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Becker-Prozess : Bewährungsstrafe und Mahnung: Tennisidol muss sich als braver Steuerzahler beweisen

  • Aktualisiert am

Vom Prozess gezeichnet: Boris Becker Bild: AP

Das Urteil ist gefallen: Ex-Tennisstar Boris Becker bleibt ein Gefängnisaufenthalt wegen Steuerhinterziehung erspart.

          „Ich bin ein freier Mann - das ist das Wichtigste“, erklärte Boris Becker nach der Urteilsverkündung. Nach einer Serie privater und geschäftlicher Tiefschläge ist der einstige Tennisstar jetzt zwar auch noch vorbestraft. Und annähernd ein zwei Jahres-Nettoeinkommen muss er an den Fiskus und an soziale Einrichtungen zahlen. Aber wenigstens muss er nicht dreieinhalb Jahre ins Gefängnis, wie vom Staatsanwalt gefordert.

          Im Gerichtssaal in München brandete Beifall auf, als die Vorsitzende Richterin Huberta Knöringer die Bewährungsstrafe wegen Steuerhinterziehung verkündete. Eine Schöffin strahlte den 34-jährigen Angeklagten an. „Bobbele“ aber verzog keine Miene und blickte unbewegt ins Leere. Nach der Urteilsbegründung bekundete er nach kurzem Zureden beider Verteidiger durch heftiges Nicken, dass er das Urteil annehme. Erst dann lächelte er, schüttelte seinen Anwälten die Hand, ließ sich auf die Schulter klopfen - und eilte er aus dem Saal.

          Mahnung an den Verurteilten

          Die Richterin gab dem einstigen Wimbledon-Sieger noch eine Mahnung mit auf den Weg. „Bewährung bedeutet, Sie müssen sich in den nächsten drei Jahren straffrei halten. In steuerlicher Hinsicht möchte ich hier nichts mehr hören!“ Der Medienberater des Tennisidols sagte: „Er will jetzt erst mal seine Ruhe haben.“ Eine Feier gebe es nicht. „Er trainiert ab heute Nachmittag wieder, und am Abend tritt er bei 'Beckmann' auf. Das haben wir kurzfristig organisiert.“ In einer vorbereiteten schriftlichen Erklärung ließ Becker erklären: „Ich bin froh und erleichtert, dass dieses Kapitel nun endlich abgeschlossen ist... Das war mein wichtigster Sieg.“

          Becker hatte 1991 neben seiner Wohnung in Monaco auch eine Wohnung in München genommen. Zum Schein waren seine Eltern die Mieter, denn mit einem Wohnsitz war der Wimbledon-Sieger in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig, wie Richterin Knöringer erklärte. Deshalb habe er die Wohnung in seinen Steuererklärungen „bewusst nicht offen gelegt“ und damit 3,4 Millionen Mark hinterzogen. Aber die Tat sei lange Jahre her, Boris sei damals ein junger Mann gewesen. Inwischen habe er nicht nur den offenen Betrag, sondern auch weitere strittige Forderungen des Finanzamts beglichen - insgesamt sechs Millionen Mark. Im Unterschied zu anderen Prominenten wohne er zudem seit 1994 offiziell in Deutschland, „er zahlt hier seine Steuern, es wurde eine Summe von 45 Millionen Mark genannt“.

          Anwälte: „Ein gerechtes Urteil“

          Vor allem aber habe der Angeklagte „ein Geständnis abgelegt: Das ist sehr hoch anzurechnen!“ betonte die Richterin. Das habe der Kammer eine komplizierte Beweisaufnahme erspart. „Ich weiß nicht, wie das ausgegangen wäre.“ Und ab nächsten Juni hätte die absolute Verjährung gedroht! Deshalb kam Becker mit einer Bewährungsstrafe davon. Zudem kassiert der Fiskus noch eine Geldstrafe von 300.000 Euro. Diese Summe dürften Becker aus 500 Tagen Nettoeinkommen bleiben, nach Abzug von Unterhaltsverpflichtungen und lebensnotwendigen Kosten, schätzte das Gericht. Weitere 200.000 Euro muss er an eine Schule für Körperbehinderte, beschützende Werkstätten, eine Blindenmission und einen Hospizverein überweisen. Und die Staatskasse spart sich die Haftkosten und profitiert davon, dass Becker weiter verdienen und hohe Steuern entrichten kann.

          „Ein gerechtes Urteil“, meinte Professor Klaus Volk, einer von Beckers insgesamt vier Anwälten. Er sei absolut zufrieden. Auch Staatsanwalt Matthias Musiol sah sich nicht als Verlierer, im Gegenteil: Zwei Jahre plus 500 Tage macht drei Jahre und vier Monate, „da kommt man im Prinzip rechnerisch zu dem Ergebnis, das auch die Staatsanwaltschaft gefordert hat“. Ob er Revision einlegt, ließ er offen. Aber die Entscheidung werde noch diese Woche fallen.

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