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Basketball : Jung, reich und gegen Kaution auf freiem Fuß

  • -Aktualisiert am

Gefährdeter Saubermann: Kobe Bryant Bild: AP

Die amerikanische Basketball-Profiliga NBA hat einen neuen bösen Buben: Ausgerechnet dem Vorzeigeprofi mit Saubermann-Image, Kobe Bryant, wird sexuelle Nötigung vorgeworfen. Ein Skandal mehr unter vielen?

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          So sehen Spielersteckbriefe in der amerikanischen Basketball-Profiliga aus: jung, reich, umschwärmt - und gegen Kaution auf freiem Fuß. Gerade erst hat einer der reichsten und umschwärmtesten Spieler der National Basketball Association (NBA) die lange Liste der hafterfahrenen Spieler verlängert: Der 24 Jahre alte Kobe Bryant von den Los Angeles Lakers mußte 25.000 Dollar Kaution hinterlegen, um nach seiner Festnahme wieder heimfahren zu dürfen. Bryant wird sexuelle Nötigung vorgeworfen. Ein Gericht in Eagle County im Bundesstaat Colorado wird sich mit dem Fall beschäftigen.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Als müßte der Eindruck einer enthemmten, ausschweifenden Spielergeneration im amerikanischen Basketball bestätigt werden, meldete die Zeitung „Orlando Sentinel“ kurz darauf, daß auch Darrell Armstrong von den Orlando Magic bei einem Nachtklubbesuch auffällig geworden sei: gleicher Vorwurf, gleiches Prozedere nach der Festnahme. Nur die Kaution war mit 1000 Dollar deutlich niedriger.

          Pistole am Gürtel, Prügel für die Frau

          Im Vergleich zur NBA sind die vermeintlichen Skandale bekannter Bundesligaspieler harmlose Episoden. Hier Frauen-Hopper Oliver Kahn mit seiner öffentlichen Selbstfindung oder Stefan Effenberg als schreibender Fußball-Prolet, dort Verhaftungen wegen tatsächlich ernster Angelegenheiten: Vergewaltigung, Körperverletzung, Waffenbesitz, Einbruch, Besitz von Rauschgift.

          Allen Iverson von den Philadelphia 76ers drang im vergangenen Jahr auf der Suche nach seiner Frau mit einer Pistole am Gürtel in ein fremdes Appartement ein. Wegen seiner Teilnahme an einer Schlägerei hatte er 1993 bereits vier Monate im Gefängnis verbracht. 1997 kam eine Bewährungsstrafe wegen illegalen Waffenbesitzes hinzu. Und Iverson ist nur einer von vielen.

          Kollege Damon Stoudamire (Portland Trail Blazers) wurde mit 150 Gramm Marihuana erwischt, Chris Webber (Sacramento Kings) soll einen Meineid geleistet haben, Stephon Marbury (Phoenix Suns) mußte wegen eines schweren Verkehrsdelikts zehn Tage ins Gefängnis. Glenn Robinson (Milwaukee Bucks) wurde wegen Vergewaltigung, Gewalt in der Familie und illegalen Waffenbesitzes verhaftet. Latrell Sprewell (New York Knicks) würgte seinen Trainer und wurde nach weiteren Ausfällen von seinem Verein zu einer Geldstrafe von 250.000 Dollar verdonnert, Teamkollege Kurt Thomas verprügelte seine Frau und wurde festgenommen.

          Uneheliche Jung-Basketballer

          Überhaupt die Frauen: Es heißt, die Vertreter des angeblich körperlosen Spiels zeugten bei ihren Auswärtsreisen besonders viele Kinder. Shawn Kemp (Orlando Magic) hält mit sieben Kinder von sechs verschiedenen Frauen den Ligarekord, gefolgt von Spielern wie Larry Johnson (fünf von vier), Kenny Anderson, Iverson und Sprewell (jeweils drei von drei). Ernähren können sie den ungewollten Nachwuchs problemlos. In einer Liga, die ihre Fernsehrechte für 4,6 Milliarden Dollar verkauft hat, verdient es sich prächtig. Iverson etwa erhält für die kommenden drei Jahre allein 40,5 Millionen Dollar von den 76ers. Sein Ausrüster zahlt fünf Millionen Dollar jährlich obendrauf, auf daß Iverson seine Produkte trägt.

          Daß Kobe Bryant die Reihe der notorischen Liga-Rüpel verlängern könnte, trifft die NBA allerdings hart. Bryant steht für hohe Spielkunst, Intelligenz, gutes Aussehen und gutes Benehmen, glänzende Vermarktungsmöglichkeiten. Ein Gegenentwurf zu den oft flächendeckend tatöwierten, unberechenbaren Spielern wie Iverson, die rücksichtslos eine Art Ghetto-Basketball kultivieren. Es heißt, Bryant sei ein neuer Michael Jordan. „His Airness“ glänzte jahrelang mit erfolgreichem Spiel und einem klinisch reinen Image. Dann kam heraus: Jordan zockte im Casino und auf dem Golfplatz um astronomische Summen, betrog seine Frau und verklagte seine Geliebte, die fünf Millionen Dollar für ihr Schweigen verlangte, wegen Erpressung.

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