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Basketball : Opel Skyliners - neuer Trainer, neue Spieler, neue Ziele

  • -Aktualisiert am

Meister 2004 - und in dieser Saison? Bild: dpa

Vor dem Start der neuen Basketball-Saison leckt der Titelverteidiger seine Wunden und hofft auf die Zukunft. Der Trainer glaubt, daß die Skyliners bald „einer der besten Klubs in Europa“ sein können.

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          Ihren Hauptsponsor und Namensgeber dürfen die Opel Skyliners behalten. Das haben sie gerade noch rechtzeitig vor dem Start der Basketball-Saison erfahren. Der kriselnde Autobauer bleibt trotz finanzieller Talfahrt und Massenentlassungen an Bord - zumindest bis 2005. Ob auch der erstmals gewonnene Titel in Frankfurt bleibt, ist dagegen eine andere Sache. Eine, die noch schwieriger zu bewerkstelligen sein dürfte. Der Meister hatte zuletzt seine Probleme, und er wird von der Liga-Konkurrenz gejagt - es gibt komfortablere Situationen.

          Die Vorbereitung lief für die Skyliners jedenfalls nicht optimal. Nach anfänglichen Problemen und durchwachsenen Leistungen (5 Siege, 6 Niederlagen) kamen die Skyliners erst auf ihrer Italien-Reise besser in Fahrt. Gegen Virtus Bologna (zweite italienische Liga) gewannen sie klar mit 93:66. „Es war das erste Spiel, bei dem alles rund lief“, freute sich Shooting Guard Tyrone Ellis, der sein Team mit 26 Punkten fast im Alleingang zum Sieg führte. Im letzten Vorbereitungsspiel gegen Meisterschaftsfavorit Alba Berlin verloren die Hessen am Montag abend nur knapp mit 81:86. Der siebenfache deutsche Meister aus der Hauptstadt scheint auf einem guten Weg zu sein. Auch gegen die starken Telekom Baskets Bonn gewann er mit 75:68.

          „Komisches Gefühl“ bei Pascal Roller

          Über den wirklichen Leistungsstand der Opel Skyliners werden erst die Spiele zu Saisonbeginn Aufschluß geben. Die Hessen werden es nach den Abgängen der Leistungsträger Mario Kasun (zu Orlando Magic/NBA) und Robert Garret (Pompea Neapel) gewiß schwer haben, an die Großtaten der letzten Saison anzuknüpfen. Zum Auftakt ist ein Sieg am Freitag abend gegen den Vorjahres-Dreizehnten Enbw Ludwigsburg eingeplant. Nur 48 Stunden später kommt es dann bei der Heimpremiere (15 Uhr) in der Frankfurter Ballsporthalle zur Neuauflage des letzten Finals gegen GHP Bamberg.

          Die Hoffnungen bei den Fans und Verantwortlichen ruhen auch in diesem Jahr wieder auf Kapitän Pascal Roller, der in der vergangenen Spielzeit von den Fans der BBL zum „Spieler der Saison“ gewählt wurde. Nach seinem zweifachen Fingerbruch ist der Rekonvaleszent aber noch nicht wieder voll einsatzfähig. „Ich kann zwar alle basketballtypischen Bewegungen ohne Probleme machen, ein komisches Gefühl in meinen Fingern habe ich aber trotzdem noch“, sagte der 27jährige.

          Trainer Didins Verjüngungskur

          Deshalb hat die Clubführung kurzfristig entschieden sich personell abzusichern - entgegen den ersten Planungen, nach denen nur junge Spieler verpflichtet werden sollten. Spyro Panteliadis, zuletzt für Maroussi Athen aktiv, kam als Last-Minute Transfer und soll nun die Rolle hinter Roller ausfüllen. Ansonsten setzt der neue türkische Trainer Murat Didin (vorher Rimini) vor allem auf junge, preisgünstige Nachwuchskräfte. Mladjen Sljivancanin (19 Jahre) kam von Partizan Belgrad, Guard Berent Kavaklioglu (18) aus Ankara, sein Landsmann Hasan Özkan (23) spielte in der letzten Spielzeit noch für den türkischen Erstligaverein Tofas Bursa.

          Internationale Spieler für eine Mannschaft also, die sich gerne auch im europäischen Geschäft einen Namen machen würde. In der Europaliga werden sich die Skyliners vermutlich aber auch in dieser Saison mit der Rolle des Lehrlings begnügen müssen. In der schweren Gruppe C treffen die Hessen auf europäische Topmannschaften wie ZSKA Moskau oder Panathinaikos Athen. Pascal Roller freut sich dennoch auf den internationalen Vergleich und sagt: „Vielleicht können wir ja den einen oder anderen Großen ärgern.“

          Alte Stärke rechtzeitig zu den Play Offs?

          Zum Auftakt kommt am 3. November der türkische Spitzenklub Ülker Istanbul nach Frankfurt, ein ehemaliger Klub des neuen Trainers Murat Didin.
          Der Coach fühlt sich offenbar schon nach wenigen Wochen pudelwohl in der Bankenmetropole und lernt fleißig deutsch. Seine ersten Interviews gab der 49jährige aber lieber erst einmal in Englisch. Der Türke ist ein erfahrener Trainer und kann auf eine Karriere mit internationalen Stationen zurückblicken. Zuletzt war er in Italien und seinem Heimatland beschäftigt. Als Cheftrainer von Ülker Istanbul wurde er 2001 türkischer Meister, dreimal gewann er den Pokal und erreichte mehrmals in Folge das Achtelfinale in der Europaliga. In Frankfurt will er nun ein neues, junges Team aufbauen. Spätestens Anfang des nächsten Jahres will man wieder zur alten Leistungsstärke der letzten Saison zurückgefunden haben, um dann in den Play Offs durchzustarten, so der neue Übungsleiter, der die schwere Nachfolge des zu Basket Racing Paris abgewanderten Erfolgstrainers Gordon Herbert antritt.

          Pascal Roller lobte seinen neuen Chef („Ein guter Trainer“) schon nach dessen kurzer Amtszeit. Die Basketball-Philosophie sei allerdings eine andere, an die man sich erst gewöhnen müsse. Vor allem in den Herausforderungen in der Europaliga sieht Didin eine große Chance für seine Youngster (Altersdurchschnitt: 22,8 Jahre). „Diese harte Gruppe wird uns helfen, Erfahrungen zu sammeln, die wir in der Bundesliga nutzen können.“

          Der Türke verspricht den Anhängern der Frankfurter aber noch mehr und hat sich hohe Ziele für die kommenden Jahre gesteckt. „Wir müssen positiv denken, an unser Team glauben und nach vorne sehen. Ich glaube, daß die Opel Skyliners in ein paar Jahren, einer der besten Klubs in Europa sein können.“ Bis dorthin ist es mit Sicherheit noch ein weiter Weg. Unter Erfolgsdruck lassen sich die Skyliners aber auch nach ihrer starken letzten Saison nicht setzen. Die Mannschaft müsse sich erst einmal finden, bevor man wieder ein Wörtchen um den Titel mitreden könne, bestätigen Trainer Didin und Manager Wöbke unisono.

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