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Basketball : Bemüht, aber fruchtlos

Deutschland - Mazedonien in der ratiopharm arena in Neu-Ulm (Bayern) Bild: dpa

Basketball-Bundestrainer Menz macht keine Vorwürfe, muss jetzt aber langfristig planen. Dabei kann er nicht mehr allein auf Nowitzki zählen.

          3 Min.

          Dass sich jemand stets bemüht hat: ein vernichtendes Urteil. Vor allem sagt es, dass die Bemühungen fruchtlos waren. Beim Basketball-„Supercup“ in Ulm hat die deutsche Nationalmannschaft sich dieses Urteil erkämpft: bemüht, aber am Freitagabend Bosnien-Hercegovina 62:73 unterlegen, am Samstag Mazedonien 67:81 und dem zweimaligen Europameister Griechenland am Sonntag 62:78.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Doch nicht der geringste Vorwurf klang an, Bundestrainer Frank Menz lobte vielmehr nach der Niederlage gegen Griechenland: „Gegen die Griechen mit weniger als 20 Punkten zu verlieren ist ein Superergebnis.“ Nach dem Spiel gegen den späteren Turniersieger Mazedonien (93:84 gegen Bosnien-Hercegovina) er gesagt: „40:30 Rebounds, das zeigt den Willen.“ Menz ist nicht der Personalchef des deutschen Basketballs, der zum Abschied Zeugnisse schreibt. Er versteht sich vielmehr als Entwicklungshelfer im eigenen Land.

          „Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen“

          Die 21 Ballverluste von Robin Benzing und Aufbauspieler Heiko Schaffartzik, von Niels Giffey und Per Günther im Spiel gegen Bosnien-Hercegovina erklärte er damit, dass seine Spieler im Schnitt erst 24 Jahre alt und natürlich aufgeregt seien in einer solchen Partie. Tags darauf war es gegen Mazedonien die Trefferquote: 35 von 61 Würfen gingen daneben. Von 32 Distanzwürfen saßen nur acht. Lediglich Center Tibor Pleiß (16 Punkte, 8 Rebounds) und Schaffartzik (12 Punkte, 5 Assists) sowie Giffey (8/5 Rebounds) bewiesen eine ruhige Hand. Kein Problem, fand der Bundestrainer, so viele freie Würfe müsse man erst einmal herausspielen. Am Sonntag ragte wieder Pleiß heraus (18/4), als sein Team sich mit nur sechs Treffern bei 22 Dreierversuchen die Trefferquote verdarb.

          „Kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen“: Frank Menz übt sich in der Kunst, in Niederlagen Positives zu sehen
          „Kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen“: Frank Menz übt sich in der Kunst, in Niederlagen Positives zu sehen : Bild: dpa

          „Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen“, war das Credo von Menz, und wie er sein Team sieht, klang an, als er nach der Niederlage gegen Mazedonien lobte: „Wir haben bei den Rebounds gewonnen gegen die großen Jungs.“ Seine Buben seien es nicht gewohnt, in ihren Vereinen die Verantwortung für Sieg oder Niederlage zu übernehmen. Was nach Überbehütung klingt, ist Basis seiner Strategie. Was an individueller Leistung fehlt, soll an Mannschaftsleistung dazukommen: „Wir müssen mutig und schnell spielen und dann die Fehler reduzieren.“ Die Mission zielt trotz Tempospiels nicht auf schnellen Erfolg. Vielmehr will Menz eine Struktur schaffen, die auch den vielversprechenden Nachwuchs, den er in den Jugendmannschaften des Verbandes betreute, sowie die jungen, in Amerika engagierten Spieler aufnimmt; den neunzehnjährigen Aufbauspieler Dennis Schröder von den Atlanta Hawks und Elias Harris, der bei den Los Angeles Lakers um einen Vertrag kämpft. Und die für Dirk Nowitzki und Chris Kaman attraktiv für eine Rückkehr ist.

          Nicht nur noch Nowitzki

          „Wir brauchen noch ein paar Jahre und Spieler mit mehr Athletik“, sagte Menz. „Wir haben keine Spieler, die uns in der Offensive tragen.“ Trotz der Niederlagen: „Auf diesem Niveau zu spielen hilft jedem weiter“, sagte Pleiß. Center in Vitoria in der spanischen Liga und mit einem Vorvertrag in Oklahoma, wirkt er schon wie ein Veteran im Team. „Das ist schon verrückt“, sagte er. „Mit 23 Leistungsträger zu sein, das ist etwas Neues.“ Nicht nur Punkte wolle er beitragen, sondern auch Schulterklopfen und positive Ansprache. „In den nächsten Spielen wird es aufwärts gehen.“ „Kein Druck!“ heißt die Devise beim Deutschen Basketball-Bund. Die einzige Zielvorgabe, über die Präsident Ingo Weiss sprechen will, ist die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016. Bei der übernächsten Europameisterschaft 2015 in der Ukraine gilt’s - vermutlich.

          Die Perspektive der deutschen Auswahl zeigt sich gar nicht bei der anstehenden EM in Slowenien, die am 4. September mit der Partie gegen das hoch favorisierte französische Team um Tony Parker vom mehrmaligen NBA-Champion San Antonio Spurs beginnt. Statt wie früher allein auf Nowitzki zu hoffen, gehören zur neuen deutschen Generation auch die Abwesenden Schröder, Harris und Ohlbrecht. Im Stich gelassen, sagt der für die University of Connecticut spielende Giffey, fühle er sich nicht. „Man muss das respektieren. Ich wünsche ihnen, dass sie sich in der NBA durchsetzen“, sagte er. „Sie sind Teil der neuen Generation.“ In Europa gegen Profis aus der NBA zu spielen wie Marc Gasol, Jose Calderon und Ricky Rubio beim 54:85 gegen Spanien, gegen Tony Parker bei zwei Niederlagen gegen Frankreich (84:89 und 66:74) in Testspielen und nun gegen den Bosnier Mirza Teletovic von den Brooklyn Nets oder den Mazedonier Pero Antic, der für Atlanta spielen wird, das war für Center Andreas Seifert „von vornherein eine Extramotivation und im Nachhinein frustrierend“. Abgerechnet aber werde bei der EM. „Vielleicht ist es gar nicht schlecht, wenn wir als Underdog hinfahren.“

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