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Basketball : Lakers gewinnen NBA-Titel - Beginn einer neuen Dynastie?

  • -Aktualisiert am

Urschrei eines NBA-Champions: Shaquille O'Neal Bild: AP

Coach Phil Jackson gewinnt mit den Lakers seine insgesamt achte Meisterschaft. In Los Angeles begründet er wie bei den Chicago Bulls eine NBA-Dynastie.

          3 Min.

          Es war ein schmerzhaftes Erwachen. Als der Meisterschaftstraum beendet war, mochten sich die Fans der Philadelphia 76ers nicht mit der Realität anfreunden. "Let's Go Sixers" brüllten sie im heimischen First Union Center und ließen zudem noch den kleinen Spielmacher Allen Iverson mit stehenden Ovationen und "M-V-P"-Gesängen hochleben.

          So feierten die Verlierer, Partystimmung aber erst recht in Los Angeles. 20.000 Anhänger versammelten sich im Staples Center, um den letzten Akt der kalifornischen Heldenstory live auf dem übergroßen Videowürfel unter der Hallendecke zu verfolgen. 108:96 im entscheidenden fünften Spiel der Finalserie.

          Da rockte der Lakers-Palast im Konfetti-Regen und jeder umarmte vor Freude seinen Nachbarn. Draußen auf den Straßen Downtowns stimmten die Fans die "Go Lakers"-Schlachtrufe an und es gab das obligatorische Hupkonzert. Die Polizei verhinderte, dass wie im Vorjahr Scheiben zu Bruch gehen und Autos brennen. Aber ansonsten - ein deja vu-Erlebnis in der besten Basketball-Liga der Welt.

          Ein glückliches Trio: Bryant , O'Neal und Jackson

          Nach der Schlußsirene hüpften die Lakers-Korbjäger im 2600 Meilen entfernten Philadelphia über das Feld. Kobe Bryant schnappte sich zunächst den Spielball, um dann den rechten Arm siegreich in die Höhe zu strecken. Danach umarmte der eine Superstar den anderen namens Shaquille O'Neal, um anschließend Coach Phil Jackson zu drücken. Streicheleinheiten eines besonderen Trios, das noch vor zwei Monaten tief zerstritten war.

          "Dies ist alles unwirklich", meinte Jackson, "aber die Mannschaft hat im entscheidenden Moment zusammengehalten und an sich geglaubt." Im April hing noch der Haussegen schief, weil sich Bryant und O'Neal um die Führungsrolle im Team stritten. Es gab Fraktionen, Neid und Mißgunst, bis der Erfolg die "zerstrittene Rasselbande" (Los Angeles Times") wieder zusammenschweißte.

          Neuer Play-Off-Rekord

          Die Lakers gewannen von ihren letzten 24 Spielen sagenhafte 23 und stellten mit einer Bilanz von 15:1 einen neuen Playoff-Rekord auf, wobei sie im Saison-Endspurt keine einzige Niederlage in fremden Hallen kassierten. Nach den Portland TrailBlazers, Sacramento Kings und San Antonio Spurs mussten nun auch die kampfstarken Philadelphia 76ers die Überlegenheit des Starensembles aus Hollywood anerkennen. Nach dem überraschenden Auftaktsieg in Los Angeles (107:101) kassierten die 76ers in der Best-of-Seven-Serie vier Niederlagen in Folge, drei davon in heimischer Halle.

          "Wir haben einfach nicht die richtigen Mittel, um Shaq auszuschalten", meinte Spielmacher Allen Iverson vor dem fünften Aufeinandertreffen. Und der Wirbelwind sollte recht behalten. O'Neal erzielte 29 Punkte und holte 13 Rebounds und machte damit die Titelverteidgung der Lakers perfekt.

          "Ich danke meinen Mitspielern, dass sie mir den Ball gegeben haben", sagte der Star-Center artig, "diesen Triumph verdanken wir einer starken Mannschaftsleistung." Die gleiche Tonlage stimmte Guard Derek Fisher an, der das"gesamte Team" huldigte: "Wir mussten auf unserem Weg einige Hürden nehmen, aber zum Schluss haben wir alle an einem Strang gezogen."

          Iverson stemmte sich gegen Niederlage

          Das große Kämpferherz der in allen Belangen unterlegenen 76ers reichte nicht, um dem Favoriten am Ende Paroli zu bieten. Auch wenn Allen Iverson mit 37 Punkten im letzten Finalspiel der beste Korbjäger war, der Energieverschleiß war bei ihm wie allen Mitspielern sichtbar

          "Wir haben zwar verloren, verlassen das Feld aber erhobenen Hauptes", sagte Trainer Larry Brown, der in Philadelphia ein kleines Wunder vollbrachte. Erst zügelte er Heißsporn Iverson, um dann aus einem eher bescheidenen Spielermaterial einen Titelanwärter zu formen.

          Siegerehrung in den Katakomben

          Die Fans erkannten die Leistung der 76ers an, indem sie den alten und neuen Champion aus Los Angeles mit Buh-Rufen und spöttischen Bermerkungen bedachten. Die NBA, immer auf die perfekte Eigenwerbung bedacht, verschob daher die Siegerehrung vom Arena-Court in die sicheren Katakomben. Dort überreichte NBA-Commissioner David Stern dem neuen World Champion den goldenen Basketball und Shaquille O'Neal die Trophäe als wertvollster Spieler (MVP) der Finalserie.

          "Dieser Sieg bedeutet mehr als unsere letzte Meisterschaft", urteilte Kobe Bryant, "denn wir haben damit bewiesen, dass wir keine Eintagsfliege sind." Das Lob gilt besonders Coach Phil Jackson, der nach sechs Titelgewinnen mit Michael Jordan in Chicago seine Erfolgsserie mit zwei Championship-Ringen in Los Angeles fortsetzte. Sind die Lakers die nächste Dynastie nach den Bulls? "Wir gehören jetzt sicher zu den besten Teams aller Zeiten", sagte Forward Horace Grant, der bereits in Chicago spielte, "aber um in einem Atemzug mit den Bulls genannt zu werden, müssen wir mehr als zwei Titel gewinnen." Das dies gelingt, daran zweifelenderzeit nur wenige.

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