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Basketball-WM : Ein Wirbelwind schockt den Favoriten

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Freude über einen Überraschungserfolg: die argentinischen Basketball-Profis Facundo Campazzo (vorne) und Nicolas Laprovittola Bild: AP

Serbien galt für viele als großer Titelkandidat bei der Basketball-WM. Doch gegen Außenseiter Argentinien ist bereits im Viertelfinale völlig überraschend Schluss. Großen Anteil daran hat vor allem ein Spieler.

          Es sollte das Turnier der Serben werden. Nachdem sich bei den Weltmeisterschaften 2014 in Spanien und den Olympischen Spielen 2016 in Rio die Basketball-Auswahl der Vereinigten Staaten als zu stark erwiesen hatte, wähnten sich die Serben in China am Zug. Wenn doch beim Titelverteidiger viele Stars fehlen und im eigenen Team nur der verletzte Milos Teodosic. Die Vorrunde untermauerte den Anspruch. Die Mannschaft von Aleksandar Djordjevic beeindruckte mit Homogenität, gutem Zusammenspiel, großartigen Wurfquoten und spielerischer Eleganz, während die Amerikaner gegen die Türkei am Rande der Niederlage standen.

          Fast alle Beobachter erwarteten ein Duell der vermeintlich besten Mannschaften. Doch an diesem Dienstag endete der Traum jäh im Viertelfinale gegen Argentinien (87:97). So wie sich die Südamerikaner steigerten im Turnierverlauf, so ließ der Titelkandidat nach. In Krisensituationen, erst beim abschließenden Gruppenspiel gegen Spanien (69:81) und nun im Viertelfinale ließen die Serbien den Teambasketball vermissen, der sie vorher ausgezeichnet hatte.

          Waren bis dahin die Würfe durch gutes Passspiel vorbereitet gewesen, verfiel der Turnierfavorit immer mehr in Einzelaktionen, verließ sich zunehmend auf Bogdan Bogdanovic (21 Punkte) und Nikola Jokic (16). Vor allem dieses Spiel zeigte, wie anfällig Serbien an beiden Enden des Feldes gegen Geschwindigkeit ist. Die längste Mannschaft des Turniers, deren kleinster Spieler 1,95 Meter misst, konnte den überragenden Wirbelwind Facundo Campazzo (1,79 Meter/18) nie kontrollieren.

          Von den Serben nicht in den Griff zu kriegen: Argentiniens Facundo Campazzo

          Auf der anderen Seite verstand es Argentinien geschickt, die körperlich überlegenen Serben zu „doppeln“, für einen Augenblick zwei Verteidiger auf einen Angreifer zu hetzen und danach wieder tragfähige Zuordnungen zu finden. Serbien versuchte, sich anzupassen und spielte teilweise kleiner als gewohnt. So kam der 2,21 Meter lange Boban Marjanovic nicht einmal drei Minuten zum Einsatz, und der frühere Berliner Marko Simonovic (3) spielte als kleiner(er) Power Forward.

          Die Ausgeglichenheit und Tiefe des Kaders gelten als große Stärken der Serben. Doch gegen Argentinien verkürzte Trainer Djordjevic die Rotation, während sein Kollege Sergio Hernandez seine erweiterte, wohlwissend wie viel Energie dieses Spiel benötigen würde. „Freie“ Würfe wussten die Serben auch in der Schlussphase nicht ausreichend zu nutzen. Ihre Trefferquote bei den Dreipunkte-Würfen lag bei rund 30,8 Prozent, während Argentinien zwölf von 27 im Korb versenkte (44,4 Prozent). Zwar verkürzte Bogdanovic 80 Sekunden vor Schluss kaltschnäutzig mit einem Distanzwurf auf 85:91, doch Campazzo antwortete postwendend mit einem Dreier. Auch andere haben Nerven wie Drahtseile. Die Spanier zum Beispiel. Sie schlugen Polen in einem lange umkämpften Spiel 90:78 und qualifizierten sich nebenbei direkt für die Olympischen Spiele in Tokio 2020.

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