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Bastian Schweinsteiger : Sein größter Sieg

Traum erfüllt: Bastian Schweinsteiger hat es geschafft - endlich Bild: REUTERS

Im Finale gegen Dortmund stopft Bastian Schweinsteiger Löcher, treibt sein Team an und geht an seine Grenzen. Der wichtigste Spieler des FC Bayern hat hart für seinen Titeltraum gearbeitet - und lässt nun das Trauma des vorigen Jahres vergessen.

          3 Min.

          So hart wie die ganze lange Saison nicht musste Bastian Schweinsteiger an diesem spektakulären Abend von Wembley für seinen großen Titeltraum arbeiten. Nach einer Stunde sah es eigentlich schon so aus, als könnte sich die Hoffnung erfüllen. Doch dann schlugen die Dortmunder erst noch mal mit dem Ausgleichstor zum 1:1 zurück. Es ging hin und her, Schweinsteiger legte seine ganze Kraft hinein - mit einem glücklichen Ausgang. Nach Arjen Robbens Siegtor lag er sich mit seinen Kollegen in den Armen, die Bayern-Fans im Stadion feierten. Das war der lange ersehnte große Sieg. Gerade für Schweinsteiger ist er wie eine Befreiung. „Ich gönne es vor allem Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger, damit das Gerede mal aufhört“, sagte Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Viel schwerer als vielleicht gedacht kam auch Schweinsteiger in das Spiel der Spiele hinein. Der Druck der Dortmunder presste die Reihen der Bayern erst einmal hinten vors eigene Tor. Schwerstarbeit für das Arbeitstier vom Dienst im defensiven Mittelfeld - Schweinsteiger. Deshalb gab es auch keine Chancen für ultimative letzte Pässe auf die offensiven Kollegen. Schweinsteiger musste dafür oft in Zweikämpfe, stopfte in der Abwehr die Löcher, die aus dem flotten Kombinationsspiel der BVB-Angreifer entstanden. Es kostete viel Kraft, sich der heranstürmenden Dortmunder Linie mit Reus, Blaszczykowski und Lewandowski zu erwehren. Zwischenzeitliche Einsätze in der Dortmunder Hälfte waren für Schweinsteiger nicht gerade von Erfolg gekrönt. In der 34. Minute wirkte es fast hilflos, wie er einen Freistoß weit über das Tor schoss, statt einen Mitspieler passgenau zu bedienen. Es war eben nicht so, wie es sich Schweinsteiger erhofft hatte: „Wenn wir zeigen, was wir können, ist es sehr schwer uns zu schlagen.“

          Die „Chefchen-Diskussion“ perlt cool an ihm ab

          Es ging um so viel an diesem Abend. Auch ein Spiel für die Psyche. Dieses eine Bild ist den Bayern-Fans noch vor Augen: Vor fast genau einem Jahr in München, als er im Elfmeterschießen gegen den FC Chelsea den finalen Ball nur an den Innenpfosten knallte. Weinend lag der Fehlschütze damals auf dem Rasen der Arena, und nichts symbolisierte in diesem Moment mehr den zerplatzten Traum der Bayern. Als die deutsche Nationalmannschaft dann einige Wochen später bei der EM im Halbfinale an den Italienern scheiterte und der von einer monatelangen Verletzungsserie geplagte Schweinsteiger als maßgebender Impulsgeber im Mittelfeld abermals nicht das Ziel eines wichtigen Pokalgewinns erreichte, fragte sich die Nation, ob da vielleicht doch keine so goldene Generation gegen den Ball tritt.

          Für den Münchner war dies nach dem Champions-League-Desaster der zweite Tiefschlag im Jahr 2012. Es folgte die „Chefchen-Diskussion“ um seine Führungsqualitäten im Nationalteam. Schweinsteiger ließ die Debatte cool an sich abperlen. Dann kam diese Rekordsaison der Bayern, in denen er seine Stärken voll ausspielen konnte. Sein Trainer Jupp Heynckes stellte ihn auf die Stufe mit den spanischen Weltstars Xavi, Iniesta und Busquets. „Für ist er der beste Mittelfeldspieler der Welt“, sagte der Bayern-Coach und lobte ihn als „Hirn“ der Mannschaft.

          Ballsicherheit und große Antizipationsfähigkeit

          Kurzzeitig wie eine Befreiung wirkte das Tor von Mandzukic in der 60. Minute zum 1:0 der Bayern, wenn nicht die Dortmunder acht Minuten später schon per Strafstoß durch Gündogan zurückgeschlagen hätten. Schweinsteiger feuerte seine Kollegen an. Trotzdem lief jetzt die Bayern-Maschine besser. Schweinsteigers große Stärke ist seine Antizipationsfähigkeit. Er versucht, kraftraubende Laufduelle zu vermeiden, in dem er Situationen früh voraussieht. Er ahnt, was um ihn herum passiert. Er ist ballsicher. Gegen die Dortmunder musste Schweinsteiger an die Grenzen gehen.

          Er profitierte am gestrigen Abend wie schon in der gesamten Saison von seinem Nebenmann im defensiven Mittelfeld, Javi Martinez. Dieser machte ein starkes Spiel, kämpfte um jeden Meter Boden und nahm so auch Druck von Schweinsteigers Schultern. In der 87. Minute hielt der Dortmunder Torwart Weidenfeller gerade eben einen satten Fernschuss von Schweinsteiger. Als dann Arjen Robben zwei Minuten später zum 2:1 traf, war auch Schweinsteiger so gut wie erlöst. Es dauerte nur noch wenige Minuten bis zum Triumph.

          Jedes Spiel, an dem er in diesem Jahr teilnahm, konnte er gewinnen, jetzt insgesamt 21: elf in der Bundesliga, zwei im DFB-Pokal, eine Partie mit der Nationalmannschaft in der WM-Qualifikationsspiel - und nun das fünfte Mal auch in der Champions League. Es ist für ihn der wichtigste Sieg seiner Karriere.

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