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Deutsche Basketballer : Deutschland will „etwas Cooles“ erreichen

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Will mit Deutschland das „Minimalziel“ bei der WM erreichen: Kapitän Robin Benzing (links) Bild: EPA

Es gibt die Momente, in denen aufblitzt, wie groß das Potential des Basketball-Nationalteams ist. Jetzt wollen die Spieler die WM im Hinblick auf die Olympia-Qualifikation gut zu Ende bringen.

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          Nur noch vier Sekunden stehen auf der Uhr, als Dennis Schröder losflitzt. Im Schnellzug-Tempo bis zum anderen Ende des Feldes. Vier, drei, zwei, eins. Die Sekunden ticken herunter, ehe er den Ball in die Höhe wirft, über den Kopf des Verteidigers, direkt hinein in den gegnerischen Korb. Exakt mit Ablauf der Zeit. Eine Weltklasse-Aktion im letzten WM-Gruppenspiel gegen Jordanien. In einigen Momenten blitzte es auf, welch großes Potential in der deutschen Basketball-Nationalmannschaft steckt. Besonders häufig in der Partie gegen Jordanien, die das deutsche Team 96:62 gewann.

          Doch in den ersten beiden WM-Spielen gegen Frankreich (74:78) und die Dominikanische Republik (68:70) wollte viel zu wenig gelingen. „Was wir in diesen beiden Partien abgeliefert haben, das waren nicht wir. Das war eine Katastrophe“, sagt NBA-Profi Maximilian Kleber: „Dadurch haben wir uns in eine bittere Situation gebracht.“ Und zwar: frühzeitiges Scheitern in der Gruppenphase, keine direkte Olympia-Qualifikation, natürlich auch keine WM-Medaille.

          Die Hoffnungen zuvor hätten größer kaum sein können. Selten wurde einer deutschen Auswahl so viel Talent bescheinigt. Nicht einmal 1993, als Deutschland den EM-Titel holte, sei das Potential so groß gewesen wie heute, findet Henning Harnisch, einer der Europameister von 1993. „Dieses Team verfügt über eine ganz andere Breite an Qualität. Bei jedem einzelnen Spieler des aktuellen Kaders würde ich sagen, den hätte ich früher gerne dabei gehabt.“

          Große Show: Wenn Dennis Schröder aufdreht, spielt er sensationell Basketball.

          Dass es dennoch zum frühzeitigen WM-K.-o. kam, war eine Mischung aus vielen Gründen. Unerfahrenheit, (zu) hohe Erwartungen, zu große Abhängigkeit von Dennis Schröder. Als der NBA-Star in den ersten beiden Spielen gut verteidigt wurde und aus dem Rhythmus kam, fehlte dem deutschen Team Plan B. „Wir haben uns zu sehr auf Dennis verlassen und die Last zu sehr auf seine Schultern gepackt“, sagte Center Danilo Barthel. Hinzu kam der mangelnde Biss der deutschen Auswahl, was Kapitän Robin Benzing nach der Pleite gegen die Dominikanische Republik deutlich ansprach: „Unser Gegner war hungriger, das darf uns nicht passieren. Wir sollten uns schämen.“ Hinterher setzte sich die Mannschaft zusammen, um die Enttäuschung aufzuarbeiten. „Jeder war extrem gefrustet, die Stimmung war nicht gut. Aber es lief alles zivilisiert ab“, sagt Kleber. Auf die Aussprache folgte die Leistungssteigerung gegen Jordanien.

          Der nächste Schritt in die richtige Richtung folgte im ersten Plazierungsspiel gegen Senegal. Dies entschied Deutschland am Samstag 89:78 für sich. So kommt es nun an diesem Montag um 14.00 Uhr (bei Magentasport) zu einer Art Endspiel gegen Kanada. Sollte auch diese Partie gewonnen werden, wäre die Teilnahme an den vor-olympischen Turnieren im Juni 2020 gesichert. „Das ist unser Minimalziel“, sagt Bundestrainer Rödl. Bei den insgesamt vier vorolympischen Turnieren treffen jeweils sechs Mannschaften aufeinander. Der Sieger jeder Gruppe qualifiziert sich für Olympia 2020 in Tokio.

          „Auch wenn die Enttäuschung groß ist, dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, dass unsere Mannschaft eine Zukunft hat“, sagt Kapitän Benzing und verweist auf den Altersschnitt von 26 Jahren – eines der jüngsten Teams der WM. „Mit dieser talentierten Generation wollen und müssen wir es hinbekommen, etwas Cooles zu erreichen. Der erste Schritt wäre das Quali-Turnier. Und dann steht ja die EM 2021 im eigenen Land vor der Tür.“ Dann wird auch Bundestrainer Rödl wieder an der Seitenlinie stehen. Verbandspräsident Ingo Weiss gibt ihm die Garantie: „Wir werden natürlich die ein, zwei Fehler, die es von der Mannschaft aus gab, analysieren und unsere Schlüsse ziehen. Aber Henrik hat keine Fehler gemacht. Er ist ein guter Trainer und bei mir unumstritten.“

          Auch NBA-Star Schröder hat angekündigt, Leader des Teams bleiben zu wollen. „Die EM ist für uns eine große Chance“, sagt Benzing. „Wenn es uns dort gelingt, erfolgreich zu sein, können wir den Basketball in Deutschland enorm pushen. Dafür müssen wir aber ganz anders auftreten als hier in China.“

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