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Biathlon : Frank Luck rettet Staffel-Silber

  • -Aktualisiert am

Am Schießstand Gold liegen gelassen: die deutschen Biathleten Bild: AP

Nichts wurde es mit dem vierten olympische Staffelgold in Folge, doch dank Schlussläufer Frank Luck gewann Deutschland Silber hinter Norwegen.

          2 Min.

          Der Einlauf ins Ziel war unspektakulär, aber dennoch von historischer Bedeutung. Ole Einar Björndalen brachte den Sieg der norwegischen Biathlon-Staffel souverän ins Ziel. Er winkte weder mit Fahnen, noch fuhr er rückwärts ins Ziel oder versuchte andere Mätzchen.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Björndalen reckte um 12 Uhr 23 nur zwei mal kurz die Arme in die Luft, als er die Ziellinie überquerte. Gold. Wie immer eben, so wirkte es. Es war Björndalens vierte Goldmedaille bei diesen Olympischen Spielen, nachdem er in Soldier Hollow schon alle drei Einzelwettbewerbe über 20 km, 10 km und in der Verfolgung über 12,5 km gewonnen hatte: „Das ist wirklich etwas besonderes“, sagte er immerhin.

          Groß verpasst historisches Gold

          Der andere Biathlet, der an diesem Tag Historisches hätte leisten können, hatte seine Arbeit schon eine Stunde vorher verrichtet, und war nicht ganz zufrieden. Der dreifache Staffel-Olympiasieger Ricco Groß, der seinen vierten Titel in Folge hätte holen können, musste beim zweiten Schießen gleich drei Mal nachladen, ehe er weiter laufen durfte.

          Ole Einar Björndalen: der Goldgräber von Salt Lake City
          Ole Einar Björndalen: der Goldgräber von Salt Lake City : Bild: dpa

          „Das war harte Arbeit. Das einzig Positive war, dass ich die Strafrunde vermeiden konnte“ sagte er zu seinen „extravaganten“ Schießleistungen, die er aber in der Loipe wieder gut machte: „ich bin als Achter raus, und habe als Dritter gewechselt.“

          Mit zwei blauen Augen zu Silber

          Ricco Groß war wie fast immer als Startläufer des deutschen Quartetts ins Rennen gegangen, und betrachtete später im Zielraum aus, wie Frank Luck nach spannendem Staffelverlauf die Silbermedaille gegen den Franzosen Raphael Poiree eroberte. „Wir sind mit zwei blauen Augen davon gekommen. Damit hatte ich nicht mehr gerechnet. Kompliment an die ganze Mannschaft“, sagte Bundestrainer Frank Ullrich erleichtert nach dem schwierigen Wettkampf.

          Zur vierten Medaille im vierten Wettkampf der Männer sagte Teamchef Martin Loechle: „Man hat gesehen, welches Potential in unserer Mannschaft steckt, die in der Lage ist beim Höhepunkt ihre besten Leistungen zu zeigen.“

          Fischer in der Strafrunde

          Nach Ricco Groß fing Peter Sendel als zweiter Läufer stark an, „doch die zweite Runde war beinhart.“ Sendel, der zwei Mal nachladen musste, verlor in der tiefen Loipe gut zwanzig Sekunden auf den Franzosen Defrasne und den Russen Roschkow, die auf den Plätzen zwei und drei unterwegs waren.

          Der Norweger Andresen hatte zu diesem Zeitpunkt schon klar die Führung übernommen. Sven Fischer holte den Rückstand auf Frankreich und Russland bis zum ersten Schießen auf, doch dann traf er mit vier Patronen die letzte Scheibe nicht und musste in die Strafrunde. Gold war weg, und eine Medaille in weiter Ferne. „Der Liegendfehler regt mich maßlos auf, vor allem weil ich keinen Grund dafür weiß“, ärgerte sich Fischer. Für Bundestrainer Frank Ullrich „ war das vogelwildes Schießen. Sven hat total überzogen.“

          Luck überragend

          Doch Fischer holte die enteilten Konkurrenten in der Loipe wieder ein und übergab als Dritter an Schlussläufer Frank Luck. Der zeigte im Duell mit Poiree und dem Russen Rostowtsew eine überragende Leistung mit fehlerfreiem Schießen ohne Nachladen und der schnellsten Laufzeit.

          „Ich habe es auf das Finish ankommen lassen, weil ich ein sehr gutes Material hatte“, sagte er gelassen, nachdem er den dreifachen Weltmeister abgehängt hatte.

          Ole Einar Björndalen wurde zu diesem Zeitpunkt schon gefeiert. Als erster Athlet seit dem Eisschnellläufer Eric Heiden 1980 gewann Björndalen alle Wettbewerbe in einer Sportart. Mit insgesamt fünf Mal Gold und ein Mal Silber rückte der „König der Biathleten“ in der Rangliste der erfolgreichsten Olympia-Teilnehmer aller Zeiten an die sechste Stelle vor.

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