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74:78 gegen Frankreich : Deutschlands katastrophaler Start kostet Sieg bei Basketball-WM

Unterlegen: Die Franzosen um Rudy Gobert sind den Deutschen einen Tick voraus. Bild: Reuters

Gegen Frankreich kommt das deutsche Basketball-Nationalteam bei der WM zu spät in Schwung. Trotz einer deutlichen Steigerung in der zweiten Halbzeit beginnt das Turnier für die deutsche Auswahl mit einer Ernüchterung.

          2 Min.

          Ein paar Minuten mehr Spielzeit hätte sich Henrik Rödl gewünscht. „Ich glaube“, sagte der Basketball-Bundestrainer, „dann hätten wir sie geschlagen.“ Aber zum Ende der regulären Spielzeit hatten die Franzosen vier Punkte mehr zu bieten (78:74). Erleichtert hinterließen sie eine durchgeschüttelte, aufgerüttelte, schließlich teils verärgerte deutsche Auswahl. „Das Ergebnis ist noch das Beste am Spiel. Wir haben katastrophal angefangen“, sagte Johannes Voigtmann, „das darf gegen so ein Team nicht passieren. Das ist bitter, das ist unnötig.“

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Verloren haben die Deutschen die Partie im ersten Viertel mit einer erschreckend schwachen Vorstellung im Angriff: zwei Treffer bei 17 Versuchen, während Frankreich nach Belieben punktete. Das Ergebnis niederschmetternd: 4:16 mit Ende des ersten Viertels. Das hing weniger mit einer grundsätzlichen Wurfschwäche zusammen, sondern eher mit der Verteidigung des Gegners. Sie ließ wenig freie Würfe zu. Und wenn Schröder oder ein Kollege zum Korb zogen, dann schlugen die Großen zu mit ihren Blöcken (9). Nicolas Batum oder Rudy Gobert mit seinen 2,16 Metern und einer Spannweite von 2,36. Die Deutschen geblockt, ihre Fans wie geschockt. So konnte es nicht weiter gehen im zweiten Viertel, so durfte es nicht weiter gehen. So ging es weiter. 19:4, 21:4. Rödl, äußerlich immer noch ruhig, nahm nach eineinhalb Minuten eine Auszeit, um einen kompletten Kontrollverlust zu verhindern.

          Wo blieb die Tiefe der Deutschen, ihr Talent? Es kam von der Bank, vor allem mit Voigtmann, dann traf endlich auch Schröder, die Verteidigung packte zu, zwang Frankreich zu Ballverlusten (insgesamt 15), kam ins Schnellangriffspiel: 13 Punkte ohne Gegenkorb, 17:21. Von einem glücklichen Momentum sprechen Spitzensportler in solchen Phasen, die eine Wende herbeiführen können. Schröder setzte mit einem Dreier nach. Aber damit endete der Aufschwung, die Nöte blieben, der zu große Respekt vor den französischen Abwehrtürmen in der Nähe des Korbes. Fehlentscheidungen folgten Fehlwürfe, von einem Rhythmus keine Spur. Warum? Frankreich spielte wie erwartet sehr physisch. Schröder wurde hart rangenommen, zog immerhin einige Fouls.

          Wachsender Rückstand

          Aber das Pick-and-roll-Spiel, das Blocken und abrollen des Mitspielers, ließen die Franzosen mit einer Konzentration auf den deutschen Aufbauspieler und einem klug zurückhaltenden Gobert in der Zone nicht zur Entfaltung kommen. Es ist ein Schlüssel für den Angriff der Deutschen über Schröders Tempo. Sie reagierten mit Pässen für die Langen an der Dreierlinie. Treffer hätten die Strategie aufgeweicht, Spielräume geschaffen. Aber die Würfe fielen noch nicht. „Da hat die Überzeugung gefehlt“, sagte Voigtmann. Das Selbstbewusstsein. Frankreichs Lauf mit zehn Punkten ließ die Deutschen ernüchtert zurück zur Halbzeit: 20:36.

          Das alte Spiel? Ja, bis lang in das dritte Viertel hinein, mit einem wachsenden Rückstand auf 24. Aber Voigtmann, der Topscorer der Deutschen (25 Punkte) hielt sein Team, von seinem Wurf jenseits der Dreipunktelinie zurecht überzeugt, im Spiel. Sie können das, die langen Deutschen. Auch Robin Benzing. Dann lief der Ball und das deutsche Spiel schrumpfte den Medaillenkandidaten vom übermächtigen Gegner auf eine schlagbares Ensemble mit nur noch neun Punkten zum Beginn des letzten Viertels. Unter zehn, sagen die Basketballer, das wirkt wie Riechsalz.

          Die aufgeweckten Deutschen brauchten zwar wieder ein paar Minuten und den „Killerinstinkt“ von Voigtmann, aber zwei Minuten vor dem Ende fehlten nur noch drei Punkte zum Ausgleich. Crunchtime! Die Chance, alles zu drehen im letzten Moment. Doch der NBA-Profi Evan Fournier (26 Punkte/10 Rebounds) behielt die Nerven auch in dieser Phase, sein wunderbarer „fadeaway“-Sprungwurf zum 76:70 entschied das Spiel gut 30 Sekunden vor Schluss. „Die gute zweite Halbzeit war ein Schritt nach vorne“, glaubt Aufbauspieler Schröder. „Dort setzen wir beim zweiten Spiel an.“ Am Dienstag, gegen die Dominikanische Republik, die Jordanien 80:76 schlug.

          Punkte für Deutschland:

          Schröder (Oklahoma City Thunder/NBA, 23 Punkte), Lo (FC Bayern München, 3), Akpinar (Besiktas Istanbul, 2), Benzing (Basket Zaragoza/ESP, 8) Zipser (FC Bayern München, 2), Barthel (FC Bayern München, 2), Kleber (Dallas Mavericks/NBA, 6), Theis (Boston Celtics/NBA, 3), Voigtmann (ZSKA Moskau/RUS, 25).

           

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