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Basketball-WM : Nur vom Sieg gegen die USA geträumt

  • -Aktualisiert am

Allein gegen alle: Dirk Nowitzki im Spiel gegen die USA Bild: dpa

Deutschlands Basketballer führten im WM-Vorrundenspiel gegen die USA mit 67:65, verloren aber doch noch mit 87:104.

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          Man müsste diesen Moment einrahmen können. Auf der Anzeigentafel des RCA Dome stand hinter Germany - USA die verrückte Zahlenkombination 67:65. Ein Dreier von Marko Pesic hatte die deutschen Korbjäger in Führung gebracht und der Adler auf der Brust schien abzuheben.

          3:27 Minuten waren da noch im dritten Viertel zu spielen. Zeit zum Träumen. Die Trainer standen. Die Auswechselspieler standen. Und die Funktionäre sowieso. Noch nie hatte ein mit NBA-Spielern besetztes US-Nationalteam einen internationalen Vergleich verloren. Würde die imposante Serie ausgerechnet bei der Basketball-Weltmeisterschaft im eigenen Land reißen?

          Am Ende war alles beim Alten

          „Wir haben das ganze Spiel über gefühlt", wird Superstar Dirk Nowitzki später sagen, „dass wir sie schlagen können." Doch das Gefühl täuschte. Gut drei Minuten später hatte Goliath dank Paul Pierce von den Boston Celtics wieder einen Zehnpunkteabstand zum Basketball-David hergestellt. Der Rest war Routine. Die USA gewannen das Vorrundenduell „letztlich verdient" (Nowitzki) mit 104:87 und blieben auch zum 55. Mal mit NBA-Protagonisten ungeschlagen. Aus der Traum für Deutschland.

          Dafür gab es Lob von allen Seiten für eine DBB-Auswahl, die schwach begann und unkonzentriert aufhörte, dazwischen aber lange Zeit brillierte. „Ich möchte Deutschland für diesen harten Test danken", meinte der amerikanische Nationalcoach George Karl, der früher einmal Detlef Schrempf bei den Seattle SuperSonics trainierte: „Und ich denke, dass noch weitere zwei, drei oder vier derartige Spiele auf uns warten."

          Wohin gehört Deutschland?

          Die Mission des hohen Favoriten ist klar. Auch ohne Superstars wie Shaquille O'Neal und Kobe Bryant (beide Los Angeles Lakers) oder Allen Iverson (Philadelphia 76ers) muss man den Titel gewinnen und die internationale Vormachtstellung untermauern.

          So klar ist das Ziel von Nowitzki und Co. nicht definiert. Man sitzt irgendwie zwischen den Stühlen und weiß nicht, zu welchen Basketball-Nationen man gehört. Zu den Top-Teams oder dem gesunden Mittelfeld? Die Ansprüche sind schließlich nach dem imposanten Supercup in Braunschweig und weiteren achtbaren Ergebnissen in der WM-Vorbereitungsphase gestiegen.

          Halbzeitstand 51:52

          Umso mehr ist der Frust von Dirk Nowitzki verständlich. Mit 34 Punkten war der Würzburger in Diensten der Dallas Mavericks wieder einmal Top-Scorer sowie Dreh- und Angelpunkt. Als ihn seine sichtlich nervösen Mitspieler anfangs im Stich ließen - man lag schnell mit 5:15 zurück, wobei Nowitzki alle deutschen Punkte erzielte - sorgte allein der große Blonde mit der sicheren Wurfhand dafür, dass man auf Tuchfühlung blieb.

          Als der Rückstand zu den US-Boys schmolz, machten sich die deutschen Fans mit Schlachtrufen bemerkbar. Allerdings stießen ihre La-Ola-Bemühungen bei den heimischen Zuschauern auf wenig Gegenliebe. Über 21:29 arbeitete sich die DBB-Auswahl zur Halbzeit auf 51:52 heran. Die Sensation lag in der Luft. Doch wie so oft in der Vergangenheit ging den deutschen Basketballern im großen Finale die Luft aus. Das Schlussviertel ging klar an die Gastgeber, die Kabinettstückchen zeigten und dafür lautstarke „U-S-A"-Rufe ernteten.

          In Einzelaktionen verstrickt

          „Am Ende haben wir nicht mehr so gespielt wie vorher und uns in Einzelaktionen verstrickt", klagte Dirk Nowitzki, „da müssen wir in Zukunft einen kühleren Kopf bewahren." China geschlagen, gegen die USA nach einer phasenweise brillanten Vorstellung durch dumme Fehler verloren. Quo vadis, DBB?

          „Wir haben gezeigt, dass wir auch mit den Besten mithalten können", sagte Bundestrainer Henrik Dettmann, „aber wir müssen auf dem Boden bleiben und von so einem Spiel lernen." Schließlich stand 24 Stunden später das letzte Vorrundenspiel gegen Algerien (Sonntag früh, 0:30 Uhr MESZ) an und mit einem Sieg wollte sich das deutsche Nationalteam eine gute Ausgangsposition für die Zwischenrunde schaffen.

          Auch die USA nicht unschlagbar

          Das Viertelfinale ist angepeilt, das Halbfinale möglich. Vize-Weltmeister Russland kassierte beim 81:100 gegen Argentinien ebenso bereits seine zweite Niederlage wie die Türkei. Der Vize-Europameister gab beim 86:88 gegen Brasilien in letzter Sekunde den Sieg noch aus der Hand. Schließlich verlor selbst Weltmeister Jugoslawien (69:71 gegen Spanien). Vieles scheint möglich.

          Selbst, dass jemand den USA in Indianapolis ein Bein stellt. Auch wenn Trainer George Karl darauf besteht, „immer noch die besten Basketballer der Welt" zu haben. Der Abstand zu den Verfolgern ist geringer geworden und diese wittern plötzlich Morgenluft. „Vor zehn Jahren habe ich gesagt, dass es 50 Jahre dauern wird, ehe jemand die Amerikaner schlägt", meinte Henrik Dettmann, „vielleicht habe ich mich da geirrt."

          Kein „Dream Team“ mehr

          Jedenfalls trägt das NBA-Ensemble nicht mehr den Beinamen „Dream Team", den einst Legenden wie Michael Jordan, Magic Johnson und Larry Bird bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona verdienten. Zwar würden sich viele Nationen um Spieler wie Elton Brand (Los Angeles Clippers), Antonio Davis (Toronto Raptors) oder Michael Finley (Dallas Mavericks) reißen, doch einen Zuschaueransturm lösen die weniger bekannten Leistungsträger nicht aus.

          „Wenn Jordan oder Shaq auflaufen würden, wäre die Halle voll", meinte ein Sicherheitsbeamter zu den bislang nur schwachen Zuschauerzahlen. Eine Niederlage gegen Deutschland hätte die Katastrophe perfekt gemacht. Aber wie sagte doch Bundestrainer Dettmann: „Wenn man die Amis schlagen muss, dann im Finale."

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