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Schröder bei Basketball-WM : „Das ist eine Schande“

  • -Aktualisiert am

In aufsteigender Form bei der WM: Dennis Schröder Bild: Reuters

Vor dem entscheidenden Spiel gegen Kanada zeigt NBA-Star Dennis Schröder eine Trotzreaktion – und kritisiert einen Vorfall in Deutschland mit scharfen Worten. Er droht mit Konsequenzen.

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          Der energische Beifall, mit dem die kleine Schar deutscher Fans Dennis Schröder eine Minute vor Spielende vom Parkett auf die Bank begleitete, hatte etwas Trotziges. Denn bei der Weltmeisterschaft in China werden die Leistungen des besten deutschen Basketballers längst nicht so kritisch gesehen wie in der Heimat, wo das Vorrunden-Aus häufig dem Spielmacher aus Braunschweig angekreidet wurde. Die 14.000 chinesischen Fans im Oriental Sports Center von Schanghai reagierten ohnehin nur auf das, was sie gesehen hatten, sie bedankten sich beim NBA-Star mit viel Applaus für seine große Show.

          Mit einer 18-Punkte-Gala im dritten Viertel hatte der Profi von Oklahoma City Thunder am Samstag das sichtlich um seine Form ringende Team in der WM-Platzierungsrunde zum 89:78-Sieg gegen Senegal getragen. Die Grundlage dafür, dass die Deutschen ihr WM-Minimalziel, ein Qualifikationsturnier für die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio, noch erreichen können. Die Chancen dafür sind am Sonntag gewaltig gestiegen, denn aufgrund der Konstellationen in den anderen Plazierungsspielen kann sich das Team an diesem Montag (14.00 Uhr/Magentasport) gegen die starken Kanadier sogar eine Niederlage mit bis zu 48 Punkten Differenz erlauben.

          Weiteres Debakel drohte

          Der Traum von Olympia ist es, der Schröder und Co. weiter antreibt. Dabei wirkt die Mannschaft seit der Niederlage gegen die Dominikanische Republik und dem frustrierenden Aus im WM-Titelrennen dennoch wie aus der Bahn geworfen. Gegen die schwachen Jordanier fiel das nicht so auf. Kaum übten die physisch starken Senegalesen nun aber wieder richtigen Verteidigungsdruck aus, war es mit der Kombinationssicherheit vorbei. Kampf und Krampf bestimmten das viel zu statische Spiel der Deutschen, die ihre Dreier nicht trafen.

          Zur Halbzeit drohte die Partie ein Abbild des Debakels gegen die Dominikanische Republik zu werden. Bis Schröder kam und die Sache regelte. In den ersten beiden Vierteln hatte er sich, wie gegen Jordanien, aufs Passen beschränkt und sich mit eigenen Aktionen sichtlich zurückgehalten. Sein Auftritt wirkte wie seine Antwort auf die Debatte, ob er zu viel wirft und zu wenig passt oder doch umgekehrt, ob er ein richtiger Anführer sein kann, der die Mannschaft mitreißt, oder ob seine Dominanz die Mitspieler gar lähmt.

          Nahm das Spiel in die Hand: Dennis Schröder (Mitte) bei der WM gegen Senegal

          Weil zuvor nicht viel gelaufen war, nahm er die Sache nach dem Seitenwechsel in die Hand: Vier Dreier bei vier Versuchen, pfeilschnelle Dribblings zum Korb, Zauberpässe auf die langen Mitspieler: Schröder gelang in dieser Phase alles, anders als in den ersten beiden Spielen. „Dennis war überragend, er hat Verantwortung übernommen und Spielfreude reingebracht“, lobte Bundestrainer Henrik Rödl. Die ganze Krittelei an seinem Spielmacher ärgert ihn sowieso. „Dennis gibt alles, damit die Mannschaft gewinnt“, betonte er. „Manchmal klappt das, manchmal nicht. Aber natürlich stelle ich mich vor ihn!“

          Neben Schröder, der auf 24 Punkte und 12 Vorlagen kam, blühten jetzt auch die Teamkollegen auf, zumal Robin Benzing mit starken Defensivaktionen mit voranging. Daniel Theis (14 Punkte), Johannes Voigtmann (14), Maxi Kleber (12) und Benzing (11) trafen ebenfalls zweistellig. Der Gegner konnte nicht mehr mithalten. Und Schröder? Der beschränkte sich im Schlussviertel wieder aufs Passen. Es war ihm anzumerken, wie sehr ihm das Scheitern der Mannschaft und die heftige Kritik an seiner Rolle unter die Haut geht. „Ich habe nur mein Spiel gespielt, wie ich es seit sechs Jahren mache“, sagte er trotzig und an die Kritiker in der Heimat gerichtet. Auf die Frage, was im dritten Viertel anders war als zuvor: „Vorher habe ich eben gepasst.“ Auf die Fragen zu seiner Zukunft im Nationalteam betonte Schröder mit ebenfalls ausdrucksloser Miene zwar das Gleiche wie immer, er stehe zur Verfügung, sofern er fit sei, Zeit habe und auch alle anderen mitzögen.

          Einmal in Fahrt geißelte er zudem die Trennung des Bundesligateams Löwen Braunschweig von seinem Förderer Liviu Calin als „Schande“ und drohte in seiner Funktion als Haupt-Gesellschafter dem Klub: „Konsequenzen werden kommen.“ Um den 65 Jahre alten früheren Nachwuchschef seines Stammvereins öffentlich zu unterstützen, hatte Schröder sogar die selbstauferlegte WM-Pause seines Instagram-Accounts unterbrochen.

          Die Inbrunst und Begeisterung früherer Tage klangen bei seinen Aussagen aber nicht mehr mit. Vielleicht kann die Aussicht auf eine Olympia-Qualifikation wieder neue Motivation wecken. Die Deutschen können sich gegen die Kanadier zwar eine hohe Niederlage erlauben; trotzdem sollten sie sich deutlich steigern und im Angriff aus der Abhängigkeit von Schröder lösen.

          Die Nordamerikaner, die wie die Deutschen hoch gehandelt wurden, aber in ihrer Vorrunde an Australien und Litauen gescheitert waren, haben ihr Aus offenbar besser weggesteckt. Sie fertigten Jordanien 126:71 ab. „Kanada hatte ja mehr oder weniger einen Tag frei gegen Jordanien, während wir heute richtig Körner gelassen haben“, klagte Rödl. „Beide Teams sind enttäuscht. Jetzt geht es um den Stolz, beide spielen für ihre Nation“, sagte der ehemalige Frankfurter Coach Gordon Herbert, der das kanadische Team bei der WM zusammen mit Nick Nurse betreut.

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