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Beachvolleyball in Hamburg : Hochburg ohne Heimmannschaft

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Laura Ludwig und Kira Walkenhorst: sie spielen zwar für den HSV, trainieren aber auf der ganzen Welt. Bild: dpa

Zustimmung und Ablehnung für Hamburg: Das Welttour-Finale im Beachvolleyball wird am Rothenbaum ausgetragen. Aber die deutschen Weltklasse-Teams wollen nicht in der Hansestadt trainieren.

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          In die Freude um die Ausrichtung des Welttourfinals im August in Hamburg mischt sich bei den deutschen Beach-Volleyballerinnen auch Ärger. Um Margareta Kozuch, die erfolgreichste Hallen-Nationalspielerin der vergangenen Jahre, die nun mit der Olympia-Neunten Karla Borger ein neues Beachteam bildet, gibt es Aufregung. Der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) hat Borger/Kozuch das Prädikat Nationalteam und damit die optimale Förderung verweigert. Beide lehnen die zentrale Hamburg-Lösung mit den zwei neuen Bundestrainern Imornefe Bowes und Tilo Backhaus ab, und auch ein Kompromiss kam nicht zustande.

          Der Verband hat eine Zentralisierung der Spitzenteams am Olympiastützpunkt Hamburg beschlossen. Drei von vier geplanten Bundestrainern arbeiten dort bereits. „Wir sind bereit, auch ab und zu in Hamburg zu trainieren“, hatte Borger erklärt, die mit der inzwischen nicht mehr aktiven Britta Büthe bei der WM 2013 Zweite war. Doch den Lebensmittelpunkt will sie in Stuttgart behalten. Derzeit trainieren Borger/Kozuch auf Teneriffa. Ein via Skype geführtes Gespräch zwischen ihnen und den Verbands-Vertretern sei allerdings ernüchternd und ohne Kompromiss verlaufen.

          Probleme mit der Zentralisierung

          Der Verband versucht, seine Spitzenteams mit finanziellen Argumenten an die Hansestadt zu binden, die sich nach dem Verlust von erstklassigen Handball-, Eishockey- und Volleyballteams als Beachvolleyball-Hochburg zu positionieren versucht. Es geht um Unterstützungsgelder in fünfstelliger Höhe. Da Laura Ludwig und Kira Walkenhorst für den Hamburger SV spielen, werden die beiden gerne als Erfolgs-Symbole für den Standort Hamburg vorgezeigt. Allerdings trainieren sie gar nicht am Olympiastützpunkt, sondern haben ein eigenes Team aufgebaut, das auf ihre Belange zugeschnitten ist.

          Kämpft um ihren Status als Nationalspielerin: Karla Borger will aber nicht nah Hamburg umziehen.

          Als Nationalteam geht neben Ludwig/Walkenhorst bislang nur das in Hamburg trainierende Duo Victoria Bieneck und Isabel Schneider in die neue Saison, obwohl beide bisher wesentlich weniger Erfolge nachzuweisen haben als die 28 Jahre alte Borger. Doch die 336-malige Hallen-Nationalspielerin Kozuch (30) müsse im Sand als Blockerin zusammen mit Abwehrspezialistin Borger zunächst einmal internationale Klasse nachweisen, argumentierte der Verband.

          Dass beide es überhaupt beweisen können, wird allerdings schwierig. Denn die Bundestrainer entscheiden, wer die deutschen Startplätze auf der Welttour und bei den Jahreshöhepunkten besetzt. Zudem sind sie von wesentlichen Teilen der Förderung ausgeschlossen, nicht nur finanzieller Art. Borger/Kozuch haben zwar einen Kader-Status, um die Grundversorgung beim Olympiastützpunkt Stuttgart nutzen zu können. Doch in Sachen medizinische Betreuung und Scouting bei den Turnieren sowie bei den Reisezuschüssen stehen sie hinten an.

          Ludwig/Walkenhorst dürfen machen, was sie wollen

          Über den Status von Chantal Laboureur und Julia Sude, im Vorjahr hinter Ludwig/Walkenhorst auf der Welttour erfolgreichstes deutsches Duo, wird der DVV-Vorstand am Freitag entscheiden. Auch das Team aus Stuttgart und Friedrichshafen will nicht vollständig an den Hamburg Beach-Stützpunkt wechseln. Doch scheint der Verband bei ihnen eher bereit, eine „Insellösung“ zuzulassen, wie sie auch Ludwig/Walkenhorst haben. Die Olympiasiegerinnen dürfen nach dem Triumph am Zuckerhut weiter mit ihrem eigenen Trainer- und Betreuer-Stab arbeiten.

          Ebenfalls noch nicht geklärt ist eine wichtige Personalie im Vorstand des Verbandes: Julius Brink, der für den Posten des Sportdirektors vorgesehene Olympiasieger von London, sagte ab. Somit bleibt die Stelle vakant - wie schon seit zwei Jahren.

          Für das Welttour-Finale in Hamburg, das neben der WM in Wien der Höhepunkt der Saison sein wird, gelten Ludwig/Walkenhorst als Zugpferd. Sportlich wurde die zweiten Auflage in der Hansestadt aufgewertet. Mit der Umwandlung zum Finale werden 800.000 Dollar Preisgeld ausgeschüttet. Der Termin wird um 14 Tage nach hinten auf 22. bis 27. August verschoben. Auf jeden Fall werden je zwei deutsche Herren- und Damen-Duos dabei sein. Sollten sich nicht genügend Teams über die Weltrangliste qualifizieren, werden Wildcards bereit gehalten.

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