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Champions League : Bayerns Siegesserie ist beendet - ohne Folgen

Nur ein Tor, kein Freispruch: Uli Hoeneß gönnt sich beim Spiel seiner Bayern gegen Arsenal Entspannung von seinem Steuerprozess Bild: REUTERS

Erstmals im Jahr 2014 gewinnt Bayern München ein Spiel nicht. Und dennoch kann der Triple-Sieger des Vorjahrs wie gewohnt jubeln. Ein Unentschieden im Achtelfinal-Rückspiel gegen Arsenal reicht zum Weiterkommen in der Champions League.

          3 Min.

          Uli Hoeneß war da - und konnte, wenigstens am Dienstagabend in der  Münchner Arena, zufrieden feststellen, dass seine Verteidigung  funktionierte. Mit einem 1:1 gegen den FC Arsenal nach der Führung durch  Bastian Schweinsteiger (55. Minute) und dem Ausgleich der Londoner durch Lukas Podolski (57.) zog der FC Bayern vor den Augen des vor Gericht schwer in die  Defensive geratenen Präsidenten ins Viertelfinale der Champions League ein.  Nach dem 2:0-Sieg im Hinspiel in London entfachte der deutsche Meister nicht solch ein spielerisches Feuerwerk wie in der Bundesliga und im DFB-Pokal, wo  die Bayern in den letzten fünf Spielen 24 Tore erzielt hatten. In der Nachspielzeit vergab Thomas Müller den Sieg sogar noch mit einem verschossenen Elfmeter.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Aber das brauchten sie auch nicht gegen die Engländer, denen vor einem Jahr im  Achtelfinalrückspiel noch ein 2:0-Sieg in München gelungen war. Damals kostete das die Bayern nach ihrem 3:1-Hinspielerfolg fast das Weiterkommen - diesmal  agierten sie konzentrierter und kamen nie ernsthaft in Gefahr.

          Auf der Ehrentribüne gab es vor der Partie einen eher höflichen als herzlichen Händedruck von Bundestrainer Joachim Löw für Hoeneß. Der wegen Steuerhinterziehung angeklagte Bayern-Patron hatte schon während des  Prozesstages vor dem Münchner Landgericht über seine Anwälte mitteilen lassen,  dass er am Abend im Stadion sein würde. Dort wollte Pep Guardiola sein Team  auch für den Präsidenten spielen lassen. „Das Beste, Uli zu helfen, ist, das  Spiel zu gewinnen“, hatte der Trainer angekündigt. „Uli Hoeneß ist die  wichtigste Person in diesem Verein“.

          Ungewohnt verhalten

          So ganz unbedingt auf Sieg spielten die Bayern, ohne ihre beiden  Hinspiel-Torschützen Toni Kroos und Thomas Müller angetreten, dann aber doch nicht. Beide Mannschaften, sonst von ihrer Spielanlage auf Ballbeherrschung und Offensive angelegt, agierten bis zur Pause ungewohnt verhalten. Arsenal zeigte  in der Anfangsphase nur einmal einen Hauch von Gefahr, bei einem Konter, den  Dante auf Kosten einer Gelben Karte (und damit Sperre fürs nächste Spiel)  unterband. Die Bayern hatten in der ersten Halbzeit doppelt so viel Ballbesitz  wie die Londoner, spielten fast dreimal so viele Pässe, taten sich aber schwer,  den rechten Druck Richtung Tor zu entwickeln.

          Es dauerte 19 Minuten, bis es zum ersten Mal mit Tempo und Gefahr in den  Londoner Strafraum ging, Alaba und Ribéry kombinierten sich links schnurgerade  bis an die Grundlinie, doch die halbhohe Hereingabe des Franzose konnte Robben  am hinteren Pfosten nicht verwerten - sein Direktschuss flog als Aufsetzer über  das Tor. Nach 37 Minuten hatte der Holländer auch die zweite gute Chance, doch  sein Schuss nach schönem Rückpass von Götze blieb am Bein von Koscielny  hängen.  Die Engländer zogen es vorerst weiter vor, stabil zu stehen, statt auf volle  Offensive zu setzen, standen oft mit zehn Mann hinter dem Ball und lauerten auf  Konter, die sich aber kaum auftaten. Und weil die Bayern auch nicht einsahen,  dass sie, mit dem 2:0-Vorsprung aus dem Hinspiel im Rücken, irgendein Risiko  eingehen sollten, wurde es eine reizlose erste Halbzeit.

