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Beach-Volleyball : Strandhelden in der Halle

  • -Aktualisiert am

Der schönste Tag in zwei Sportlerleben Bild: dpa

Sie gewannen Beachvolleyball-Bronze am olympischen Strand und spielen nun in miefigen Hallen. Kein Problem für Jörg Ahmann und Axel Hager: „Du musst wissen, wo Du herkommst.“

          Wer im September so manche olympische Nacht am heimischen Fernsehschirm durchwacht hat, um Jörg Ahmann (34) und Axel Hager (30) auf ihrem Weg zum ersten Edelmetall für deutsche Beachvolleyballer zu begleiten, der muss an diesem Dezembertag umdenken.

          Es ist eine völlig andere Kulisse, vor der die beiden neuerdings agieren. 15.000 Fans waren es am Bondi Beach von Sydney. Dort feuerten sie das deutsche Duo zur olympischen Bronzemedaille an und feierten mit ihnen den größten Erfolg ihrer Karriere. Gerade mal 200 Zuschauer treffen sich dagegen an den Spieltagen der zweiten Liga Nord in der Sporthalle des TV Eimsbüttel.

          Die Sportart, von der hier die Rede ist, ist Hallen-Volleyball. Mittendrin: Jörg Ahmann, den sie in der Beachszene nur „Vince“ rufen, und Axel „Hägar“ Hager. Der ist zur Zeit nicht einsatzfähig, schlägt sich wieder mit seiner alten Schulterverletzung rum, und will in der Halle kein unnötiges Risiko eingehen: „Da ist mir Beachvolleyball doch wichtiger.“ In der laufenden Hallensaison hat Hager erst ein Spiel für seinen Heimatverein bestritten, ausgerechnet beim 1:3 gegen Potsdam - bis heute die einzige Pflichtspielniederlage des ETV. Hager nimmt´s mit Humor: „Die brauchen mich doch gar nicht. Ohne mich geht´s scheinbar besser.“

          Vereinsvolleyball als Grundlagentraining

          Grundsätzlich jedoch möchte er aber nicht auf die Hallenerfahrung verzichten: „Hier kann man Volleyball-Grundelemente trainieren, ohne teure Trainingslager im Ausland buchen zu müssen.“ Außerdem gefällt dem Norddeutschen die menschliche Seite seines Engagements: „Eimsbüttel ist mein Zuhause. Hier haben wir schon tolle Zeiten erlebt, uns beispielsweise in der vergangenen Saison aus dem Abstiegsstrudel rausgekämpft.“

          Jörg Ahmann, sein kongenialen Beachpartner, der lange Zeit erfolgreich für den TV Düren Hallenvolleyball spielte, lockten andere Motive in den Hamburger Stadtteil: Er hat in Eimsbüttel den Einstieg ins Trainergeschäft geschafft. „Das ist etwas ganz Neues und Aufregendes für mich“, gesteht der Defensivspezialist. „Als Spielertrainer muss ich auf viele Dinge achten, taktisch ist alles schwieriger.“ Von dieser Erfahrung könnte Jörg Ahmann, der insgeheim mit dem Job des Beachvolleyball-Nationaltrainers liebäugelt, irgendwann noch profitieren.

          Einblicke in eine Scheinwelt

          Dazu kommt der Vorteil, auch in den Wintermonaten mit dem Sommer-Partner trainieren und die Planungen für die nächste Beachvolleyball-Saison vorantreiben zu können. Andere angenehme und womöglich auch profitable Erfahrungen haben Ahmann und Hager schon während und nach Olympia sammeln dürfen. „Sydney war gigantisch“, berichtet Axel Hager. „die Stimmung dort hat alles bisher erlebte getoppt.“ Was danach auf die beiden zukam, war ebenfalls vollkommen neu: die Nominierung für Deutschlands „Mannschaft des Jahres“, Einladungen zu Talkshows und Sportgalas. Darauf, so Hager, habe er sich erst mal einstellen müssen: „Du musst aufpassen und im Hinterkopf behalten, wo Du herkommst. Es ist eine Scheinwelt, die sich da vor Dir aufbaust.“

          Eine Scheinwelt, deren Gesetze aber durchaus Chancen für Beachvolleyballer wie Jörg Ahmann und Axel Hager beinhalten. Hager: „Es ist Wahnsinn, wenn Du mit Franz Beckenbauer am Tisch sitzt und klönst. Oder mit Günther Netzer, für dessen schweizer Sportagentur wir vielleicht interessant sind.“ Derartige Kontakte können in einer Welt, in der Sport, Geld und Medien kaum noch zu trennen sind, wahrlich Gold wert sein. Für die Sportler, aber auch für die Sportart. „Ich hoffe, dass Olympia Beachvolleyball einen richtigen Schub gegeben hat“, sagt Hager. „Und es ist doch schön, dass wir dabei eine Vorreiterrolle spielen.“ Jörg Ahmann sieht die Sache skeptischer: „Warten wir erst mal ab, ob uns Olympia wirklich geholfen hat. Alles hängt davon ab, wieviel Fernsehzeit wir in Zukunft bekommen.“

          Wer im Lotto gewinnt, muss den Gewinn abholen

          Wir - damit meint Ahmann abstrakt Volleyball in Deutschland, und zwar in der Halle und auf Sand. Wir - damit spricht er aber auch ganz konkret die Kombination Ahmann / Hager an. Die möchte sich nämlich noch lange nicht in den Ruhestand verabschieden. Für die nächsten zwei Jahre plant Jörg Ahmann, „dann schauen wir mal, ob wir noch gut genug sind.“ Axel Hager denkt sogar etwas weiter: „Vielleicht spielen wir ja noch bei Olympia 2004 in Athen.“ Und Hager hat keine Bedenken, dass das Duo den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören, nach dem Höhepunkt in Sydney etwa, schon verpasst haben könnte: „Jetzt aufzuhören - das wäre wie ein Sechser im Lotto, und dann den Gewinn nicht abholen.“

          Es wäre ja auch schwierig genug, Erlebnisse wie die am Bondi Beach künftig missen zu müssen. Eimsbüttel bleibt eben Eimsbüttel, 200 Zuschauer zaubern keine Atmosphäre in die Halle wie 15.000 an den Strand. Hallenvolleyball ist für Deutschlands Kultfiguren der Beachszene wohl doch nur eine Nebenbeschäftigung.

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