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Basketball-WM : Warum Argentinien und Frankreich im Halbfinale stehen

  • -Aktualisiert am

39 und kein bisschen weich: Argentiniens Luis Scola mit Ellbogeneinsatz Bild: AFP

Nicht die üblichen Verdächtigen kämpfen um den Einzug ins Endspiel der Basketball-WM, sondern zwei Überraschungsteams mit überragenden Einzelspielern und Teamspirit gleichermaßen.

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          Am vergangenen Sonntag strichen sich Basketballfans den Halbfinaltag der Weltmeisterschaft rot im Kalender an. An diesem Freitag um 13.30 Uhr europäischer Zeit sollte es in China zum Showdown der Turnierfavoriten Serbien und Vereinigte Staaten kommen. Sie spielten stattdessen am Donnerstag – in der Plazierungsrunde um Platz fünf bis acht. Serbien gewann 94:89. Im großen Spiel um den Finaleinzug treffen Frankreich und Argentinien aufeinander. Sie hatten die großen zwei entzaubert.

          Die Südamerikaner stehen nach dem 97:87-Sieg über die in der Vorrunde famos aufspielenden Serben in ihrem ersten Halbfinale seit 2006. Der „Goldenen Generation“ um Manu Ginobili, die 2004 in Athen die Olympische Goldmedaille gewann, folgt ein vielversprechendes Ensemble. Vielleicht auch, weil ein Spieler in beiden Teams eine tragende Rolle spielt(e) und Teamspirit sowie Leidenschaft an seine Teamkollegen weitergegeben hat. Luis Scola spielt seit 20 Jahren in der Nationalmannschaft. Der 39 Jahre alte Profi bereitete sich 14 Wochen mit einem Individualtrainer vor und ist mehr als der Brandungsfels der Argentinier. Beim Coup gegen die Serben gelang ihm sein 15. WM-Spiel mit 20 oder mehr Punkten. Mittlerweile ist der 2,04 Meter lange Scola der zweitbeste Punktesammler bei Weltmeisterschaften hinter dem legendären Brasilianer Oscar Schmidt.

          Scolas kongenialer Partner misst nur 1,79 Meter. Facundo Campazzo (Real Madrid) besticht auf der Spielmacherposition mit Charisma, spektakulären Pässen und Nervenstärke in den entscheidenden Momenten. Als herausragender Pick-and-Roll-Spieler profitiert er von Scolas unfassbarem Gespür für den richtigen Augenblick beim Abrollen, während der lange Mann sich darauf verlassen kann, dass der Pass perfekt „getimt“ ist. Mit Nicolas Laprovittola und Luca Vildoza verfügen die Argentinier über zwei weitere in Spanien engagierte Profis, die diese Variante im Angriff exzellent mit Scola umsetzen können. Darüber hinaus sind die Argentinier defensiv gallig, aggressiv am Ball und sehr aktiv in ihren Rotationen, was die Serben am Dienstag zu spüren bekamen.

          Kleiner, aber genialer Spielmacher: Facundo Campazzo

          Der Mannschaft von Coach Sergio Hernandez gelangen bislang die meisten Ballgewinne im Turnier. Dennoch ist die schnelle und attraktive Offensive das Prunkstück des Halbfinalisten, der es in diesem hochklassigen Viertelfinale auch gut verstand, seinen besten Spielern, zu denen noch die Flügelspieler Patricio Garino und Gabriel Deck zählen, Pausen zu gönnen. Dennoch ist Campazzo der unbestrittene Dreh- und Angelpunkt. „Bei Immobilien geht es immer um Lage, Lage, Lage. Im Basketball geht es um Guards, Guards, Guards!“, sagte der serbische Coach Sasa Djordjevic nach der Viertelfinalniederlage angesichts der Galavorstellung des 28 Jahre alten Campazzo.

          Frankreichs Erfolg nicht ganz so überraschend

          Während Argentiniens Einzug ins Halbfinale ohne einen Spieler aus der amerikanischen Profiliga NBA im Kader überraschte, hatten viele Experten die Franzosen auf der Rechnung. Beim 89:79-Sieg über den Titelverteidiger konnte sich die Equipe Tricolore wieder auf ihr Startrio verlassen. Rudy Gobert, der zweimalige Defensiv-Spieler des Jahres in der NBA, ragte gegen die Auswahl der Vereinigten Staaten ( 21 Punkte, 16 Rebounds, drei geblockte Würfe) heraus. Dass es wenig Sinn ergibt, gegen den 2,16-Meter-Center zum Korb zu ziehen, musste die deutsche Mannschaft bereits in ihren ersten WM-Minuten erfahren. Sie verlor mit vier Punkten. Neben Gobert glänzte wie üblich das Scorer-Duo auf den Außenpositionen mit Evan Fournier und Nando De Colo. Beide scheuen unter Druck nicht die Verantwortung. Zusammen kommen sie auf 38 Punkte pro Begegnung.

          Großer, zielstrebiger Center: Frankreichs Rudy Gobert

          Nachdem Thomas Heurtel (FC Barcelona) wegen einer Verletzung absagen musste, schien das Team auf der Spielmacherposition geschwächt. Doch der 21jährige Frank Ntikilina löste seine Aufgabe bislang gut. Während er in seinen ersten beiden NBA-Spielzeiten bei den New York Knicks häufig deplatziert wirkte, spielt er in China mit sehr viel Selbstvertrauen und einer unerwarteten Sicherheit im Wurf. Zusammen mit dem ebenfalls in der Defensive starken Andrew Albicy wird ihm die Aufgabe zufallen, Campazzos Kreise einzuengen. Diese Duelle werden vermutlich eine entscheidende Rolle spielen im Kampf um dem Einzug ins Finale (13.30 Uhr MEZ/Magentasport) gegen den Sieger der Partie Spanien-Australien. Weil die Trainer von Argentinien und Frankreich häufig mit kleineren und beweglicheren Aufstellungen spielen lassen, ist eine Partie mit hohem Tempo zu erwarten.

          Der Autor Stefan Koch ist zweimaliger Trainer des Jahres.

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