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Biathlon : Erleichterung für Ricco Groß - zweite Medaille für Kati Wilhelm

  • -Aktualisiert am

Medaillengewinner in der Verfolgung: Raphael Poiree, Björndalen und Groß. Bild: dpa

Mit Bronze in der 12,5-km-Verfolgung hat Biathlet Ricco Groß endlich die ersehnte Medaille gewonnen. Kati Wilhelm verpasste das mögliche Gold beim ersten Schießen.

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          Je größer die Möglichkeiten erscheinen, umso schwerer sind sie offenbar zu verwirklichen. Diese Erfahrung musste Ricco Groß bis zum 12,5-km-Verfolgungsrennen der Biathleten bei den Olympischen Spielen machen. Der 31-Jährige war mit der Option in die Wasatch Mountains gereist, sich einen Platz in der „Biathlon-Ewigkeit“ zu sichern.

          Mit einer Goldmedaille in Soldier Hollow hätte der dreimalige Staffel-Olympiasieger (1992, 1994, 1998) und zweimalige Silbermedaillen-Gewinner im 10-km-Sprint (1992, 1994) den Russen Alexander Tichonow (4/1/-) als erfolgreichsten Biathleten Olympias ablösen können. Inzwischen hat zwar der Norweger Ole Einar Björndalen mit seinem Gold-Hattrick diesen Part übernommen, aber für Groß waren mögliche Eintragungen in die Geschichtsbücher der Skijäger ohnehin nachrangig.„Das war zwar Motivation für mich, aber ständig denke ich daran nicht ständig,“ sagt der in Ruhpolding lebende Bundeswehr-Soldat.

          "Nicht das Wichtigste im Leben"

          Für die Statistik-Fetichisten wird aber eine neue Runde eingeläutet. Denn auch wenn Staffelmedaillen in ihrer Wertigkeit hinter Einzelsiegen zurückstehen, Groß könnte immerhin zum erfolgreichsten deutsche Winterolympioniken avancieren. Das deutsche Skijäger-Quartett geht am Mittwoch neben Norwegen als Goldfavorit auf die Loipe. „Ich glaube nicht, dass das das wichtigste ist im Leben“, sagte Ricco Groß über die Chance des vierten Olympiasieges, „wir müssen einfach einen raushauen und unsere Haut so teuer wie möglich verkaufen.“

          Endlich Edelmetall in Salt LAke City: Ricco Groß
          Endlich Edelmetall in Salt LAke City: Ricco Groß : Bild: dpa

          Verbales Understatement und der Versuch, Lockerheit auszustrahlen, was ihm bei seinen beiden ersten Rennen über 20 und 10 km nicht ganz gelang. „Im Biathlon ist die Luft sehr dünn. Ich habe mich zwei Mal mit dem vierten Platz gut gehalten. Es war nur eine Frage der Zeit, bis eine Medaille kommt“, sagte Groß nach seiner Bronzemedaille in der Verfolgung hinter Björndalen und dem Franzosen Raphael Poiree. Vor dem Gewinn des ersehnten Edelmetalls hatte er die vierten Plätze nicht ganz so locker eingeordnet.

          Diesmal wäre sogar Silber möglich gewesen. Zwei Fehler im letzten stehend Schießen warfen den bis dahin treffsicheren Groß jedoch zurück. Der Sprint-Zweite Sven Fischer kam nach vier Schießfehlern nur auf den elften Rang.

          Kati Wilhelm justierte Visier falsch

          Auch Sprint-Olympiasiegerin Kati Wilhelm spürte den immensen Erwartungsdruck, als sie als erste in das 10-km-Verfolgungsrennen der Frauen ging. Gleich beim ersten Schießen unterlief der 25-Jährigen ein folgenschwerer Fehler, der sie die mögliche Goldmedaille kostete. „Sie hat ihr Visier zwei Mal in die falsche Richtung gedreht“, analysierte Bundestrainer Uwe Müssiggang den Fauxpas. Drei Schießfehler und damit drei Strafrunden waren die Folge. Kati Wilhelm fiel vom ersten auf den vierten Platz zurück.

          „Es war nicht die Aufregung, ich habe mich einfach verschätzt“, meinte die Sportsoldatin mit den knallrot gefärbten Haaren. „Es kam Wind von der Seite, deswegen musste ich mein Visier verstellen.“ Auf der Strecke informierten sie die Trainer über ihren Fehler und bei den drei weiteren Schießen unterlief ihr nur noch ein Fehlschuss. Nach dem letzten Zwischenstop am Schießstand ging die Olympia-Debütantin sogar als Führende in die Loipe, konnte die Attacke der früheren Langlauf-Weltmeisterin Olga Pilowa aus Russland jedoch nicht abwehren. Am Ende gab es mit Silber, bereits die zweite Medaille für Kati Wilhelm. Uschi Disl, nach dem Sprint zweite hinter ihrer Teamkollegin, lief mit katastrophalen sieben Fehlern auf Platz neun.

          Staffeln unter Druck

          „Es ist ein bisschen wie im Traum. Es ist total faszinierend, dass ich jetzt die zweite Medaille mit nach Hause bringen kann und am Montag in der Staffel ist ja auch noch was drin“, beschrieb die Überraschungsfrau von Salt Lake City ihre Gefühlswelt. Wenn die beiden deutschen Teams am Montag (Frauen) und Mittwoch (Männer) in die Staffelrennen starten, werden die Möglichkeiten unbegrenzt erscheinen.

          Schon jetzt sind die deutschen Biathleten mit zwei Olympiasiegen und insgesamt sieben Medaillen (2/4/1) der erfolgreichste Mannschaftsteil des deutschen Teams. Alles andere als zwei Mal Staffel-Gold wäre eine Enttäuschung. Diesem Druck müssen die Athleten standhalten.

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