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Basketball : Alba Berlin meldet sich zurück

  • -Aktualisiert am

Der schwach in die Saison gestartete deutsche Basketball-Meister Alba Berlin hat die Spitze der Bundesliga wieder im Visier - fehlen nur noch Erfolge in der Europaliga.

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          Die größten Komplimente kommen zurzeit vom Gegner. Als der deutsche Basketballmeister Alba Berlin am zurückliegenden Samstag gegen den Tabellenführer Opel Skyliners Frankfurt siegte, sagte deren Trainer Gordon Herbert: "Das war heute eine Lehrstunde für uns." Am Dienstag abend wählte Aaron McCarthy, Coach des TSK Würzburg, ähnliche Worte: "Was soll ich sagen? Wir haben gegen eine verdammt starke Mannschaft gespielt und verloren."

          Die verbalen Verneigungen der Konkurrenten besitzen triftige Gründe. Alba Berlin, das enttäuschend in die Saison gestartet war, findet mit attraktivem Basketball zu alter Stärke zurück. Nach dem 88:69 (48:36) gegen Würzburg ist das Team von Trainer Emir Mutapcic nur noch zwei Punkte von der Tabellenspitze entfernt.

          Mit den jüngsten Erfolgen ist auch das Selbstbewußtsein der Berliner gewachsen. "Die Entscheidung in der Meisterschaft geht nur über uns", sagt Marco Baldi, Vizepräsident des achtmaligen Titelträgers. Die Partie gegen Würzburg war Albas letzter Stärkebeweis im Jahr 2003. Die Berliner kontrollierten die Begegnung ab der ersten Spielminute - sie gewannen den Durchgang Nummer eins mit 28:18. Zehn Punkte bedeuten im Basketball keinen immens großen Vorsprung, doch Albas harte Verteidigungsarbeit ließ früh ahnen, daß Würzburg an diesem Abend keine Chance haben sollte.

          Die Würzburger irritierten Alba nur kurz

          Dabei hatte sich Trainer McCarthy einen taktischen Kniff für die Partie vor 6000 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle ausgedacht. Er ließ eine sogenannte Zonenverteidigung spielen und nahm Albas Regisseur DeJuan Collins gleich doppelt in Deckung. Alba war anfangs etwas irritiert, entwickelte aber schnell eine Gegenstrategie. Da der Weg zum Korb versperrt war, versuchten es die Berliner mit Distanzwürfen. Das klappte: Nationalspieler Stefano Garris traf fünf von sechs Versuchen, und sein Kollege Vladimir Petrovic verwandelt zwei seiner drei Schüsse.

          Würzburg hingegen fehlte die Präzision: Mit einer Trefferquote von nur 22 Prozent war die Wurfausbeute aus der Distanz äußerst schwach. Beim vor Saisonbeginn als Abstiegskandidaten gehandelten TSK fiel nur ein Mann auf: Center Tony Kitchings. Der 120 Kilo schwere Amerikaner war mit 17 Punkten Topscorer seines Teams, hätte aber wesentlich mehr Treffer landen können, wenn er denn Lust und Luft gehabt hätte. Nicht alles, was Kitchings Hemd ausbeult, ist nämlich Muskelmasse. Das hohe Kampfgewicht zwingt Kitchings immer wieder zu Atempausen, die seine Gegner nutzen. So stand Albas Center Jovo Stanojevic acht Minuten weniger auf dem Feld als Kitchings - erzielte aber genauso viel Punkte wie dieser.

          Würzburgs Coach McCarthy wird sich in naher Zukunft nicht mehr allein auf Kitchings verlassen müssen. Die Mannschaft ist im Begriff zu sich zu finden nach Wochen großer Umbauarbeiten. Für den an der Bandscheibe verletzten Flügelspieler Marcus Grant verpflichteten die Würzburger kurzfristig dessen amerikanischen Landsmann Jason Perez, und für Topscorer Dubravko Zemljic (Daumenbruch) wurde erst in der vergangenen Woche der Belgier Butch Tshomba geholt. Die Phase der Akkimatisierung für die Neuen - das wurde in Berlin deutlich - neigt sich ihrem Ende zu. Die Spielzüge wirkten flüssig, wenngleich 20 Ballverluste zu beklagen waren.

          Späte Wende in der Europaliga?

          Würzburg wird in der derzeitigen Form wohl nichts mit dem Kampf um den Klassenverbleib zu tun haben - zumal ein Abstieger schon feststeht: Der Traditionsclub Brandt Hagen meldete sich in dieser Woche vom Spielbetrieb ab. Die Hagener sind insolvent; alle Resultate werden annuliert, was für derzeit für ein schiefes Tabellenbild sorgt. Anders als Tabellenführer Frankfurt und der Zweite Bonn hat Alba nämlich noch nicht gegen Hagen gespielt und verbucht somit eine Partie mehr. Die stornierte Partie gegen Hagen, die für den 10. Januar terminiert war, wird Alba nicht sonderlich ärgern. Jede Pause ist zurzeit willkommen; der Spielplan kennt nämlich keine Gnade. Sowohl an Silvester als auch am Neujahrstag trainieren die Berliner in vollem Umfang, denn schon am 2. Januar müssen sie nach Braunschweig reisen. Am folgenden Mittwoch steht dann das vorentscheidende Match in der Europaliga an: Alba trifft auf den französischen Klub Asvel Villeurbanne-Lyon.

          Sollten die Berliner die Partie verlieren, müßten sie alle Hoffungen auf den angestrebten Einzug in Feld der Top-16 fahren lassen. Mit nur einem Sieg steht Alba am Tabellenende seiner Vorrundengruppe. Trainer Emir Mutapcic mag sich generell nicht gern an Rechenspielchen beteiligen, fordert aber fünf Siege aus den nächsten sieben Partien. Die Rückrunde der Europaliga droht nun zu einer quälend langen Abschiedstournee für Alba zu werden. In der nationalen Konkurrenz sind die Berliner zwar eine Macht und gewannen den Meistertitel achtmal nacheinander, im europäischen Vergleich jedoch wirken sie schwach. In den zurückliegenden drei Europaliga-Spielzeiten haben sie nur acht Partien gewinnen können. Nun soll gegen Asvel Villeurbanne-Lyon eine späte Wende zum Guten erfolgen.

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