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Ball des Sports : Politiker und „Luder“ machen sich rar

  • -Aktualisiert am

Farbe bekennen: Wer zum „Ball des Sports” kommt, wird genau beobachtet Bild: Wolfgang Eilmes

Beim „Ball des Sports“, einem der großen Prominententreffs, sind nicht immer die Sportler die großen Stars. Bei der 33. Auflage in Frankfurt aber war es so.

          3 Min.

          Er hat es getan: Udo Jürgens kam zur allgemeinen Freude und zum guten Schluß in seinem weißen Bademantel auf die Bühne. Alles andere hätte seine sportliche Fangemeinde zu mitternächtlicher Stunde auch sehr enttäuscht. Und auch die beiden Gläser Kamillentee auf dem Piano hätten zuvor auf keinen Fall fehlen dürfen.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Bei Schlagerstars ist das manchmal anders als bei Sportlern: Je älter sie werden, desto größer der Kult. Und so versammelten sich denn auch viele Jung-Athleten beim 33. „Ball des Sports“ vor der Bühne in der Frankfurter Festhalle und huldigten dem Altmeister der leichten Muse voller Inbrunst: „Merci, Chérie!“

          „Luder-Liga“ schwach vertreten

          Da konnten die Ballgäste dann doch noch ihrem Hang zum Starkult frönen, nachdem sie vorher ein bißchen enttäuscht worden waren beim neugierigen Rundblick über die 2200 Besucher. Ja, wo sind sie denn, die glamourösen Größen aus dem Showbusineß? Immerhin ließen sich in der Menge die Gesichter von Til Schweiger, Bernd Herzsprung und Claus-Theo Gärtner ausmachen. Die „Luder-Liga“, sowieso im ganzen abstiegsverdächtig, war ganz schwach vertreten. Nach Verona Feldbuschs Absage war das Busenwunder Michaela Schaffrath, besser bekannt unter ihrem ehemaligen Künstlernamen Gina Wild, die letzte Vertreterin ihrer Art bei der „größten und erfolgreichsten Benefizveranstaltung Europas“.

          Gastgeber und Gast: Hans-Ludwig Grüschow, Vorsitzender der Stiftung deutsche Sporthilfe, und der hessische Ministerpräsident Roland Koch - jeweils mit Gattin
          Gastgeber und Gast: Hans-Ludwig Grüschow, Vorsitzender der Stiftung deutsche Sporthilfe, und der hessische Ministerpräsident Roland Koch - jeweils mit Gattin : Bild: Wolfgang Eilmes

          Hans-Ludwig Grüschow, als Vorsitzender der Stiftung Deutsche Sporthilfe Gastgeber des Balls, wies stolz darauf hin, daß man in diesem Jahr eine Million Euro für das Sozialwerk des Sports einzunehmen hoffe. Und dafür sind die spendablen Gäste aus der Wirtschaft allemal am wichtigsten. Immerhin engagierten sich die Sponsoren mit 2,5 Millionen Euro, allein die Tombola war 666.000 Euro wert.

          Franziska van Almsick als Glücksfee

          Im übrigen verfügt der Sport selbst über genügend weltberühmte Stars. Olympiasieger, Weltmeister, Europameister von damals und heute warfen sich am Samstagabend in Schale, wobei den größten Beifall in Frankfurt zwei große ehemalige Leichtathleten erhielten, nämlich der Hürdenläufer Edwin Moses und der Stabhochspringer Sergej Bubka. Die Biathletin Kati Wilhelm vertrat würdig den Wintersport in einem so dünnen Kleid, wie es in den langen Wandelgängen wohl nur jemand tragen konnte, der an arktische Verhältnisse gewöhnt ist.

          Am ehesten hat wohl Franziska van Almsick unter den deutschen Sportlerinnen die Klasse einer Diva erreicht. Dazu gehört auch, daß sie erst reichlich spät erschien, und das nicht etwa, weil sie lieber den Halbfinalsieg der deutschen Handball-Nationalmannschaft verfolgt hätte. Nein, den Fingerbruch ihres Lebensgefährten Stefan Kretzschmar hatte sie nicht live verfolgt. Die Schwimmerin bestritt selbst einen Wettkampf, wie sie Moderator Johannes B. Kerner versicherte. „Das Ergebnis ist mir aber bekannt“, ergänzte sie.

          Absagen aus der Politik

          Später zog sie die Farbe Grün, was auf einen Schlag sechs Siebtel der hoffnungsvoll gekauften Tombola-Lose zu Nieten machte. Und wie immer konnte nur einer den Hauptgewinn bekommen, einen Mercedes CLK im Wert von 49.486 Euro. Andere wiederum schauten ein bißchen enttäuscht auf ihre „Amtl. Briefmarken-Jahreszusammenstellung der ungestempelten Marken der DDR 1986“, die sie soeben ergattert hatten. Ein Trost: Der Erlös des Losverkaufs dient einem guten Zweck. Auch bei zukünftigen Bällen des Sports sollen schließlich junge Athleten gefeiert werden, denen die Sporthilfe den Weg zum Erfolg geebnet hat.

          Auch die Politik sonnt sich ja immer wieder gern im Glanz von Medaillen. Und doch hielten sich die Regierungsmitglieder aus Berlin in diesem Jahr auffallend zurück. Wirtschafts- und Arbeitsminister Wolfgang Clement sagte kurzfristig ab, Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundespräsident Johannes Rau, der Schirmherr des Balls, hatten schon früher abgewinkt. So war Justizministerin Brigitte Zypries die protokollarisch höchstrangige Person des Abends - beim 33. „Ball des Sports“ erstmals eine Frau. Der hessische Ministerpräsident Koch, einer von fünf anwesenden Landesvätern, ließ sich im übrigen den Auftritt von Udo Jürgens nicht entgehen und blieb bis nach Mitternacht. Und das am Vorabend der Landtagswahl.

          Plattform für Olympiabewerber

          „Olympische Welten“ war das Motto des Abends, und so jubelten den Besuchern von allen Wänden erfolgreiche Olympioniken zu. Die fünf deutschen Städte, die sich gerne um die Ausrichtung der Sommerspiele 2012 bewerben würden, müssen hingegen noch kämpfen. Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und Leipzig (in alphabetischer Reihenfolge) warben im Rahmen des Balls für sich. Wobei der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth der beste Redebeitrag glückte. Im Vergleich der Lounges im Foyer allerdings schnitten die Hessen schlecht ab. Neben den aufwendig beleuchteten Modellen, mit denen die anderen ihre geplanten Sportstätten präsentierten, wirkte die einsame Steinsäule der Frankfurter ein bißchen schlicht.

          Ob sie sich da von dem neuen Grundsatz der Ballveranstalter hatten anstecken lassen, nach dem weniger mehr ist? Auf reduzierter Fläche sollte der „Ball des Sports“, der erst zum zweiten Mal in der Festhalle stattfand, die stimmungsvolle Atmosphäre erhalten, die ihm im vergangenen Jahr noch fehlte. Erfahrene Besucher waren sich denn auch einig: Diesmal war die Veranstaltung kleiner, aber feiner.

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