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Deutsches Basketball-Team : Spektakulär gescheitert

So hatte sich Daniel Theis weder das Spiel, noch das Resultat vorgestellt. Bild: dpa

Für das deutsche Basketballteam sollte bei der WM in China eine neue Ära beginnen. Dieser Traum platzt mit der 68:70-Niederlage gegen die Dominikanische Republik wie eine Seifenblase.

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          Verlieren gegen die Dominikanische Republik? Diese Option gehörte nicht ins Programm der deutschen Basketball-Nationalmannschaft und ihrer Fans: das Ende der Reise, bevor die Weltmeisterschaft in China erst richtig angefangen hat? Unmöglich. Dabei wussten die Profis von der Qualität ihres Gegners im zweiten Gruppenspiel am Dienstag.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Es gibt kaum mehr Auswahlteams, deren herausragende Spieler nicht über NBA-Erfahrung verfügen oder in Europa auf höchstem Niveau spielen. „Vergessen Sie mir die Dominikanische Republik nicht“, hatte Liviu Calin dieser Zeitung vor dem Turnierstart zugerufen. Er weiß, wovon er spricht. Calin hat Dennis Schröder einst in Braunschweig auf dem Freiplatz entdeckt, Deutschlands schillerndsten, schnellsten Spieler.

          Nun wird eine ganze Basketball-Generation das famose Ensemble aus der Karibik auf Jahre hinaus mit einer bitteren, niederschmetternden Niederlage der Deutschen verknüpfen: Mit dem 68:70 platzte der Traum, in China eine neue Ära beginnen zu können, wie eine Seifenblase. Weil Frankreich sein Spiel gegen Jordanien gewann, können die auch von sich selbst hochgeschätzten Deutschen in der Plazierungsrunde bestenfalls einen Platz für ein Olympia-Qualifikationsturnier gewinnen, obwohl sie doch von der direkten Qualifikation bei dieser WM träumten. Was ist passiert?

          Die Gesichter von Spielern und Trainern Augenblicke nach dem Desaster verrieten die Fallhöhe der Deutschen. Nie zuvor, da sind sich die Experten bis hin zu Dirk Nowitzki einig, stand eine so ausgeglichen hoch talentierte deutsche Auswahl auf dem Parkett. Vier mit mehr oder weniger großer NBA-Erfahrung, Europaliga-Spieler, Profis, die es technisch und körperlich mit der Elite aufnehmen können (sollten). Während im Spiel gegen Frankreich (74:78) schwachen Phasen teils gute folgten, lief die Auswahl von Bundestrainer Henrik Rödl am Dienstag konstant tief unter der selbst so hoch gelegten Latte (Viertelfinale) durch. Die äußerst schwache Trefferquote aus der Distanz (3 von 21 Dreiern) erklärt diesen Tiefpunkt nicht.

          Das war nichts: Deutschlands Dennis Schröder (l.) und Daniel Theis nach Spielende
          Das war nichts: Deutschlands Dennis Schröder (l.) und Daniel Theis nach Spielende : Bild: dpa

          Die Profis aus der Karibik brauchten elf Würfe bis zum ersten Erfolg, steigerten sich im Gegensatz zu den Deutschen (6/22) ein bisschen. Sie fanden ins Spiel, und sie merkten mit jeder Minute, wie Schröder und Co. zu knacken sind. Mit einfachen Mitteln, mit den Grundlagen des erfolgreichen Basketballs: harter Verteidigung, hohem Tempo im Angriff in einer gefährlichen Phase, als die Deutschen von ihrer Offensive auf Defensive umschalteten. Viel zu häufig zu langsam. „Laufen, laufen“, rief Rödl seinen Spielern zu. Sie werden die Order gehört haben. Allein die Beine wollten nicht?

          „Man kann den Spielern nicht vorwerfen“, sagte Rödl dem Livestreamanbieter Magenta, „dass sie nicht alles gegeben haben.“ Trotzdem überspielte die Dominikanische Republik die Deutschen in der sogenannten Transition immer wieder, kam in Überzahl und dank kluger Pässe zu „einfachen“ Punkten. So einfach ist das gegen die sonst so starke Verteidigung mit Daniel Theis und Maximilian Kleber als Abräumern? So simpel sah es aus, nämlich nach einem hoch motivierten Zusammenspiel (22 Assists) unter Führung von Gelvis Solano auf dem Parkett, angepeitscht von einem engagierten Coach Nestor Garcia, mit Venezuela 2014 Südamerikameister.

          Seine Spieler wuchsen mit der von den ersten Minuten (0:8) an greifbaren Unsicherheit der Deutschen, mit deren teils unnötigen Ballverlusten und haarsträubenden Fehlentscheidungen bis in die Schlusssekunden hinein. Die Partie entwickelte sich zu einem Paradebeispiel für die Chance eines nominell unterlegenen Teams, das de facto besser besetzte mit den Grundlagen erfolgreichen Basketballs aufs Kreuz zu legen. Die großen Deutschen bekamen den langen, muskulösen Eloy Vargas (16 Punkte) nicht in den Griff, verloren das so wichtige Rebound-Duell. Ihre knappe Führung zur Pause (39:37) verwandelte sich in einen Acht-Punkte-Rückstand zu Beginn des vierten Viertels (60:52).

          Wo blieb die Spielführung in schwierigen Phasen? Auf den ersten Blick erscheint Schröder wieder als bester deutscher Spieler mit 20 Punkten, gefolgt von Theis (12). Doch der Aufbauspieler verwandelte nur 27,8 Prozent seiner Würfe aus dem Feld (ohne Freiwürfe), Theis traf sechs von 16. Das kann passieren. Aber wieso schlich ein gestandener NBA-Spieler wie Kleber nach fast fünfzehn Spielminuten ohne Punkt vom Feld? Wieso kam der Scharfschütze gegen Frankreich, Johannes Voigtmann (zwei Würfe, zwei Punkte), nicht zum Zug?

          Bei Schröder und Theis wurden dagegen 34 Abschlüsse gezählt, elf mehr als bei den acht übrigen, mit ausreichend Spielzeit eingesetzten Teamkollegen zusammen. Dazu zählt der Versuch, mit einem Kunststück dem Spiel in den letzten Sekunden eine Wende geben zu wollen. Aus Schröders Pass über Ringniveau auf den abgehobenen Theis wurde ein symbolisches Bild: Deutschland spektakulär gescheitert. Vor allem an sich selbst. „Wir bleiben“, sagte der konsternierte Rödl, „weit unter unseren Möglichkeiten im Moment.“

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