpfte sich Andrea Henkel, die als einzige der Top-Athletinnen alle 20 Scheiben traf, vom 24. Startplatz auf Position vier nach vorn. Auch Kati Wilhelm (Zella-Mehlis/7.) und Uschi Disl (Moosham/12.) behaupteten sich im Spitzenfeld.

          Kaum Auswahl für WM-Nominierung

          Die WM-Norm hatten vor Luck bereits Michael Greis (Nesselwang), der im Staffelrennen überragende, aber wegen einer Erkältung am Wochenende pausierende Sven Fischer (Oberhof) und Pechvogel Ricco Groß (Ruhpolding) geschafft.

          Bei seinem Heimrennen brach Groß die Bindung aus dem Ski - das Malheur kostete ihn mehr als 40 Sekunden. Groß fiel auf den 25. Platz im Sprint zurück und kämpfte sich in der Verfolgung auf Rang 13 nach vorn. „In den vergangenen Jahren hatten wir zum gleichen Zeitpunkt unter sieben bis acht Männern mit erfüllter WM-Norm die Qual der Wahl. In diesem Jahr müssen wir froh sein, dass jetzt der vierte die gleich gebliebene Norm erfüllt hat. Das kann trotz der großen Leistung von Frank Luck und Ricco Groß nicht befriedigen“, sagte Thomas Pfüller, Generalsekretär und Sportdirektor des Deutschen Skiverbandes.

          „Unruhe in der Mannschaft“

          Pfüller hatte bereits am Donnerstag für Unruhe im Männer-Team gesorgt. Er forderte den Einbau jüngerer Athleten in die Mannschaft und stellte Routiniers wie den Staffel-Olympiasiegern Peter Sendel (30) und Luck ein Ultimatum: Entweder Leistungen - oder das WM-Aus.

          Luck antwortete nach einem klärendem Gespräch mit Pfüller und Wut im Bauch über die seiner Meinung nach „teils unter die Gürtellinie gehende Kritik“ mit der WM-Norm. „Die Diskussionen haben Unruhe in die Mannschaft gebracht, die nicht jeder gleich gut verkraftet. Dem Lucki hätte ich heute eine solche Leistung nicht zugetraut. Die ganze Mannschaft hat Charakter beweisen“, stellte Bundestrainer Frank Ullrich zufrieden fest. Auch für ihn sei das nach den zahlreichen Erfolgen der letzten Jahre eine neue Situation. „So stark habe ich den Druck noch nie gespürt“, bekannte Ullrich.

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