          Die Münchner Führung: Bastian Schweinsteiger trifft zum 1:0 Bilderstrecke

          Das Publikum musste  sich an misslungenen Fernschussversuchen von Schweinsteiger oder Alaba  ergötzen, an einem zu hoch angesetzten Kopfball von Mandzukic und einer  Flugnummer von Torwart Neuer, der nach einer Ecke den Kopfball des Franzosen  Giroud sicher aus dem Eck fischte. Arsenal-Star Mesut Özil, seit seinem verschossenen Elfmeter im Hinspiel in  einer von äußerlicher Lethargie begleiteten Schaffenskrise, sollte laut Trainer Arsène Wenger in München die Gelegenheit bekommen „zu zeigen, was er kann“. Es  blieb äußerst überschaubar, so dass Wenger seinen 50-Millionen-Euro-Einkauf zur  Pause gegen Tomas Rosicky auswechselte. Auch Landsmann Lukas Podolski, neben Verteidiger Per Mertesacker und dem später eingewechselten Jung-Stürmer Serge Gnabry einer von vier Deutschen im englischen Team, blieb zunächst sparsam in  seiner Wirkung. Nur einmal traf er vor der Pause den Ball richtig - dafür gab es Gelb, denn das Spiel war unterbrochen. 

          Podolski gleicht aus

          In der zweiten Halbzeit machte es der frühere Bayern-Spieler besser. Nachdem  Robben für seine allzu freiwillige Kapitulation vor der Gravitation vom  norwegischen Schiedsrichter nicht den gewünschten Elfmeter bekam, besorgte Podolskis alter Kumpel Schweinsteiger auf Vorlage von Ribéry aus kurzer  Entfernung die verdiente Münchner Führung. Sie hielt nicht lang. Podolski  drückte Bayern-Kapitän Philipp Lahm mit heftigem Körpereinsatz zu Boden,  wunderte sich bei einem Seitenblick zum Schiedsrichter offenbar selber, dass kein Foul gepfiffen wurde, und jagte den Ball aus spitzem Winkel unter das Dach des Tores.

          Die plötzlich mutig gewordenen Engländer bekamen nach 67 Minuten um ein Haar  die Chance zur Führung durch einen misslungenen Abschlag von Neuer serviert,  doch Martinez rettete. Auf der Gegenseite verpasste Mandzukic erst nach feinem  Direktanspiel von Thiago, dann nach Flanke von Lahm den Siegtreffer - den dann in der Nachspielzeit auch noch Thomas Müller vom Elfmeterpunkt aus leichtfertig vergab. „Wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt, aber in der zweiten zu viele Fehler gemacht“, sagte Kapitän Philipp Lahm.

          Bayern München - FC Arsenal 1:1 (0:0)

          Bayern München: Neuer - Lahm, Javi Martínez, Dante, Alaba - Thiago, Schweinsteiger - Robben, Götze (59. Kroos), Ribéry (85. Müller) - Mandzukic
          FC Arsenal: Fabianski - Sagna, Mertesacker, Koscielny, Vermaelen - Arteta (77. Gnabry) - Özil (46. Rosicky), Oxlade-Chamberlain (84. Flamini), Santi Cazorla, Podolski - Giroud
          Schiedsrichter: Moen (Norwegen)
          Zuschauer: 68 000 (ausverkauft)
          Tore: 1:0 Schweinsteiger (55.), 1:1 Podolski (57.)
          Besonderes Vorkommnis: Müller (Bayern München) scheitert mit Foulelfmeter an Fabianski (90.+2)
          Gelbe Karten: Dante, Javi Martínez / Arteta, Podolski, Vermaelen

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